

Endlich endlich endlich! Was lange währt wird hoffentlich auch gut. Die Hoffnungen, Erwartungen, aber auch Sorgen und Ängste sind gerechtfertigt, wenn eine Band wie FORBIDDEN nach einer Reunion auch noch gleichzeitig ein neues Album im „fast altbewährten" Line-Up ankündigt. Auch wenn manch einer diese Formation als drittklassige Thrashband ansieht, so gibt es dennoch zahlreiche Fans, für die dieses Album mehr als nur ein Album sein wird.
Hier entscheidet sich, ob man frenetisch abfeiert oder eher abwinkt, ob man die Wiedervereinigung feiert oder nur betrauern kann. Kein leichter Stand, wenn man auch noch nach 13 Jahren Thrashentzug auf einmal wieder rückfällig im positiven Sinne werden will und direkt ein neues Werk am Start hat. Der harte Kern Russ, Matt und Craig haben ihre Mitstreiter vorerst zusammen und präsentieren sich auf den anstehenden Festivals, und das sogar mit Erfolg. Mal schauen, was „Omega Wave" zu bieten hat.
Covertechnisch entschied man sich für eine Hommage an das erste Album „Forbidden Evil" aus dem Jahr 1988. Da war die Welt noch in Ordnung, und der Bay Area Thrash lief zur Hochkonjunktur auf. Mittlerweile ist das Thrash-Revival zwar bereits wieder etwas am Abklingen, aber FORBIDDEN kündigten ihre Exhumierung ja gottlob bereits zeitig an. Es wurde viel spekuliert und diskutiert, pro und contra wurden abgewogen, die Zukunft und der Erfolg der Combo und ihres Comebackalbums prognostiziert. Zugegeben, die Jungs sind nicht nur sichtlich etwas gealtert, sie haben auf ihre alten Tage auch etwas zugelegt, zumindest mal Russ Anderson hat für ne Dampfnudelfabrik Modell gestanden. Aber das kann bei der Ausnahmestimme ja sogar noch positive Aspekte mit sich bringen. Aber kommen wir doch endlich mal zum Album selbst.
Nach einem kurzen marschähnlichen Intro geht es direkt mit Gitarrengezauber los. „Forsaken At The Gates" glänzt als Thrashgranate, die alte bis neue Trademarks von FORBIDDEN vereint. Bei „Overthrow" und „Adapt Or Die" kommt wieder wie einst vermehrt Russ' Kopfstimme zur Geltung, die allerdings gegen die normale Gesangsstimme nicht ankommen kann. Es folgt eine weiterer Midtempo-Thrashbolzen namens „Swine", der von der Komplexität schon an die heutigen EXODUS erinnert und dazu sowohl Akustikgitarre als auch cleanen astreinen Gesang intelligent miteinander verbindet.
Nach einem kurzen Instrumental folgt der epische Thrasher „Dragging My Casket", der von der musikalischen Intensität schon an NEVERMORE-Qualitäten tippen kann. „Hopenosis", einer der Vorgeschmäcker im Internet, ist ein schöner Midtempostampfer mit typischen FORBIDDEN-Einlagen. Die letzten Songs verbinden perfekt alte und neue Stilelemente, wenn auch bei einem Song wie „Inhuman Race" der Bogen an Innovationen stellenweise ganz leicht überspannt wird. Dafür setzt das Schlusslicht und gleichzeitig der Titelsong wieder mal dem Ganzen perfekt die Thrashkrone auf und lässt einen nach knapp 62 Minuten musikalischer Vollbedienung und jeder Menge Gitarrensoli wiederum die Play-Taste zum nächsten Durchlauf drücken.
Mein Fazit fällt recht positiv und erleichternd aus, FORBIDDEN sind nun wirklich Anfang und (hoffentlich noch nicht ganz) Ende ihrer musikalischen Kreativität und haben in ihrer langjährigen Pause mehr dazu- als verlernt. Man kann zwar nicht von einem lupenreinen Thrashalbum reden, aber FORBIDDEN haben bereits mit den letzten beiden Alben „Distortion" und „Green" bewiesen, dass sie einfach viel zu viel auf dem Kasten als nur ein Genre abzudecken. Also nix mit drittklassiger Thrashband, die keinen mehr interessiert. Auch wenn FORBIDDEN unbestritten mit ihrer Anfangsphase kokettieren, so haben sie es dennoch hinbekommen, gleichermaßen ein zeitloses wie zeitgemäßes Album einzuspielen, das beweist, wie stark die alte Liga noch sein kann und wie viel Biss eine totgeglaubte Band haben kann. Und Russ Anderson ist einfach einer der besten Sänger, der links wie rechts kann, sich auch nicht zu schade für Traditionelles ist und dennoch immer vorausschaut in eine rosige Zukunft mit FORBIDDEN. Amen. (Jochen)
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Bewertung: 8,5 / 10
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