spurv myraRein instrumentale Musik kann ja für den Hörer etwas anstrengend sein. Oder auch schlicht und ergreifend langweilig, wenn kein Sänger da ist, um Spannung aufzubauen. Aber es gibt da draußen in der großen weiten Welt eben auch Bands, die es auch ohne Sänger schaffen, absolute Meisterwerke abzuliefern, die von der ersten bis zur letzten Minuten spannend bleiben. Die Norweger SPURV gehören definitiv zu letzteren.

Waren schon ihre letzten Werke gut, so sind sie mit „Myra“ – ich nehme das jetzt einfach mal vorweg – über sich hinausgewachsen. Auf ihrem neuesten Album liefern sie Post Rock vom feinsten ab, wobei man schon so hart ist, dass man sich fragen kann, ob das noch Rock ist. Aber das ist jetzt mal das geringste Problem, das auch eigentlich niemanden interessiert.

Anhand der Songtitel kann man sich in etwa denken, was die Thematik des Albums ist. Dass es um Werden, Sein und Vergehen geht, das wird dann – zumindest dem deutschen Hörer – spätestens beim letzten Song „Allting Får Sin Ende, Også Natten“ klar. Über zarten Pianoklängen liegt eine Rede des Philosophen Martin Heidegger, die das Stück einleitet, bevor ein Gitarrengewitter losbricht und den Hörer wieder in die Gefilde entführt, in denen er sich schon durch die restliche Platte bewegt hat.

„Myra“ ist kein Album, aus dem man einzelne Songs herauspicken kann. Dieses Album sollte, nein muss man, im Ganzen hören. SPURV bauen hier Klanglandschaften auf, die man am besten mit geschlossenen Augen genießt. Neben den klassischen Instrumenten des Rock kommen auch immer wieder Streicher und Blechbläser zum Einsatz, die die Stimmung der Songs verstärken. Zeitweise, besonders bei „Og Ny Skog Bæres Frem“ und „Fra Djupet Under Stenen“ erinnert man etwas an den Shoegaze französischer Schule, wie ihn beispielsweise ALCEST zelebrieren, ist jedoch instrumental differenzierter.

Überhaupt besticht „Myra“ durch eine perfekte Produktion, die jedes einzelne Instrument optimal zur Geltung bringt und gleichzeitig der Gesamtheit des Sounds schmeichelt. SPURV schaffen es mit Leichtigkeit, flirrende Klanglandschaften vor dem Hörer auszubreiten, Soundwände hochzuziehen und dann wieder alles einzureißen. Dröhnende Gitarren verbreiten düstere Stimmungen, die dann wieder aufgehellt werden.

Auch wenn es postrocktypisch viele Wiederholungen gibt, wird „Myra“ zu keiner Sekunde langweilig. In dieses Album kann man ganz tief eintauchen und wünscht sich, dass es einfach nicht enden möge. Die Dreiviertelstunde, die es tatsächlich dauert, ist am Ende viel zu kurz. SPURV haben ein Meisterwerk geschaffen, das man sich wieder und wieder anhören kann und doch entdeckt man bei jedem Hören Neues. Einfach ein verdammt starkes Album, das ich so nicht unbedingt erwartet hätte. (Anne)


Bewertung:

Anne9,0 9 / 10

Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: 46:28 min
Label: Fysisk Format
Veröffentlichungstermin: 01.06.2018

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