Es gibt da ein Problem, das wohl jeder Mensch, der in der Öffentlichkeit steht, kennt: Ist man zu präsent, läuft man schnell Gefahr, eben jener Öffentlichkeit auf die Nerven zu gehen. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber manchmal sehne ich mich nach der Zeit, als es noch kein Internet gab und man nicht in Sekundenschnelle herausfinden konnte, was die Lieblingsband gerade so treibt. Meiner Meinung nach ist dadurch viel vom Mysterium, das eine Band eigentlich umgeben sollte, verloren gegangen. Aber zurück zum Thema "Zu präsent". Davon ist kein Kunstschaffender gefeit. So liefen auch KREATOR in letzter Zeit Gefahr, einem langsam aber sicher auf den Keks zu gehen.
Sei es mit ihrer am 04.09.2025 erschienenen Dokumentation "Hate & Hope", welche meines Erachtens jetzt so toll nun auch wieder nicht ist, oder mit Mille's Autobiografie "Your Heaven, My Hell". Da konnte man sich dann schon einmal fragen, ob da auch mal wieder etwas an Musik aus dem Lager der Altenessener kommt. Am 16.01. erschien dann mit "Krushers Of The World" endlich das neue Album. Ich muss zugeben, dass ich mir den Vorgänger "Hate Über Alles" (2022) schon eine ganze Weile nicht mehr angehört habe und mich nach mittlerweile vier Jahren kaum noch an die darauf enthaltenen Songs erinnere. Ob das bei "Krushers Of The World" auch so sein wird, wird die Zeit zeigen.
Zunächst einmal muss ich sagen, dass die Scheibe gleich nach "Renewal" (1992) das schlechteste Cover aller KREATOR-Alben hat. Aber was können wir jetzt vom sechzehnten Werk der Ruhrpott-Thrasher erwarten? Nun, das kommt, wie immer bei Mille und Co., ganz darauf an, zu welchem Lager man nun gehört.
Da hätten wir zum einen die Leute, die irgendwie nicht kapieren wollen, dass wir eben nicht mehr 1986 haben und die Gruppe kein "Pleasure To Kill Part 2" aufnehmen wird. Leute, das war vor vierzig Jahren, und mal ehrlich, würden KREATOR heutzutage noch immer so klingen, sollte man sich mal Gedanken über ihre musikalische Entwicklung machen.
Dann gibt es das Lager, welches spätestens seit "Phantom Antichrist" (2012) bei jedem neuen Album rumheult, wie kommerziell die Band doch geworden sei. Tja, und dann gibt es Leute, die es nicht anders als Mille Petrozza (Gesang, Gitarre), Sami Yli-Sirniö (Gitarre), Frederic Leclercq (Bass) und Jürgen "Ventor" Reil (Schlagzeug, Gesang) machen würden. Nämlich auf irgendwelche Erwartungen scheißen und machen, was man will.
Es gibt eh wieder jede Menge Leute, die meinen, das Album sei zu poppig, melodiös und zu wenig Thrash Metal. Kommen wir aber mal dazu, wie "Krushers Of The World" wirklich ist. Wie gesagt, das Cover ist jetzt echt nicht meins, aber es geht ja um die Musik.
Los geht es mit "Seven Serpents", welches schön aggressiv rüberkommt und mich auch lyrisch anspricht. Vor allem die Worte "Snakes in human form, Snakes in human form, Where seven serpents crawl" bleiben einem im Gedächtnis. Viele stören sich am folgenden "Satanic Anarchy", welches tatsächlich sehr melodisch ist. Mir gefällt der Song jedoch sehr gut, und ich habe lieber einen Ohrwurm von KREATOR als von TAYLOR SWIFT.
Der Titelsong ist jedoch echt nichts Besonderes. Dafür ist "Tränenpalast" mit Britta Görtz (HIRAES) echt stark. Ich persönlich hätte mir hier sogar etwas mehr Britta gewünscht. Auch das knüppelharte "Deathscream" kann mich überzeugen.
Wem bereits die letzten KREATOR-Scheiben nicht gefielen, der wird auch mit "Krushers Of The World" nicht glücklich werden. Der Rest bekommt ein richtig gutes und vor allem abwechslungsreiches Album. (Matthias)
Bewertung:

9,5 / 10
Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 44:23 min
Label: Nuclear Blast Records
Veröffentlichungstermin: 16.01.2026
