Mehrfach-Wertung der Redaktionsaxon_sacrificeHatte ich dem britischen Flagschiff schon bei den letzten Reviews ein sehr hohes Arbeitspensum attestiert, so scheint die Maschine weiter auf Hochtouren zu laufen. Gerade mal ein eindreiviertel Jahr nach "Call To Arms" kommt mit "Sacrifice" bereits das zwanzigste Studioalbum in 35 Jahren in die Läden. Das soll SAXON erst mal einer nachmachen, denn bei den meisten Bands sinkt die Schlagzahl nach 20 Jahren doch beträchtlich. Ob das immer so gut ist, lasse ich mal dahin gestellt, denn vor allem die letzte Scheibe fiel eher fragwürdig aus, weshalb man nun etwas gut zu machen hat. Eine echte Herausforderung also, der man sich gerne stellt, da man anscheinend nicht daran denkt sich auf das Altenteil zurück zu ziehen. Oder doch, wie man jüngst aus ihrem Lager hören konnte.

Unabhängig von der Zukunft der Truppe geht es hier nach dem Intro "Procession" mit dem Titelsong erstmal in die Vollen. Die Gitarren geben ordentlich Sperrfeuer, überschlagen sich bei den geschickten Arrangements fast. Sofort wird klar, dass dieses Mal keine Gefangenen gemacht werden, so direkt ging man in letzter Zeit selten zu Werke. Das war auch die Zielsetzung der Herren, den überflüssigen Ballast über Bord zu werfen. Trotz der keltisch angehauchten Melodielinien folgt auch „Made In Belfast" dieser Direktive, stampft unaufhaltsam und stoisch nach vorne.

 

Das packen Paul Quinn und Doug Scarrat in einen Gitarrensound, der passender nicht sein könnte. Die Sechssaiter sägen sich wunderbar durch das Gebälk, dass es einfach Spaß macht. Dafür hat man sich mit Andy Sneap einen Experten geholt, der schon bei den letzten beiden ACCEPT zeigte, dass er weiß wie klassischer Heavy Metal klingen muss. Diesen rauen und ungehobelten Gitarrenklang integriert er sehr gut in einen druckvollen und harten Gesamtsound, der den leicht orientierungslosen Vorgänger vergessen macht.

Doch nicht nur in Sachen Mix drückt ihnen ihr Landsmann den Stempel auf, auch sonst holt Sneap das Optimum aus dem Material. Selten waren SAXON so spielfreudig, so unverkrampft und frisch, da wird in jeden Song noch eine Schippe Herzblut mehr gelegt. Neben den bereits erwähnten Gitarren profitiert auch Sänger Biff Byford von der Anleitung ihres Produzenten. Die Phrasierungen bei Songs wie dem dezent atmosphärischen „Night Of The Wolf" bekam er so schon länger nicht mehr hin.

Es scheint, als hätte die Koryphäe auf dem Sessel das Letzte aus der Band geholt, noch einmal eine starke Leistung aus ihnen heraus gekitzelt. Ich denke, das Ergebnis ist das Beste, was heutzutage noch in SAXON steckt, und wartete darauf abgerufen zu werden. Aus Bandkreisen hörte man ja, dass sie 2014 eine Pause einlegen wollen, was nicht verwundert, denn irgendwann müssen die Akkus mal aufgeladen werden. Die letzten Jahre waren mit einem hohen Album-Rhythmus, unzähligen Tourneen und Festivals, dazu DVD-Produktion und Dokumentation sehr arbeitsreich, und „Sacrifice" setzt ein Ausrufezeichen darunter.

Gut, an die alten Klassiker kann man qualitativ nicht ganz heran reichen, aber im Gesamtwerk des Fünfers nimmt die Scheibe eine solide Stellung im Mittelfeld ein. Beim Songwriting hat man sich hier hörbar an den Frühachtzigerarbeiten orientiert, was sicher nicht die schlechteste Inspiration ist. Manches Riff klingt wie aus dieser Aufbruchszeit und transportiert auch beinahe deren Energie. Bestes Beispiel ist sicherlich der Rausschmeißer „Standing In The Queue", der den selben Boogie-Groove besitzt wie weiland „Play It Loud" oder „Wheels Of Steel". In der Form sind die Sachsen noch lange nicht aus der Szene wegzudenken. (Pfälzer)

Bewertung: 8 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 39:28 min
Label: UDR
Veröffentlichungstermin: 01.03.2013

Wertung der Redaktion
David Pascal Dirk Maik Kevin Anne Andreas
8 7,5 8,5 8 8,5 7 7
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