Mit ihrem neuen Album „Alienated“ gelang THE OTHER der sofortige Einstieg auf Platz 6 der deutschen Albumcharts. Einige Tage später nahm sich Sänger Rod Usher Zeit für meine Fragen.
Matthias: Hallo Rod, wie geht es dir?
Rod: Was die Band angeht, geht’s mir fantastisch. Unser Album hat kürzlich Platz 6 der offiziellen Deutschen Albumcharts erreicht und unsere Hell Nights Tour war ein voller Erfolg. So darf es bitte weitergehen. Manchmal ist es dann schwierig, wenn der graue Alltag wieder Einzug hält.
Matthias: Lass uns über "Alienated" sprechen. Ich höre da eine deutliche Rückkehr zu euren Wurzeln. Ist das Zufall oder war das so beabsichtigt?
Rod: Absolut beabsichtig. Ein bisschen haben wir das schon auf “Haunted” ins Visier genommen, aber jetzt wirklich durchgezogen. Daran hatte die neue, starke Bandbesetzung mit Van Tom, J. End, Jag Boone und Rückkehrer Andy Only entscheidenden Anteil. Sie haben mich in dem Wunsch bestärkt, mal wieder richtig fette Akkorde rauszuhauen und sind direkt mit ans Werk gegangen.
Matthias: Mit Andy Only ist ein Gründungsmitglied zurück. Musstest du da viel Überzeugungsarbeit leisten?
Rod: Wir haben mal betrunken ca. 2019 darüber gesprochen - glaube es war bei einem BACKYARD BABIES Konzert - aber das war eher eine lustige Idee. Und dann fragten wir Andy, ob er bei einer Show einspringen könnte, was dann doch nicht zustande kam. Aber so war die Saat gesät und aus einem potentiellen Job als hochwertiger Ersatzmann wurde die vollwertige Mitgliedschaft, als sein Vorgänger Aaron Torn ausstieg, um Country Rock zu spielen.
Matthias: Ich würde gerne auf zwei Songs eingehen, die mich besonders beeindruckt haben. Als Erstes wäre da "A Ghost From The '80s". Wie kamst du auf die Idee mit dem Geist auf der VHS-Kassette, und hast du einen Lieblings-Horrorfilm aus den Achtzigern? Der zweite Song ist "In The End". Kannst du mir etwas mehr zur Geschichte hinter dem Text sagen?
Rod: Ich freue mich, dass sie dich beeindruckt haben. “In The End” sollte auch eigentlich eine Single werden, aber wir sind mit dem Mix nicht rechtzeitig fertig geworden, um vor Release vier Singles zu veröffentlichen. Die Idee für “In The End” entstand, weil ich an Cartoons denken musste, in denen der Tod oft als Sensenmann zu sehen ist, der neben dem Bett eines Sterbenden steht. Und ich fragte mich: Worüber sprechen die da eigentlich? Fragt der Mensch nicht mal, was ihn erwartet? Und: wie findet der Tod eigentlich seinen Job? Und daraus entstand dieser Song über einen Mann in schwarz, der eine sehr schwierige Aufgabe erfüllen muss. Dagegen ist “A Ghost From The ‘80s” ein echter Fun-Track geworden. Na klar hatte ich da “The Ring” im Kopf – aber eben gleichzeitig auch Filme wie “Ghostbusters” oder “Gremlins”. Wo einfach plötzlich unheimliche Dinge passieren, Chaos entsteht, aber eben auch alles ein großer Spaß ist. Es gab in den 80ern einen Trend zu Horror-Komödien und ich liebte sie. Und ja, so ein Geist zuhause, der alles zurück in die 80er verwandelt ist anfangs cool, aber dann eben doch eine echte Heimsuchung - zumindest was die Kleidung angeht.
Matthias: Ist es eigentlich schwer nach mittlerweile neun Alben noch Themen für Songtexte zu finden?
Rod: Themen sind nicht schwer zu finden. Aber die Worte wiederholen sich. “Night”, “Cemetery”, “Death”, “Monster”, “Ghost” – wie soll man über Grusel singen, ohne diese Worte? Das könnte eine Herausforderung fürs nächste Album sein, mal schauen. Ich werde einen Song “This is a song that’s not about the dead” nennen.
Matthias: Wenn man sich mit Horrorpunk beschäftigt, fällt schnell der Name MISFITS. Auch ihr werdet nicht gerade selten mit ihnen verglichen. Nervt dich das, oder siehst du es eher als Kompliment?
Rod: Ich weiß noch, als wir Support für THE CULT gespielt haben, 2007 muss das gewesen sein, da schaute sich Sänger Ian Astbury unsere Show an und ein Bekannter vom Club sagte uns nachher, dass er laut zu Billy Duffy sagte: “These guys are great, they sound like THE MISFITS”. Und ja, das war ein Kompliment. Wenn eine Person heute noch behauptet, dass wir uns genauso anhören, verstehe ich es einfach nicht. Am Schlimmsten sind die, die auch nach all den Jahren noch sagen, wir wären ein “Ripp Off” der MISFITS. Das ärgert mich. Wir sind stolz auf unsere Wurzeln, aber uns die Entwicklung von vielen Jahren absprechen? Neeee!
Matrhias: Nach euch, DEAD UNITED und ANGELSTRIFE fallen mir ehrlich gesagt keine anderen deutschen Horrorpunk-Bands ein. Wie erklärst du dir, dass es in Deutschland so wenige Bands gibt, die diese Musik spielen, und hat das Genre ein Nachwuchsproblem?
Rod: Oh, dann check mal unsere “Vorgänger” - THE SPOOK - oder Bands wie THE CRIMSON GHOSTS, HELLGREASER, THE 1428, MAX SCHRECK, DERRY, JAMEY ROTTENCOEPDE, WE’REWOLF, MUTANT REAVERS oder die alten Songs von THE FRIGHT. Und wahrscheinlich existieren noch mehr, die ich gerade nicht präsent habe. Aber ja, es könnte wirklich mehr geben - vor allem mit mehr Musikerinnen. Im Gothic gibt es viel mehr Frauen, die singen oder ein Instrument spielen. Und na klar: In den USA gibt es viel mehr Bands. Aber die meisten davon auch im totalen Underground.
Matthias: Was würdest du tun, wenn du kein Musiker wärst?
Rod: Das, was ich auch heute bin: Werbetexter und Redakteur sowie Konzert- und Partyveranstalter. Und irgendwann hoffentlich Buchautor. Aber nicht Musiker zu sein, stand nicht mehr zur Debatte, seit ich KISS entdeckt habe - mit 9.
Matthias: Rod Usher ist dein Alter Ego. Wie viel von dir als Privatperson steckt in dem Charakter?
Rod: Es ist schwierig, diese Frage zu beantworten, denn sicherlich hätte ich Rod Usher nie kreiert, wenn es nicht bereits einen Teil von ihm in mir gäbe. Vincent Furnier sagte früher immer, dass ALICE COOPER eine andere Person sei. Das ist bei mir sicherlich nicht der Fall. Rod Usher ist einfach der Typ, bei dem die Dinge deutlich stärker vertreten sind: Das Selbstbewusstsein, um auf der Bühne die Menge zu animieren oder vor der Kamera aus der menschlichen Haut zu fahren. Manchmal wäre ich im normalen Leben gerne etwas häufiger dieser Kerl. Aber die meiste Zeit bin ich eben ich.
Matthias: Ihr habt, meines Wissens, zwei Comics veröffentlicht. Kannst du dir vorstellen, einen kompletten Horror-Roman zu schreiben?
Rod: Ja, auf die Comics sind wir wahnsinnig stolz, leider gibt es speziell den zweiten, der bei Panini erschienen ist, nicht mehr zu kaufen - vom ersten findet man meines Wissens noch Restexemplare bei Weissblech Comics. In der Tat habe ich schon mehrere Anfänge für Romane geschrieben oder ein paar Ideen notiert. Aber dann kam das normale Leben wieder dazwischen. Es gab sogar schon eine Verlagsanfrage. Mal schauen, wann ich die Zeit finde, Lust hätte ich, denn nichts liebe ich so sehr, wie Bücher. Ein paar habe ich sogar schon veröffentlicht, ein Roman war aber noch nicht dabei.
Matthias: An eurem Hörspiel "The Other und die Erben des Untergangs" waren einige Personen beteiligt, auf die man nicht sofort käme. Wie entstand der Kontakt zu Dr. Mark Benecke, Conny Dachs oder auch Wolfgang Hohlbein?
Rod: Stark, oder? Wir fanden es auch total klasse, dass so viele prominente Namen dabei sind. Klar, bei Mille von KREATOR, Michael von IN EXTREMO oder sogar Joachim Witt war der Weg nicht weit. Und Anna von ROSENSTOLZ - möge sie in Frieden ruhen - kannten wir, seit sie erstmals 2008 auf unserem Song “Der Tod steht dir gut” sang. Aber die von dir genannten kamen über Kontakte zu stande. Der wunderbare Michael Krisch - ein guter Freund sowie der Sprecher und Mit-Organisator des Hörspiels - kannte Mark und Wolfgang. Eine glückliche Fügung. Wir waren bei beiden sogar für die Recordings zu Hause und von beiden habe ich signierte Bücher bzw. Tassen bekommen. Yeah. Conny Dachs aber kannte in der Tat ich selbst persönlich. Der Held unserer Jugend hat für eine Firma gearbeitet, bei der ich auch am Schreibtisch tätig war - ein Filmvertrieb. Conny war perfekt vorbereitet, total engagiert, einfach wunderbar. Er müsste viele Aufträge in Filmen bekommen, wenn Deutschland nicht so verklemmt wäre.
Matthias: Wie kamst du ursprünglich zum Horrorpunk?
Rod: Erst kam Horror - über “Tarantula” und “Creature from the black Lagoon”-Ausstrahlungen im WDR, als ich 8 oder 9 war - dann folgten KISS und die Liebe zu Musik und Theatralik, dann entdeckte ich die MISFITS durch METALLICA. Und die MISFITS haben eben meine Vorlieben vereint. Da hat aber noch niemand von Horror Punk gesprochen. Das Genre bekam seinen Namen erst durch die “This is Horror Punk”-Compilations, die ich mit Fiend Force veröffentlicht habe. Den Namen habe ich nicht erfunden, den habe ich in einem alten Artikel aus den 80ern in einem US-Fanzine entdeckt. Aber ich habe ihn immerhin weltweit bekannt gemacht. Ja, so kam ich zu Horror Punk und viele andere danach auch. Ein schöner Gedanke, ein wichtiger Teil des Genres zu sein.
Matthias: Denkst du, dass Halloween und eure Musik untrennbar verbunden sind?
Rod: Ja. Von Ästhetik über Inhalt bis Sound basiert ja irgendwie alles darauf - egal ob verspielt oder blutrünstig. Von den alten BORIS PICKET Songs (u.a. “Monster Mash”) bis zu GHOST. Von 50er Jahre Horrorfilmen bis Tim Burton. Halloween - und der Umgang mit diesem Fest - war sicherlich der Keim für das alles - vor langer, langer Zeit.
Matthias: Wer ist dein Lieblingshorrorautor?
Rod: Stephen King. Ich habe sogar meine Magisterarbeit über ihn und die ebenfalls von mir verehrten H.P. Lovecraft und E.A. Poe verfasst. Einmal habe ich ihn sogar getroffen - inkl. gemeinsamem Foto! Aber wie auch im Horror Punk gibt es in der Gruselliteratur schaurige Newcomer, die es gilt aufzuspüren. Und das tue ich mit Leidenschaft.
Matthias: Willst du euren Fans noch etwas mitteilen?
Rod: Ohne euch gäbe es uns nicht! Ihr seid einfach spuktakulär.
