Im Zuge der nunmehr vierten Tour zum Album „Issue VI“ und dem zweiten Besuch war es an der Zeit, DEW SCENTED Bandsprachrohr Leif „Leffe“ Jensen ein paar Fragen zu stellen. Der Sänger war zwar grippal ein wenig angeschlagen, entpuppte sich aber als sehr netter, redefreudiger Interview Partner, der bereitwillig und ausführlich alle Fragen beantwortete. Hallo, erstmal danke für die Zeit die du dir nimmst.

Ja, hallo, kein Problem

Gesetz dem Falle, dass jemand DEW SCENTED noch nicht kennt, kannst du bitte die Band kurz vorstellen?

Wir sind DEW SCENTED, kommen aus Nord Deutschland, uns gibt es seit Anfang der 90er in wechselnden Besetzungen und haben jetzt aktuell die sechste Platte raus gebracht, bei Nuclear Blast, heißt „ISSUE VI“. Wir sind jetzt auf der vierten Tour für die Platte, waren in Europa mit NEVERMORE, in den USA mit VADER, Japan mit HIGH ON FIRE und sind jetzt fünf Wochen mit CRYPTOPSY und GRAVE unterwegs, läuft auch soweit alles ganz gut, alle soweit krank (lacht)

Du hast die wechselnden Besetzungen schon angesprochen, da gab es ja in letzter Zeit immer mal wieder Probleme, wer wird denn heute die zweite Gitarre bedienen?

Tja, auf Papier haben wir theoretisch sogar drei Gitarristen momentan. Fakt ist aber, dass Hendrik, der auch auf en letzten Platten mitgewirkt hat, ist aus arbeitstechnisch Gründen nicht abkömmlich gewesen für die Tour. Für ihn eingesprungen ist unser Bekannter Henrik, von unseren Proberaumkollegen HEADSHOT. An der ersten Gitarre spielt der Florian, ein quasi DEW SCENTED Original, der jetzt für ein paar Monate ausgesetzt hatte.

Habt ihr vor, noch mal einen zweiten Gitarristen fest ins Line Up zu integrieren?

Eigentlich haben wir ja schon einen, und zwar Marvin aus Holland, der auch auf der Platte einige Solis gespielt hat und in dem Video zu sehen ist. Er ist allerdings auf der US – Tour krank geworden und jetzt leider außer Gefecht für die nächsten paar Monate. Ansonsten haben wir de facto eigentlich sogar einen Gitarristen zu viel (lacht).
Aber wie das nun mal so ist bei viel Aktivität, passen halt die Terminkalender nicht immer zusammen, das ist meistens der Grund für die Wechsel an der Gitarre.

Wie siehst du so generell euren bisherigen Erfolg und warum denkst du, dass ihr eigentlich erst seit ”Inwards” der großen Masse bekannt wurdet?

Also, hm, ich bin sowieso nicht der Mensch, der sich irgendwie beschweren würde, weil ich denke, dass es viele talentierte Musiker gibt, die gar keine Chancen haben, insofern denke ich, dass es schon OK für uns ist, dass es ein paar Jahre oder Platten länger gedauert hat. Wir arbeiten eigentlich seit 1993/94 konstant an der Band, spielen so viel es geht und versuchen uns selbst zu promoten. Dabei haben wir immer versucht so weit weg wie möglich von zu Hause weg zu spielen, vielleicht hat es deshalb etwas länger gedauert, aber es hat die Sache für uns spannend und reizvoll gehalten.
Am Anfang war es wohl schwierig für uns deshalb, weil wir nicht unbedingt die verdaulichste Musik gemacht haben, da hätten wir für den Erfolg besser Black Metal oder Gothic oder was auch immer machen müssen (grinst). Aber wir machen nun mal das, was uns gefällt und haben es damals auch eben gegen den Wind gespielt. Dabei sind wir geblieben und versuchen es halt von Platte zu Platte immer zu verbessern.
Dass mit „Inwards“ ein bisschen mehr Schub auch international rein gekommen ist liegt auf der Hand. Wir sind mit Nuclear Blast bei einer besseren Plattenfirma angedockt. Die CD ist in Asien und USA raus gekommen und hat durchweg gute Presse erhalten, was sowohl Firma als auch Band natürlich extra motiviert. Seit dem versuchen wir konstant dabei zu bleiben. Wir werden diesen Sommer Festivals (siehe dew-scented.de) und vielleicht ne USA Tour spielen und dann direkt wieder ins Studio gehen im Oktober/November.

Das führt mich auch direkt zu meiner nächsten Frage, wie läuft das Songwriting bei euch ab?

Total Old School im Proberaum, vielleicht greift man manchmal darauf zurück, ein Riff per Computer aufzunehmen und rum zu mailen. Ansonsten sind wir Handwerker, treffen uns, jammen und stücken die Songs dann zusammen.
Ich komme persönlich bei dem Prozess immer zum Schluss erst dazu, weil ich recht weit con der Band weg wohne und auch nicht instrumental daran beteiligt bin. Die Jungs wissen ja, was sie tun und ich komme dann hinzu um den Feinschliff zu machen und die Gesangs Sachen auszuprobieren. Es ist also sozusagen die alte Schule des Songwriting, meistens sitzen auch die Sachen sofort, wir beschäftigen uns nicht ewig mit den Songs. Wenn wir uns direkt jetzt dran setzen würden, wäre die Platte in 2 Monaten fertig.

Du schreibst ja alle Texte, woraus ziehst du denn deine Inspiration, haben die Texte für dich eine besondere Bedeutung?

Ja, doch, die Lyrics haben für sich eine Bedeutung, es sind kleine Geschichten, die hoffentlich in der Atmosphäre den Song unterstützen. Mich beeinflusst in Prinzip alles, was ich sehe, lese, höre, fühle. Das kann der kleinste Streit oder ne kaputte Beziehung sein. Leider ist es ja so, dass je tiefer man fällt, desto kreativer ist man, komischerweise. Also wenn es mir jetzt zu gut gehen würde und ich den ganzen Tag am Strand liegen würde, würde wahrscheinlich gar nichts dabei rauskommen (grinst).
Damals bei „Innoscent“, die 98er Platte war ich auf Zivifahrt mit der Gruppe Kinder auf ner norddeutschen Insel und hab dort versucht Texte zu schreiben, das ging gar nicht (lacht) Ich wünsche mir nichts schlechtes, aber ich denke in den nächsten Monaten sollte mal wieder so ein Abgrund kommen, dann werden die Texte für die nächste Platte entstehen (lacht).

Na, das hoffen wir doch nicht, selbst wenn es den Texten helfen sollte.
Ich persönlich finde die Cover der ketzten beiden Platten sehr gelungen, wer zeichnet sich dafür verantwortlich? Habt ihr da selbst einen kreativen Einfluss?


Hm, Jein, also die letzten beiden Platten die du ansprichst, stammen von dem Björn von www.killustrations.com. Ist ein Kumpel von uns, der Sänger von NIGHT IN GALES. Er ist sehr talentiert wie ich finde und hat auch immer sehr passende Komplettkonzepte, also gute Ideen auch für das Gesamtbild der Platte inklusive Booklet. Bei der letzten Platte ist es eigentlich sein Ding gewesen, er hat sich durch ein paar Texte und Titel für Detaillausfertigungen inspirieren lassen, aber das Gesamtkonzept hat er glaub ich auch schon für sich gemacht gehabt, wir fanden das halt sehr passend. „Impact“ war so eine Mischung mit unseren Ideen, so der Kampf mit dem Ich, man rennt mit dem Kopf an die Wand, aber es ist doch das eigene Ich, das man dabei erwischt, das hat er halt auch passend umgesetzt. Mal sehn, was wir mit der nächsten Platte machen.

Und wie weit geht eure Freiheit in Sachen Coverdesign von der Plattenfirma aus?

Wir haben da ziemlich freie Hand, sie würden uns natürlich reinreden, wenn sie damit nicht zufrieden wären, aber bisher waren sie es zum Glück immer. Das ist auch der Grund, warum wir letztendlich immer bei Nuclear Blast geblieben sind, obwohl wir sicherlich nicht ihre größte Band sind, wir sind wahrscheinlich sogar ihre kleinste Band (lacht) Aber sie mögen das Gesamtpaket, dass sie von uns bekommen und die Menge an Arbeit, die wir in die Band stecken. Wir sind auch ziemlich autark und melden uns eigentlich nur bei ihnen, wenn wir ins Studio gehen und liefern dann ein Master ab, dazu Cover und Fotos, ich denke, dass so die Kooperation immer ganz gut funktioniert hat.

Du hast anfangs schon eure internationalen Touren erwähnt, Laufen Touren im Ausland generell anders ab, was gibt es für Unterschiede?

Gut, Europa ist schon besser organisiert, weil sich die Clubs und die Promoter hier mehr um die Konzerte kümmern und versuchen das Beste raus zu holen jeden Abend. In den USA ist es schon manchmal so, dass du merkst, dass es den Hallenbesitzern egal ist, wer du bist und warum du da vorbei kommst. Aber insgesamt war die Tour mit VADER sehr gut organisiert mit guter Crew und von den Fans her war das genau wie hier auch, an schlechten Tagen spielst du vor 50, an guten halt vor 800. Es war auf jeden Fall ne super Erfahrung, mal was anderes für uns. Wir waren so intensiv noch nicht in den USA, so von Küste zu Küste. Eine gute Mischung aus Leuten die sich auf uns gefreut haben und welche die uns noch nicht gehört haben, deshalb müssen wir auch auf jeden Fall noch mal da hin (grinst)

Gibt es eine besondere Band, mit der du sehr gerne mal touren würdest?

Da gibt’s einige. Gut, zu sagen wir würden nie oder ungern mit SLAYER touren, das wäre natürlich Quatsch (grinst). Aber das wäre so ein Beispiel. MACHINE HEAD wäre ne schöne Sache, war auch mal im Gespräch, weil der Gitarrist sehr auf uns steht, sie vom Härtegrad wohl auch ganz gut passen würden und zumal noch ein größeres moderneres Publikum anziehen. Mit THE HAUNTED und MESHUGGAH wäre auch mal cool, aber wir haben eigentlich bisher immer sehr gute Touren erwischt, mit netten Leuten und anspruchsvollen Musikern.

Was würdest du sagen, wenn man DEW SCENTEC als den legitimen Nachfolger von Bands wie DESTRUCTION, KREATOR oder SODOM bezeichnen würde, die den Thrash Metal ins neue Jahrtausend geführt haben.

Das ist ein großes Kompliment, das sind echt große Worte, vielleicht sogar zu groß, weil, ich denke nicht, dass wir mit dieser Zielsetzung rangegangen sind an die Band. Wir stammen halt zufällig jetzt aus der Generation, die von diesen Bands aus entstanden ist, mit denen wir angefangen haben, Musik zu hören. Die drei haben uns ja auch mal eine Woche auf Tour mitgenommen, das war schon eine große Ehre für uns, weil alle drei Bands stehn auch auf uns und sehn das vielleicht auch so, dass wir die Thrashelemente moderner präsentieren, weil unsere Wurzeln liegen ja auch im Thrash. Mich freut es zu hören, dass manche Leute sich durch Bands wie uns zum Thrash hin entwickelt haben.
Das ist auf jeden Fall ein großes Kompliment, ob das jetzt sooo stimmig ist… also ich würde es auf jeden Fall nicht selbst behaupten (grinst)

Wie stehst du zu dem Metalcore Boom, der zurzeit in Deutschland und international besteht?

Mich freut das extrem, es ist harte Musik, teilweise qualitativ extrem gute Musik, die Bands können spielen, wie man es jetzt auch immer nennt. Und ich finds besser, dass sich hübsche 16jährige Mädchen mit solchen Bands wie CALIBAN befassen als mit den BACKSTREET BOYS. Diese Bands sind letztendlich auch nur eine Weiterentwicklung von dem, was andere vor 10 Jahren gemacht haben und ich denke, dass es auch gut zum Zeitgeist passt. Mir gefällt die teilweise politische und soziale Ausrichtung der Bands, da geht’s halt nicht nur um Saufen, Ficken und Drogen sondern auch manchmal um Tierrecht oder eine aktive Auseinandersetzung mit dem Rechtsradikalismus, was leider viele Bands leider überhaupt nicht auf ihrem Programm haben.
Ich bin selbes großer Fan von einigen der Bands, wir sind auch gut befreundet mit vielen mit denen wir auch öfters spielen, seien es jetzt HEAVEN SHALL BURN, FEAR MY THOUGHTS oder CALIBAN.
Was mir natürlich nicht gefällt, ist der Boom, der Hype, dass es so eine extreme Masse ist, in der leider auch viel zweite Liga dabei ist, von denen einige nur auf einen fahrenden Zug aufspringen. Aber das gibt es ja in jeder Welle und nach ein paar Jahren, wenn der Zenit erreicht ist, was schon fast soweit sein könnte demnächst, dann trennt sich auch die Spreu vom Weizen. Man sollte sich auf jeden Fall damit auseinander setzen und ich finde zum Beispiel persönlich ne aktuelle BLEEDING THROUGH Platte spannender als eine neue GRAVE DIGGER Platte, sorry (lacht)

Nungut, das ist unter Umständen nachvollziehbar.
Wie siehst du das Problem mit dem illegalen Download, hat es DEW SCENTED bisher betroffen?


Ja mit Sicherheit, man merkt schon, dass Verkaufszahlen zurück gehen oder stagnieren und dass manche Leute, die sich leider nur oberflächlich mit Bands befassen und dabei bleiben, die Musik aus dem Internet zu ziehen. Ich denke, die Leute müssen verstehen, dass wenn sie Teil einer Szene sind, müssen sie daran arbeiten und keine Band wird unterstützt, wenn eine Platte aus dem Netz gezogen wird und in die Sammlung gestellt wird. Das ist nicht die Art und Weise wie diese Szene auf Dauer funktionieren wird.
Es steckt ne Menge Arbeit, kreativ aber auch finanziell im Musikmachen und Aufnahmen erstellen drin und es wäre gut, wenn sich die Leute darüber im Klaren wären, was sie tun. Ich denke als Promo Plattform ist das Internet großartig und ich habe kein Problem damit, wenn Leute das als Hörmuster nutzen um Bands zu entdecken, das mache ich persönlich auch so. Aber wenn mir eine Band wirklich gefällt und ich Fan bin, dann würde ich mir sehr sehr schlecht vorkommen, wenn alles was ich tue, um diese Band zu unterstützen es ist, Sachen aus dem Internet zu ziehen.
Es führt dazu, dass sich viele Leute nur noch sehr oberflächlich mit Bands beschäftigen und sich bei MySpace oder sonst wo einen Song runterladen und sagen das wars halt.
Sorry, aber so funktioniert die Szene nicht!

Ganz meine Meinung, Leif. Sehr schön zusammengefasst. Kommen wir auch schon zur letzten Frage, was kann man in naher Zukunft von DEW SCENTED erwarten?

Tja, noch ne Woche gute Konzerte mit CRYPTOPSY, dann alle paar Wochenende kleinere Festivals mit dem Abschluss auf dem PartySan. Dann machen wir 2, 3 Monate Schicht, um an der neuen Platte zu arbeiten, die dann hoffentlich irgendwann Februar, März 2007 bei Nuclear Blast raus kommen wird. Vielleicht machen wir zwischendurch noch eine US Tour, je nachdem, was sich ergibt. Ich denke, wir werden an jeder zweiten Ecke im Sommer vertreten sein und hoffentlich dann ein gutes Album schreiben. Mehr Pläne haben wir jetzt nicht.

Gibt es schon Ideen für den Titel der nächsten Platte? Vielleicht wieder was mit einem „I“?

Ne, ne (lacht) gute Frage, da sind wir sogar so offen, dass wir vielleicht darauf zurückgreifen Ideen über unsere Website zu sammeln. Wir haben halt ein ganz klares Konzept, wir sind mit einem Wort unterwegs, mit einem „I“ als Anfangsbuchstaben. Wir haben sicherlich noch Ideen von den letzten Platten, die auf irgendwelchen Zetteln stehn (lacht), aber noch nichts Konkretes. Wir lassen uns da überraschen.

Gut, dann sind wir gespannt. Ich danke dir auf jeden Fall sehr für die Zeit, die du dir genommen hast.

Ja, Dankeschön, Danke dir auf jeden Fall

Gibt es noch irgendetwas, was du den NECKBREAKER Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

Neckbreaker? Das klingt ja martialisch (lacht)
Ja, auf jeden Fall vielen Dank für das Unterstützen der Band und hoffentlich rennt man sich ma über den Weg auf dem Festivals im Sommer. Und, (grinst) kauf weiterhin Platten, nicht nur Downloaden.

Schönes Schlusswort. Danke für das Interview, Leif.
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