Faroese Music Awards 2022

kolumne fma 01Im letzten Jahr hatte ich es nur gehofft, dieses Jahr ist es tatsächlich in Erfüllung gegangen: Die Faroese Music Awards haben am 12.03.2022 wieder ganz normal stattgefunden. Allerdings nicht, weil Corona endlich überwunden ist, sondern weil die färöische Regierung Corona einfach abgeschafft hat. Ende Februar sind alle Coronabeschränkungen gefallen, kostenlose Tests gibt es auch nicht mehr und trotz erschreckend hoher Fallzahlen geht das Leben auf den Färöern nun wieder den Weg, den es vor Corona gegangen ist. Die Krankheit soll von nun an nur noch als eine weitere Form der Grippe betrachtet werden. Ob das der richtige Ansatz ist, soll hier nun nicht diskutiert werden, hier soll es ausschließlich um die Musik gehen.

Und obwohl ich eingangs geschrieben habe, dass die Faroese Music Awards 2022 wieder ganz normal stattgefunden haben, so stimmt das nicht ganz. Wer nicht dabei war, das waren die ausländischen Journalisten. Noch gelten in zu vielen Ländern Einreisebeschränkungen, da wäre eine solche Reise für viele wohl nicht machbar.

Wie schon im letzten Jahr führte das Moderatorenduo Marianna Winther Nagata und Rólant Waag Dam durch das Programm, in diesem Jahr unterstützt von Bjørk Sigurdsdóttir Lamhauge, die mit diversen Musikern und anderen Protagonisten der Szene Interviews führte, zu denen immer wieder ins Foyer des Nordlandhauses geschaltet wurde. Dabei fanden die Interviews mal im Foyer statt, mal draußen vor der Tür, oder, wie im Fall von Dania O. Tausen, auf der Behindertentoilette. Warum, das wird wohl ein Geheimnis bleiben. Das sorgte für etwas Auflockerung der Show, aber irgendwann wurde die etwas aufgedreht wirkende Bjørk, die gefühlt jeden Satz mit „Tú?“ begann, doch recht anstrengend.

Da waren die beiden im Saal mit ihren immer wieder unterschwellig und in Nebensätzen vorgebrachten Witzen deutlich unterhaltsamer. Im letzten Jahr waren sie überall auf den Inseln unterwegs, um die einzelnen Gewinner mit Preisen zu überraschen, dieses Mal waren fast alle vor Ort. Die einzigen Ausnahmen bildeten die, die gerade auf Tourneen (ja, auch das gibt es wieder!) im Ausland waren. HORRSE überraschte man ein paar Tage früher (abgelenkt von Freundin Marianna Winther Nagata, die dann auch den Preis stellvertretend mit nach Hause nahm) im SMS, TEITUR und BRIMHEIM überbrachte man die frohen Botschaften per Videochat.

Und BRIMHEIM ist auch die Gewinnerin des Abends. Gleich drei Preise räumt die junge Musikerin in der Kategorie Pop/Rock ab: Sängerin des Jahres, Song des Jahres und Künstlerin des Jahres. Ihre Mutter Elin Brimheim Heinesen sitzt im Publikum und ist sichtlich stolz auf ihre Tochter – doch das Talent liegt in der Familie, denn Elin selbst gewinnt den Preis für den Text des Jahres für den Song „Sóleyan“. Den Text dazu hat ihr 2011 verstorbener Vater Jens Pauli Heinesen geschrieben und somit haben strenggenommen drei Generationen der Familie Heinesen an diesem Abend Preise gewonnen.

Andere hingegen gingen komplett leer aus, wie z.B. REILEY, der zwar in fünf Kategorien nominiert war, aber keinen einzigen Preis ergattern konnte. Wenig überraschend ist, dass TEITUR, der sehr kreativ war und nach nur einem Jahr schon wieder ein Album veröffentlicht hat, gleich zwei Preise (Sänger des Jahres und Album des Jahres) gewinnt. Man weiß ja – wenn TEITUR dabei ist, braucht sich sonst eigentlich keiner Hoffnung auf den Preis zu machen.

Für eine Überraschung sorgten auch EKA, die den Preis für Ensemble/Chor des Jahres und mit Ernst Remmel auch den Preis für den Künstler des Jahres abräumen konnten. Und es gibt noch mehrere Überraschungen. Gunn Hernes, die Leiterin des Nordlandhauses, hält ihre Laudatio auf Färöisch. Zwar mit starkem norwegischem Akzent, aber sie gibt sich Mühe und erntet dafür ordentlich Applaus.

Außerdem wird in diesem Jahr ein neuer Preis eingeführt: Der Preis für den Musikexporteur bzw. Promoter des Jahres. Alleine die Einführung dieses Preises zeigt schon, wie lebendig die färöische Musikszene ist und wie viele Akteure sich mittlerweile darum kümmern, färöische Musik in der Welt bekannter zu machen. In diesem Jahr geht der Preis an Høgni Lisberg (bekannt u.a. als ehemaliger Schlagzeuger von EIVØR) für Mahogni Music Publishing, das er vor wenigen Jahren gegründet hat. Der Preis für das Lebenswerk eines Künstlers geht in diesem Jahr an Martin Joensen, der eine recht lange und humorvolle Dankesrede hält.

Zwischen den einzelnen Preisverleihungen finden natürlich auch wie in den Jahren zuvor Liveauftritte von färöischen Bands statt. Das Beste hat man sich dabei für den Schluss aufgehoben, denn EIVØR präsentiert ihren Song „Hands“. Wunderschön instrumentiert mit Klavier und Streichern kommt ihre atemberaubende Stimme perfekt zur Geltung. Da merkt man gar nicht, wie die Zeit vergeht und im Nu sind mehr als zwei Stunden Faroese Music Awards vorbei. Es bleibt zu hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder möglich sein wird, als ausländischer Journalist daran teilzunehmen, denn noch immer denke ich gerne an die tolle Woche 2019 zurück, die ganz im Zeichen der FMA stand.


Nominiert waren die folgenden Musiker/Bands:

In der Kategorie Pop/Rock:

Sängerin des Jahres:
Brimheim
Dania O. Tausen
Greta Svabo Bech
Lea Kampmann
Konni Kass

Sänger des Jahres:
Beinir
Knút
Ragnar Finsson
Reiley
Teitur

Album des Jahres:
TEITUR – „Cazador De Ostras“
HORRSE – „Crossing“
KONNI KASS – „Diplopia“
DANIA O. TAUSEN – „Gonguteigatúnatos“
JOE & THE SHITBOYS – „The Reson For Hardcore Vibes Again“

Song des Jahres:
BRIMHEIM - „Hey Amanda”
REILEY – „Let It Ring“
BJARKI HANSEN – „Tú Angar So Væl“
Ester Skála – „Unicorn“
KNÚT – „Villiniborg“

Künstler des Jahres:
BRIMHEIM
HORRSE
JOE & THE SHITBOYS
REILEY
TEITUR


In der Kategorie Offene Gruppe:

Künstler des Jahres:
Ernst Remmel
Kristina Thede Johansen
Sanna Bæk Hoydal

Veröffentlichung/Konzert des Jahres:
EKA – „Live At Sált“
YGGDRASIL – „Porkerisvatn“
BA TÓNLIST – „Fonetika“

Komposition des Jahres:
ÓLI JÓGVANSSON – „Mourner’s Adagio“
YGGDRASIL – „Skýggj“
ELIN HEINESEN – “Sóleyan”

Video des Jahres:
DANIA O. TAUSEN – Alt Annað Enn Vanligt“ (Maria Tórgarð)
KONNI KASS – Frank (Maria Tórgarð)
EINANGRAN – Glashús (Heiðrik á Heygum)
REILEY – Let It Ring (Reiley)
JOE & THE SHITBOYS – Pull The Trigger (Terji Mohr)

Newcomer des Jahres:
BRIMHVÍTT
EKA
HORRSE
JÓSEF ZACHARIASSEN
REILEY
SANNA BÆK HOYDAL

Gruppe oder Chor des Jahres:
DET FERÖSCHE COMPAGNIE
EKA
YGGDRASIL


Die Gewinner sind:

In der Kategorie Pop/Rock:

Sängerin des Jahres:
BRIMHEIM

Sänger des Jahres:
TEITUR

Album des Jahres:
TEITUR – „Cazador De Ostras“

Song des Jahres:
BRIMHEIM - „Hey Amanda”

Künstler des Jahres:
BRIMHEIM


In der Kategorie Offene Gruppe:

Künstler des Jahres:
Ernst Remmel

Veröffentlichung/Konzert des Jahres:
BA TÓNLIST – „Fonetika“

Komposition des Jahres:
ÓLI JÓGVANSSON – „Mourner’s Adagio“

Video des Jahres:
DANIA O. TAUSEN – Alt Annað Enn Vanligt“ (Maria Tórgarð)

Cover des Jahres:
Kirstin Helgadóttir für DANIA O. TAUSEN – „Gonguteigatúnatos“

Texte des Jahres:
ELIN BRIMHEIM HEINESEN – „Sóleyan“ (Jens Pauli Heinesen)

Newcomer des Jahres:
HORRSE

Produzent des Jahres:
JENS L. THOMSEN für KONNI KASS – „Diplopia“

Musikexporteur/Promoter des Jahres :
Høgni Lisberg für Mahogni Music Publishing

Zuschauerpreis:
Ester Skála

Ensemble/Chor des Jahres:
EKA

Preis für das Lebenswerk:
Martin Joensen


Allen Gewinnern sei herzlich gratuliert.


Live aufgetreten sind:

EKA – „Gammel Reinlender Fra Sønndala“
BJARKI HANSEN – „Tú Angar So Væl“
FRÓÐI BJARNASON – „Don’t Put Me Out“
LENA ANDERSSEN – „The Airport“
TEENSTREET WHORSHIP – “Named”
JENS L. THOMSEN – “Sublima Løtan”
KNÚT – „Villiniborg“
EIVØR – “Hands”

(Anne)

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