Alter Bridge - Alter Bridge

An ALTER BRIDGE Alben gefällt mir, dass man Geduld mit ihnen haben, sich den Zugang erarbeiten muß. Es ist nie beliebig, nie billig was Mark Tremonti, Myles Kennedy, Brian Marshall und Scott Philips produzieren. Vielleicht mit Ausnahme des noch sehr CREED-beeinflussten Erstlings „One Day Remains“ ergibt sich das Hörerlebnis nicht unmittelbar. Denn es ist immer eine Band am Werk, die nicht auf kurzfristigen Erfolg und Chart-Platzierungen aus ist, sondern einfach nur großartigen komplexen Heavy Rock anbietet, gerne einmal mit Prog Metal Elementen gewürzt.

Mit jedem erneuten Hören entfaltet ein ALTER BRIDGE Album dann mehr und mehr sein ganz eigenes Aroma. Immer wieder lässt sich Neues entdecken, hier ein herrlicher Melodieschnipsel, dort ein krachendes Tremonti-Riff und darüber diese ALTER BRIDGE Trademark-Refrains. Das ist sehr nachhaltig und zieht den Fan in seinen Bann. Dennoch ist ein solches Konzept keineswegs ein Selbstläufer. Dass es nicht immer funktioniert, haben die beiden letzten Alben „Walk The Sky“ und „Pawns & Kings“ gezeigt, die für ALTER BRIDGE Verhältnisse ungewohnt schwach ausfielen.

Umso größer war spätestens seit dem letzten Sommer die nervöse Vorfreude auf das selbstbetitelte achte Studiowerk, regelmäßig befeuert durch kleine humorige Videoschnipsel der Band. Besonders amüsant, Myles Kennedys Verschlafen der Aufnahme Sessions.

Die vorab ausgekoppelten „Silent Divide“ und „Playing Aces“ deuteten es dann an, bockstark und heavy wie selten kommt „Alter Bridge“ daher und bereits beim ersten Hören ist die Vielzahl großartiger Riffs auffallend: tief, grollend, grandios. Mit „Power Down“ und „Trust in Me“ seien zwei weitere Beispiele genannt.

Neben der mittlerweile jahrzehntelangen freundschaftlichen Verbundenheit der CREED-Mitglieder profitieren ALTER BRIDGE in großem Maß davon, dass sowohl Mark Tremonti als auch Myles Kennedy Gesangs- und Gitarrenparts beisteuern. Überhaupt Myles Kennedy. Er ist schlicht und einfach ein großer Geschichtenerzähler, selten aggressiv, oft mit einem Hauch Melancholie. Das ist hinreißend, ungewöhnlich und trägt sicherlich zur speziellen Atmosphäre vieler ALTER BRIDGE Songs bei.

Bestes Beispiel ist „Rue The Day“. Zu Beginn schwelgt man im satten Gitarrensound und lässt sich von Myles Kennedys Vocals umgarnen, um dann vom vielleicht besten Gitarrensolo der Platte umgehauen zu werden.
Auch das etwas leisere „Hang By A Thread“, fokussiert sich ganz auf Myles‘ grandiose Stimme. Ein Stück, das so auch auf einem seiner Soloalben Platz gefunden hätte.
Im Refrain zu „Trust In Me“ hört man dann Marks Gesang zum ersten Mal, darüber hinaus übernimmt er in „Tested And Able“ zunächst den überwiegenden Teil der Gesangsparts, während Myles die Refrains und später ganze Strophen beisteuert. Diese effektvoll inszenierten Passagen sind große Klasse. Die relativ ruhige Atmosphäre ist jedoch trügerisch und wird immer wieder durch die Gitarren gebrochen.
Damit spiegelt dieser Song die Qualität der Scheibe vielleicht am besten wider. Was in den letzten Alben beispielsweise in „Sin After Sin“ langweilig und für meinen Geschmack in einem Stück wie „Godspeed“ viel zu poppig dahinplätscherte wird hier konsequent überraschend und aufregend dargeboten.

So bleibt das diesmal auch weiterhin. Song für Song präsentieren sich ALTER BRIDGE erstklassig, lassen sich zu keiner Schwäche hinreißen. Ganz im Gegenteil geben sie gegen Ende noch einmal richtig Gas. Unweigerlich wird man in die atemlose Dynamik von „Playing Aces“ hineingesogen. In „What Are You Waiting For“ zeigt das Quartett in unnachahmlicher Weise und bester „The Last Hero“-Tradition, dass sie wahre Meister des Tempowechsels sind. Und dann ist er da, der fulminante finale Höhepunkt. Das neunminütige Epos „Slave To Master“ bietet in bester Weise alles was ALTER BRIDGE an Magie entfalten können, in jeder Hinsicht ein würdiger Nachfolger ihrer Jahrhundertwerke „Blackbird“ und „Fortress“. Ein gigantisches Hörerlebnis, auf das ich gerne vier Jahre gewartet und gehofft habe.

Die Vorabveröffentlichungen ließen es bereits erahnen; „Alter Bridge“ ist ein aufregendes Album, das wuchtigen Sound, großartige Instrumentalarbeit und Gesangsparts auf höchstem Niveau zu bieten hat. Konsequent und souverän spielt die Band ihre vielen Stärken aus und hat erfreulicherweise die kleinen Schwächen der letzten Jahre beseitigen können. Das kann nur die höchste Bewertung zur Folge haben. (Frank)

Bewertung:

Matthias9,5 10 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 60:30 min
Label: Napalm Records
Veröffentlichungstermin: 09.01.2026

 

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