Jimi Jamison - 1998 Live Hits

Wer auf AOR-Rock der Achtziger Jahre in Reinkultur steht, wird neben JOURNEY, BOSTON oder FOREIGNER keinesfalls an SURVIVOR vorbeikommen. Auch wenn der mainstreamlastige Pop zu dieser Zeit immer größeren Einfluss auf die Rockstrukturen hielt, brachte diese Dekade nun einmal die erfolgreichsten, massentauglichen Alben zutage. Und mit SURVIVOR ist auch einer der stimmgewaltigsten Sänger dieser Dekade, Jimi Jamison, der Dave Bickler ersetzte, unabdingbar verknüpft. Der charismatische Mann, der bereits 2014 viel zu früh im Alter von nur 63 Jahren starb, verfügte über ein gigantisches Stimmvolumen und sang vor seinem Einstieg zu SURVIVOR und damit verbundenen Platin-Auszeichnungen bei klassischen Hardrock-Bands wie COBRA und TARGET. Zudem lehnte er 1989 das Angebot ab, Nachfolger von Ian Gillan bei DEEP PURPLE zu werden.

Nun erscheint Post Mortem eine Live-Zusammenstellung seiner größten SURVIVIOR- und Solo-Hits, aufgenommen 1998 in Nashville, Bettendorf und Little Rock. Echtes Live-Feeling kommt hier zwar nicht rüber, da die Zusammenschnitte der drei Konzerte merklich digital nachbearbeitet wirken, aber das verzeiht man bei den starken Interpretationen durch Jimi Jamison und seiner hoch professionellen Band um Jeff Adams (Bass, Gesang), Hal Butler (Keyboards, Gesang), den Gitarristen Chris Adamson und Wes Henley sowie Schlagzeuger Pete Mendillo.

Bei den Liveinterpretationen wird deutlich, welche Bandbreite SURVIVOR und Jimi abdeckten und nicht ausschließlich auf die wohl bekanntesten „Film-Titel“ der Rocky-Filme, „Burning Heart“ und „Eye Of The Tiger“ reflektiert werden sollte. Diese sind auf der Scheibe natürlich vertreten, man sollte sich aber auch eingestehen, dass beide Songs grandiose Zeitdokumente der Hochphase des stadiontauglichen AOR sind, wenn auch die frühere Dauerpräsenz in den Radiostationen und bei MTV zu einer gewissen Unverträglichkeit geführt hat. Aber gerade „Burning Heart“ hat bis heute noch nichts von seiner Durchschlagskraft verloren. In der Live-Version gewinnt auch die Kitschballade „I`m Always Here“, ebenfalls als Intro-Melodie von Baywatch merklich an Gehalt, selbst wenn im Kopf sich Pamela Anderson am Strand von Malibu im roten Badeanzug in Zeitlupe bewegt.

Ok, Balladen waren in den Achtzigern das große Thema, um den Mainstream-Olymp zu erobern und Jimi Jamison beherrschte das Metier perfekt, was er hier auch mit „The Search Is Over“ oder „I See You In Everyone“ dokumentiert, wobei gerade beim letztgenannten Song der Mittelteil von harten Drums und grandioser Gitarrenarbeit lebt, die den Pop weit in die Ecke drängen. Die härtere und komplexere Vielseitigkeit wird deutlich in Songs wie dem progressiven „Oceans“ oder dem straighten „Too Hot To Sleep“, mit harten, eingängigen Riffs mit Affinität zum Rock der Siebziger. Hier sind starke Reminiszenzen zu Bands wie BAD COMPANY eindeutig. Welche glasklare Stimm-Range der Ausnahmesänger beherrscht, wird am deutlichsten bei der Adaption des DOORS-Klassikers „Riders On The Storm“; der hier mit tiefer Stimme und bluesiger Instrumentierung eine unnachahmliche Atmosphäre schafft.

Fazit: Von wegen poppiger Mainstream-Müll. Das Album ist ein Best Of eines extrem begnadeten Sängers, der eine Authentizität versprüht, die einfach überzeugt. Man merkt, dass er mit seiner Band eine Einheit bildet, die gefühl- und kraftvoll die Genres verbindet. Unbedingt empfehlenswert für alle AOR-Fans, die sich hier ein Bild machen können, dass gerade SURVIVOR nicht auf zwei Filmtitel reduziert werden sollte. (Bernd Eberlein)

Bewertung:

7,0 8 / 10

Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: keine Angabe
Label: Frontiers Music
Veröffentlichungstermin: 12.12.2025

 

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