Volbeat + Bush + Witch Fever (23.10.2025, Luxemburg (L))

Die Bühne lässt Großes erwarten an diesem Abend in Luxemburg. Sie ist ungewöhnlich hoch und obwohl recht nüchtern gestaltet, macht sie ordentlich Eindruck. Im Hintergrund thront das zu Beginn noch verhangene mächtige VOLBEAT Drum Kit, das von etwas nach vorne versetzten amtlichen Marshall Verstärkerwänden eingerahmt wird; immer wieder gerne gesehen, sowas! Am rechten und linken Bühnenrand befinden sich zwei Podeste, im Vordergrund reicht ein großer Steg weit ins Publikum hinein. Beeindruckend auch die über der Bühne platzierten spektakulären Lichttraversen in Form eines siebenstrahligen Sterns. Das sind selten gesehene Dimensionen in der Rockhal. Man darf also sehr gespannt sein wie die Bands diese großen Flächen bespielen werden.

WITCH FEVER
Den herausfordernden Job der Einheizer übernehmen WITCH FEVER aus Manchester mit viel Mut und Energie. Während sich Gitarristin Alisha Yarwood, Basserin Alex Thompson und Schlagzeugerin Annabelle Joyce zunächst meist im dunklen Hintergrund aufhalten und sich erst spät im Set zu Sängerin Amy Walpole im vordersten Bereich des Stegs gesellen, merkt man ihr die Begeisterung am Bad in der Menge zu jedem Zeitpunkt an.

Outfit und Auftreten der vier jungen Frauen geben die Richtung vor. Den wuchtigen Songs sind die Post-Punk- und Grunge-Wurzeln anzuhören. Besonders gefallen haben mir aber die zahlreichen psychedelischen Momente, die die Band und besonders Amy vor allem in „The Garden“ hervorragend zu erzeugen wissen. Entrückt triftet sie durch stillere Passagen um plötzlich in wilde Schreie zu eskalieren. Deutlich punkiger kommen dann vor allem „Dead To Me“ und „Blessed By Thy“ rüber. Mit diesem rohen, kraftvollen Sound haben sich WITCH FEVER in der Heimat bereits einen Namen als eine der aufregendsten Bands der Underground-Musikszene gemacht und sie wissen auch heute in ihrem knapp 30-minütigen Auftritt zu überzeugen.

Setlist WITCH FEVER:
Drank The Sap
The Garden
Burn To Hit
Dead To Me!
Blessed Be Thy
Fevereaten
I See It

BUSH
Sehr gespannt bin ich auf BUSH. Bekommen sie das wirklich auf die Bühne, was sie an Soundkönnen drauf haben? Und tatsächlich von der ersten Sekunde an kann man in einem Meer aus großartig schweren Klängen baden und darüber Gavin Rossdales herrliche Stimme genießen. Das ist schon ein Hammer! Nur Rossdales Klamottenwahl verwirrt zu Beginn. In einer weißen Regenjacke aus Ballonseide Marke achtziger Jahre präsentiert er sich zunächst, glücklicherweise entledigt er sich des guten Stücks bereits nach kurzer Zeit.

Dafür ist die Songauswahl exzellent. Dem Opener „Everything Zen“ vom 94er Album „Sixteen Stone“ und „Identity“ von „The Art Of Survival“ folgt ein erster Block mit drei Songs von der aktuellen Platte „I Beat Loneliness“. Besonders „The Land Of Milk And Honey“ kommt live richtig gut rüber und natürlich auch mein persönlicher Favorit „60 Ways To Forget People“. Ich muß gestehen, soviel Rockenergie hatte ich bei der pessimistischen Grundstimmung des neuen Albums live nicht erwartet.

Wenn man ein Haar in der Suppe suchen wollte ist es dies: BUSH sind keine Partyband, ausgelassene Stimmung kommt da im Publikum eher selten auf. So auch heute in der Rockhal. Dennoch ist es ein richtig starker Auftritt mit vielen weiteren großen Songs wie „Heavy Is The Ocean“, „Swallowed“, oder „I Beat Loneliness“. Endzeittrübe Balladen fehlen zum Glück auf der Setlist genauso, wie überraschenderweise „Glycerine“, einer ihrer größten Hits.

Setlist BUSH:
Everything Zen
Identity
I Am Here To Save Your Life
The Land Of Milk And Honey
60 Ways To Forget People
Machine Head
Heavy Is The Ocean
Swallowed
I Beat Loneliness
More Than Machines
Flowers On A Grave

VOLBEAT
In der Umbaupause wird die Bühne von einem mächtigen Vorhang verhüllt. Darauf sind die Schattenrisse der vier Musiker und seitlich das Greatest-Of-All-Tours Logo abgebildet. Als das Hallenlicht ausgeht, leuchtet der Vorhang sehr effektvoll glühend rot auf und fällt mit den ersten Takten von „The Devil‘s Bleeding Crown“. VOLBEAT starten mit ungeheurer Wucht in das Konzert und das Publikum nimmt es gerne an, „Lola Montez“ und „Sad Man’s Tongue“ werden lautstark mitgesungen. Dazwischen bittet ein bestens gelaunter Michael Poulsen zum gemeinsamen JOHNNY CASH Ständchen und zeigt sich tief gerührt von der Textsicherheit des Publikums. Auch weiterhin plaudert Poulsen zwischen den Songs viel mit den Fans und lobt auch einmal ein Tour-Shirt für den ersten Crowdsurfer aus. Das bringt viel Energie und Heiterkeit in Band und Publikum. Überhaupt kommen die vier Dänen wie immer sehr sympathisch daher. Da ist zum Beispiel Bassist Kasper Boye Larsen. Im weit aufgeknöpften weißen Hemd, mit viel tätowierter Haut und cooler Attitüde ist er gemeinsam mit Jon Larsen, von dem man hinter seinem mächtigen Schlagzeug nicht viel sieht, für den donnernden Herzschlag von VOLBEAT verantwortlich. Seit mittlerweile schon neun Jahren ist er ein mehr als würdiger Ersatz für VOLBEAT-Urgestein Anders Kjølholm.

Gespannt durfte man im Vorfeld auf den neuen Tour-Gitarristen Flemming C. Lund von der dänischen Thrash-Metal-Band THE ARCANE ORDER sein, der sich mit offenkundiger Begeisterung in das Bandgefüge einfindet. Auffällig ist sein deutlich aggressiverer Stil als man das in den letzten Jahren von Rob Caggiano gewohnt war. Das ist eher eine Rückkehr zum Gitarrensound von Thomas Bredahl. Die Band hatte es ja angekündigt zurück zu den härteren Wurzeln zu wollen. Allerdings hat Lund an diesem Rockhal-Abend doch einige Soli ordentlich verhauen. Ob er tatsächlich eine langfristige Lösung für VOLBEAT sein wird bleibt abzuwarten.

Die Setlist konzentriert sich nach dem fulminanten Konzertbeginn nun leider zu großen Teilen auf Songs von „Seal The Deal & Lets Boogie“ und dem neuen „Album God Of Angels Trust“ nur vereinzelt unterbrochen von Klassikern wie „Heaven Nor Hell“ oder dem mit einer besonderen Portion Heavyness versehenen „Seal The Deal“.

Natürlich haben auch die neuen Songs einiges an Potential zu bieten. Allein schon wegen dem irren Titel erwähnenswert: “In The Barn Of The Goat Giving Birth To Satan's Spawn In A Dying World Of Doom”. Auch “Demonic Depression” avanciert nach wenigen Sekunden bereits zu einem meiner Lieblingssongs des Abends. Dennoch herrscht über lange Zeit eine ungewöhnlich zurückhaltende Stimmung – völlig untypisch für das so begeisterungsfähige Rockhal-Publikum. Vielleicht liegt das an der beschriebenen Vielzahl wenig bekannter Stücke. Denn die bereits erwähnten „Lola Montez“ oder „Heaven Nor Hell“ führen zu regelrechten Eruptionen.

Gegen Ende der knapp zweistündigen Show wird es dann wieder richtig stimmungsvoll. Poulsen ruft alle Kinder aus dem Publikum auf die Bühne. Sofort kommt Bewegung in die ersten Reihen, Kids werden über die Wellenbrecher gehievt, erst fünf, dann zehn und immer mehr, bis über 20 Kinder oben stehen. Poulsen nennt sie „Our Future Of Heavy Metal“. Während „Still Counting“ zeigen auch die Jüngsten bereits sehr gekonnte Metal Moves. Bevor es danach zurück zu den stolzen Eltern ins Fanmeer geht, gibt es noch jede Menge Fotos und High Fives mit Michael Poulsen. Eigentlich kann der Nachwuchs die Fankarriere bereits an diesem Abend wieder beenden, mehr als das gerade erlebte wird es nicht geben.

Eine krachende, ausufernde Version von „Pool Of Booze, Booze, Booza“ läutet jetzt das Ende des Konzerts ein, ganz ohne dass sich VOLBEAT vorher an einer aus ihrer Sicht scheinbar unnötigen Zugabenpause aufgehalten hätten. Auch wenn dieser Abend kein Abriss wie das überragende 2019er Konzert ist, bietet der Auftritt doch eine wie immer erstklassig aufgelegte Band, einen hervorragenden Michael Poulsen und einige große Momente – alles volbeatgemäß weit über dem Durchschnitt. (Frank)

Setlist VOLBEAT:
The Devil's Bleeding Crown
Lola Montez
Sad Man's Tongue
Demonic Depression
Fallen
Shotgun Blues
In The Barn Of The Goat Giving Birth To Satan's Spawn In A Dying World Of Doom
By A Monster's Hand
Heaven Nor Hell
The Devil Rages On
Die To Live
Time Will Heal
Black Rose
Seal The Deal
For Evigt
Still Counting
A Warrior's Call / Pool Of Booze, Booze, Booza

(Fotos: Frank)

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