death shall rise open air festivalDas Exil muss dicht machen! Das Exhaus darf keine Konzerte mehr veranstalten. Die Sommerbühne ist weg. Aus für das Exzellenzhaus in Trier. So oder so ähnlich klangen in den letzten Wochen und Monaten die Presse- und Fanmeldungen, die einem Angst einjagten um die Zukunft eines der legendärsten und engagiertesten Live-Locations für die härtere Gangart im Südwesten. Kurz vor der Open-Air-Serie kam dann mit dem Aufruhr um die Sommerbühne des Exhaus erst recht die große Frage auf: Findet denn das groß angekündigte DEATH SHALL RISE Festival überhaupt statt? Und wenn, wo?

Als die Hoffnungen bei einigen schon schwanden, gab es mal direkt Entwarnung vom Veranstalter ALPHADOUBLEPLUS: Alles findet wie angekündigt statt, im und vor dem Exhaus! Was sich in der lokalen und virtuellen Presse alles hochkochte um die Zukunft der Location, erwies sich als übertriebene Reaktionen und Statements seitens der Presse auf die neuen Auflagen, die der Stadt Trier für den Gebäudekomplex auferlegt wurden. Nach deren Erfüllung stand nun unter Anderem auch dem DEATH SHALL RISE Festival nichts mehr im Wege, das mit einem vollgepackten hochwertigen Line-Up einen sehr intensiven Vorgeschmack auf einen kuscheligen Samstag zeigte. Dann nehmen wir noch gleich den heißesten Tag des bisherigen Jahres und frönen zünftig dem Tod auf der neu errichteten Sommerbühne.

BITTERNESS EXHUMED
Nachdem der Tagesablauf und die Sonnenflüche erledigt waren, kam ich doch etwas zu spät zum Start des Festivals und verpasste den Anfang von BITTERNESS EXHUMED. Da ich die Jungs und ihre Mucke ja schon länger kenne und erst am Mittwoch davor live erleben konnte, wusste ich ja eh schon ungefähr, was mich erwartete. Die noch etwas verhaltenen Zuschauer allerdings eher weniger, der anspruchsvolle Mix aus Death, Grind und Doom sagte den hartgesottenen Todesmetallern nicht allzu sehr zu, dennoch gab es gebührenden Applaus und ein bereits gut gelauntes Publikum, die den knapp 30minütigen Auftritt begleiteten.

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TORMENT OF SOULS
Auch diese Combo ist nicht nur mir schon länger ein Begriff. Als heimliche Lokalhelden hatten sie einige Fans mehr im Gepäck und wurden auch dementsprechend gefeiert. Ihre Musik bewegte sich auch mehr im klassischen Death-Metal-Bereich und kam bei der breiten Masse gut an. Ich konnte der Band zwar nicht allzu viel abverlangen, aber dem wachsenden Auditorium gefiel es, und das ist ja die Hauptsache.

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ICHOR
Die Institution aus Trier, allen voran Veranstalter und Kopf von Alphadoubleplus Eric Kuhnen, ist mittlerweile bekannt wie ein schwarzer Hund, erst recht nach dem letzten erfolgreichen Album „Depths" und zahlreichen Shows rund um und in Deutschland.

Der sympathische Frontmann macht einem mit seinem Organ schon mächtig Gegrummel in den Schläuchen, und das punktgenaue Riffing und Drumming tun ihren Anteil noch dazu. Die ICHOR-Jünger huldigten ihren Göttern auf der Bühne, wobei manch einer sogar eine Tagesreise in Kauf nahm, um seine Helden zu sehen. Ein rundum gelungener Auftritt einer professionellen und hoffnungsvollen Band.

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MANTAR
Hier eilte bereits ein Ruf voraus um dieses Zwei-Mann-Projekt, das momentan so in aller Munde ist, so dass jeder gespannt auf die Bühne starrte, als die Zeit für MANTAR gekommen war. Und es passierte...nichts. Die ersten technischen Probleme verzögerten den Beginn sehr zur Strapaze des Publikums. Die angenehme Wolkendecke und das leicht erfrischende Windchen verabschiedeten sich und ließen trotz schattenspendender Bäume sowohl Bühne als auch den Besucherbereich ordentlich aufheizen. Als dann endlich die ersten Riffs ertönten, spaltete sich das Publikum, die einen gingen kopfschüttelnd und fragend zum Bierstand oder unter die installierte Sprinkleranlage, und ein Teil blieb gepackt vor der Bühne und lauschte den Klängen der Bremer Novizen. Kurz darauf kam es zu einem weiteren hitzebedingten Stromausfall, aber danach konnte das Set ohne weitere Störungen durchlaufen. Auch wenn sich viele ihrer Reaktion auf MANTAR nicht ganz sicher waren, so kann man eigentlich über den Mix aus Doom, Punk und Black Metal nichts sagen, zumal diese Mischung gar nicht mal so neu ist. Ein souveräner Erinc am Schlagzeug und ein hyperaktiver Hanno am Rest, der nicht nur den Gesang bediente, sondern auch Gitarre und Bass gleichzeitig, machten trotz ihrer noch frischen Gründung eine gute Figur und haben ihr Debütalbum „Death By Burning" in jeder Hinsicht Tribut gezollt.

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DESASTER
Es war 2010, als ich auf dem ROCK AREA Festival das erste und letzte Mal über diese Band stolperte. Damals wollte mir eigentlich partout nicht zusagen, wenn sie auch bestimmt nicht schlecht sind, aber fünf Jahre später ging es mir ebenso. Das Publikum allerdings war sichtlich angetan und feierte die Band trotz steigender Hitze. Was da an Metall und Leder über die Bühne zog, kam auch ebenbürtig aus den Boxen und trotzte jedem Klimaoverkill. Souverän und zielsicher warfen DESASTER ihre Thrash- und Black-Granaten ab, und das Publikum schmiss sich ihnen freudig entgegen. Da konnte man anschließend nur mit einem fetten Grinsen zurück in die nahe Heimat Koblenz fahren.

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BENIGHTED
Es wurde bisher noch nicht genug geblastet und gegrindet, das änderte sich allerdings schlagartig mit dem Auftritt von BENIGHTED aus dem Nachbarland Frankreich. Zuvor wurden schon irritierende Shirts gesichtet, die nur Insidern was sagten. Sowohl Gitarrist Olivier „Gab" Gabriel als auch der mittlerweile für mich namenlose Ex-Bassist feierten das Ende ihrer Freiheit in Form ihres Junggesellenabschieds, was in einen Kostüm-Contest ausartete. Zwischen japanischen Mangamonstern, Winnie-Pooh-Sidekicks und einem menschgewordenen Riesenpenis tummelten sich die Musiker und rappelten alles in Grund und Boden. Leider auch begleitet von mehreren technischen Problemen ließen die Franzosen nichts anbrennen und freuten sich bester Laune, was ihnen auch gebührend gedankt wurde. Alles Gute für die Zukunft.

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OBITUARY
Eine Festung des Death Metals seit Mitte der Achtziger und gerade aus dem Death Metal Dunst in Trier kaum wegzudenken war der Co-Headliner für viele Besucher einer der Hauptgründe, sich von der Sonne verbrennen zu lassen. Die Mannen aus Florida sahen die Temperaturen allerdings eher gelassen, denn sie sind solche Gradzahlen gewohnt. Sonst lässt sich auch kaum erklären, warum Sänger John Tardy im Pullover auf die Bühne kam und auch nicht standesgemäß schwitzte. Der nette bärtige Haufen ist in die Jahre gekommen, gerade beim Frontmann hinterlässt das Alter seine Spuren. Stimmlich stellt man auch einen kleinen Rückschritt fest, denn das einst garstige Gesangsunikat hat lang nicht mehr so viel Dampf auf den Kesseln. Dennoch wurden die Amis frenetisch gefeiert, bei alten als auch neuen Songs. Aber wer so viele Klassiker im Gepäck hat, die auf ebenso simplen wie genialen Riffs aufbauen, der kann einfach nur dafür gelobt werden, immer und immer wieder. Die Band und das Publikum hatten Spaß und hinterließen ein perfekt vorbereitetes Publikum für den (zweiten) Headliner NAPALM DEATH.

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NAPALM DEATH
Viel Zeit ist vergangen, seit Gitarrist Mitch Harris aus familiären Gründen aus der Dauerlivepräsenz der Band ausstieg, und immer noch fragen sich die Meisten, ob und wann er denn wieder zurückkehrt. Immerhin hat er bei den Grindvätern immer mehr eine tragende Rolle gespielt, erst recht nach dem Tod von Jessie Pintado, als er alleine für die Gitarrenwand zuständig war und dann auch noch mehr und mehr Gesangsparts übernahm. Aber die Maschine läuft und läuft, und so musste Ersatz her in Form von Roadie und ABORTED-Gitarrist JB, der fortan die unzähligen Konzerte an der Klampfe bestreitet. Und wie ich schon befürchtete – es ist einfach nicht dasselbe. Es gab nichts auszusetzen an JBs Einsatz, dennoch fehlte etwas. Ganz anders zum Rest des Auftritts, denn Frontsau Barney schaltet immer wieder noch einen Gang höher, und so konnte der Hüne nicht nur bewegungstechnisch, sondern auch stimmlich noch einen drauflegen. Unfassbar, was diese Band leistet. Ein Querschnitt durch ihre größten Momente und natürlich auch Beiträge vom aktuellen Über-Album „Apex Predator" machten den Auftritt legendär...wenn da nur nicht der Sound gewesen wäre. Von anfänglich fehlendem Gesang über übersteuerte Gitarren bis hin zur überdominanten Bassdrum und dem kaum hörbaren Bass war alles dabei. Auf der Bühne war es wohl nicht anders, aber NAPALM DEATH kommen mit jedem Chaos zurecht und meistern mit Bravour ihr einstündiges Set. Aber selbst ich als eingefleischter und langjähriger Fan der Truppe konnte manche Songs kaum erkennen. Dennoch ist diese Band immer wieder ein Hochgenuss und verdient allergrößten Respekt.

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Mein Fazit des Festivals verläuft durchaus positiv. Ein großes Dank geht an die Organisatoren für den reibungslosen Ablauf, die besten Begleiterscheinungen angesichts der Ü40-Temperaturen in Form von kostenlosem Trinkwasser und der erfrischenden Sprinkleranlage. Hier sind alte Hasen am Werk, die wissen um was es geht und die auch für kleines Geld ein hochwertiges Paket anbieten. Nicht nur ich bin erleichtert und froh, dass es diesen Verein und diese Lokalität gibt und auch in Zukunft geben wird. Man kann hier getrost vom ersten DEATH SHALL RISE Festival reden, denn es wird schon ein Nachfolger geplant. Wenn man dann noch etwas den Thekenbetrieb ausbaut und den Sound aufpeppt, wird der nächste Sommer mindestens genauso tödlich. Danke Alphadoubleplus und Konsorten für diesen tollen Tag! (Jochen)

Alle Bilder: Jochen

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