thehumanequation flyerVor drei Jahren hat sich das Theater der härteren Klangart zum ersten Mal an etwas gewagt, was es in dieser Form im Saarland zuvor noch nicht gegeben hatte: Eine Metaloper. Mit „Ammit – Im Zwielicht der Gerechtigkeit“ präsentierte man eine selbst geschriebene Metaloper, deren Aufführung auch zum Erfolg wurde. Dann war es lange still um das Theater der härteren Klangart. Aber nur nach außen. Denn tatsächlich wurde bereits fleißig am nächsten Stück geprobt.

Dieses Mal ist es kein selbstgeschriebenes Werk, sondern eines, das es bereits gibt. Doch wer denkt, daß es sich die Veranstalter damit leichter gemacht haben, der wird schnell eines besseren belehrt. Denn an nichts geringeres als an AYREONS „The Human Equation“ hat man sich herangewagt und das Werk für die Bühne adaptiert. Komponist Arjen Lucassen war so freundlich, dies zu genehmigen (aber es kommt wohl auch nicht alle Tage vor, daß jemand seine Werke auf der (Theater-)Bühne aufführen möchte).

Und so begeben wir uns dann auf das Abenteuer „The Human Equation“. So recht weiß ich nicht, was ich erwarten soll, ist doch die Qualität der AYREON'schen Alben stets sehr hoch. Können saarländische Hobbymusiker da wirklich mithalten? Also beschließe ich, einfach mal ohne jede Erwartung hinzugehen.

Und was soll ich sagen? Es war genial! Alle Mitwirkenden haben sich sehr viel Mühe mit dem Bühnenbild gegeben, alle Szenen war sehr gut umgesetzt. Insbesondere, wenn man bedenkt, daß es ja auch eine Art Laientheater war, waren die einzelnen Bühnenbilder immer sehr effektvoll und auch die Umbauten liefen stets sehr schnell und flüssig vonstatten und haben im Fluß der Geschichte nicht gestört. Das einzige, was mich etwas gestört hat, war, daß die Band oft versteckt und nicht zu sehen war. Aber das ist mit der zur Verfügung stehenden Bühne eben einfach nicht anders zu händeln.

Sehr schön waren immer wieder die kleinen Hinweise auf Arjen Lucassens Gesamtschaffen. Sei es jetzt das Arjen-Lucassen-Gymnasium, auf dem das kindliche „Ich“ zur Schule geht, die Star One Corporation, bei der das Erwachsene „Ich“ arbeitet, oder die Electric Castle Foundation, mit der die Geschäfte nicht so laufen, wie sie sollen.

Auch hat man es geschafft, einige Rollen wirklich passend zu besetzen und auch einige Sänger konnten sehr beeindrucken, allen voran Ilka Neuendorf als „Passion“ und Simon Faust als „Pride“. Beide waren sowohl vom schauspielerischen, als auch vom Gesang her top und konnten in ihren Rollen wirklich überzeugen. Weniger überzeugend waren leider Yannik Trampert als „Ich“ und insbesondere David Schöneberger als bester Freund. Da hat einfach der Gesang nicht so gesessen. Etwas fehlbesetzt fand ich Martin Klein als „Fear“ - jemand, der so gut singen kann, hätte ruhig eine Rolle mit etwas mehr Text bekommen können.

Auch das Publikum war von der Vorführung begeistert und es gab mehr als einmal Szenenapplaus. Und das auch gerne mal für die Musiker, wie z.B. für Stefan Müller bei einem schönen Gitarrensolo. Leider war der Gesang ab und zu etwas leise bzw. die Musik etwas zu laut, insgesamt wurde am Mischpult aber auch ein super Job gemacht. Alles in allem war es aber eine sehr gelungene Aufführung und ein sehr gelungener Abend. Wer nicht da war, hat definitiv etwas verpasst. Und es ist wirklich schade, daß es nur die beiden Aufführungen gibt. Eine Wiederholung (vielleicht im Herbst?) wäre auf jeden Fall angebracht! (Anne)

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Ich war bei der zweiten Aufführung am nächsten Tag vor Ort und kann meiner Kollegin da nur beipflichten. Was da von mehr oder minder Laien auf die Bühne gebracht wurde, war wirklich großes Kino. Wenn man sieht, wie einige den Spagat zwischen Schauspiel und Gesang gemeistert haben, kann man nur den Hut ziehen. Da haben ganz andere Kaliber ihre Probleme damit, wenn sie nicht gerade Jared Leto heißen. Natürlich muss man zugeben, dass einige heraus gestochen haben, aber insgesamt haben alle ihre Sache sehr ordentlich gemacht. Denn das Wichtigste bei der Musik sind die Emotionen, und die Truppe hat es geschafft, diese bei "The Human Equation" wirklich herüber zu bringen.

Gerade bei dem Lob für einige der Schauspieler will ich mich gerne anschließen. Was Ilka Neuendorf aus ihrer Stimme rausholt ist schlicht phantastisch, kraftvoll, melodiös, sehr variabel und mit eigenem Charakter. Mir wurden ja schon einige Stimmwunder diverser Female-Fronted-Bands angepriesen, aber diese Darstellerin kann da bequem mithalten. Das eindringliche Spiel gepaart mit seiner tollen Rockstimme von Simon Faust war ebenfalls sehr überzeugend, er wurde zum herausragenden Part.
Und Svenja Trampert lebte einfach die Rolle als "Love", denn sie agierte wie die Liebe selbst - ohne bitteren Beigeschmack. Wie die junge Dame in ihrem roten Kleidchen dieses liebevoll-fürsorgliche so toll rüber bringt, wie sie all ihrer Mimik und Gestik mit ihrem bezaubernden Lächeln einen feinen Zuckerguss überzieht, lässt einem das Herz aufgehen. Nicht zu vergessen den musikalischen Leiter, den erst siebzehnjährigen Fabian Görges am Keyboard, der eine phänomenale Leistung bot.

Yannick Trampert ist es gelungen, hier etwas wirklich Großartiges auf die Beine zu stellen. Wie es Anne bereits angedeutet hat, ist so eine Adaption keinesfalls leichter als eine eigene Geschichte, denn man muss sich in den Komponisten hinein versetzen können. Ich hatte bislang keinen so großen Bezug zu dem Werk, da mir musikalisch die Siebziger-Verbeugungen von AYREON mehr geben. Doch dem Theater der härteren Klangart gelang es, ein völlig neues Licht auf dieses Album zu werfen, plötzlich ergab alles einen Sinn, der sich mir zuvor nicht offenbart hatte.

Es waren einfach die Emotionen, die da fast greifbar dargestellt wurden, die der Story so viel Tiefe verliehen. Man konnte vieles nachempfinden, jeder für sich entdeckte sicherlich einen Teil dieser "menschlichen Gleichung" bei sich selbst. Das intensive Spiel des Ensembles sorgte für so manchen Gänsehautmoment, getragen von einer starken Band im Hintergrund. Nach der Aufführung fragte mich eine der Akteure, ob ich mich gut unterhalten gefühlt habe.
Aber "unterhalten" ist nicht das richtige Wort, da es hier nicht ausreicht, viel mehr habe ich mich berührt gefühlt. Als Vater einer kleinen Tochter macht man sich auch so seine Gedanken über eines der Kernthemen der Geschichte. Wie gelingt es, seinem Kind die positiven Eigenschaften mitzugeben, und die eigenen Schwächen von ihm fern zu halten? Wenn das Stück den Zuschauer zum Nachdenken anregt, ist das nicht das größte Lob, das man einem Künstler machen kann? (Pfälzer)

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Anne antwortete auf das Thema: #12417 4 Jahre 1 Monat her
Faszinierend fand ich nur, wie wenigen Leuten (unter den Zuschauern) AYREON ein Begriff war, bzw. wie wenige das Schaffen von AYREON bzw. Arjen Lucassen bekannt war.

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