voodoocircle whiskyfingersIm letzten Jahr war bis auf sein Mitwirken bei ROCK GOES CLASSIC nur wenig vom saarländischen Gitarristen Alex Beyrodt zu hören. Dabei hatte er vor zwei Jahren mit den wiederformierten SILENT FORCE sogar ein viertes Bandvehikel ins Rennen geschickt. Während von SINNER und PRIMAL FEAR neues Material schon länger aussteht hat er sich nun wieder seiner Herzensangelegenheit gewidmet. Mit VOODOO CIRCLE zelebriert er seit ein paar Jahren ganz ursprünglichen und kraftvollen Hardrock, welcher sich sowohl an den Siebzigern als auch an den Achtzigern orientiert. Ging das Debüt noch in die RAINBOW-Richtung, so tauchte seine Soloband mit „Broken Heart Syndrome" tief in die Anfangszeiten dieses Genre ein, während das letzte „More Than One From Home" Werk deutlich an WHITESNAKEs „1987" angelehnt war. Wohin geht es nun mit dem demnächst erscheinenden „Whisky Fingers"?

Wobei der Titel natürlich erst einmal Fragen aufwirft, doch dabei handelt es sich um einen Slangausdruck für Gitarristen, die nicht direkt auf die große Bühne fielen, sondern sich durch die Clubs hochspielten. Diese haben, so Eddie Van Halen Whisky an ihren Fingern, den sie bei ihren Gigs gerne zu sich genommen haben.

Was Beyrodt durch Finger und Kehle geht, weiß ich nun nicht genau, bei mir hat er nur Apfelschorle getrunken. Was ihm in während der Aufnahmen in den Fingern rumging, kann man schon beim ersten Ton deutlich heraus hören. Die Strat bleibt weiterhin im Keller, auch hier setzt der Saitenhexer erneut auf die Power seiner Les Paul. So brettert sofort das erste Riff von „Trapped In Paradise" in bester „Bad Boys"-Manier über den Hörer hinweg, auch wenn die Orgel weitaus präsenter ist als auf der Göttergabe der weißen Schlange.
In der Mitte des Songs nehmen die Jungs aber das Tempo erstmals raus und sorgen mit sphärischen Harmonien für ein paar „Still Of The Night"-Momente. Leider bleibt es nicht beim einen Mal, sondern wird später wie im groovigen „Medicine Man" immer wieder gerne als Abwechslung gebracht. So sehr ich das Original mag, aber mehrmals auf einer Platte so unverhohlen in dieselbe Kerbe zu schlagen, ist zu viel des Guten.
Im weiteren Verlauf tritt das Erbe von David Coverdales Band aus jeder Ritze hervor, der gute David Readman versucht sich an vielen Stellen an den typischen hohen Schreien, bei denen er seinem Vorbild erstaunlich nahe kommt. Nur sollte man auf seinem eigenen Album ein bisschen mehr persönliche Note herein bringen, zumal VOODOO CIRCLE gar nicht genau wissen, welche Karrierephase sie denn genau kopieren wollen.

In „Heartbreaking Woman" tönt die Eröffnung ganz kurz ein wenig modern, bis wuchtige Drums des neuen Schlagzeugers Francesco Jovino den Ton angeben. Der ehemalige „U.D.O.-Mann ballert mächtig auf sein Kit ein, Beyrodt fügt nur ein paar knackige Akkorde ein, während Readman sein Organ so richtig hochschraubt. Im der Bridge kommen dann eher feine Melodien aus der „Come An´ Get It"-Schatztruhe zu Zuge und auch der Refrain geht klar in Richtung Siebziger. „Watch And Wait (I Got My Eys On You)" wirkt ebenso wie aus dem Baukasten der Hardrocklegende zusammengeschustert. Hier ein paar akustische Gitarren aus „Ain´t Gonna Cry No More", da ein Stadionchorus und obendrein mal wieder ein Besuch in der Stille der Nacht-Werkstatt.

Gab es schon beim Vorgänger mit dem Titeltrack einen etwas bluesigeren Verweis auf „Is This Love" so bemüht hier „Rhythm Of My Heart" diesen Part. Das ist allerdings irgendwie schon wieder in Ordnung, schließlich hat „The Cov" diese Nummer mit „The Deeper The Love" selbstkopiert. An Balladen kann der Rausschmeißer „Been Said And Done" mit seinem epischen Refrain mehr punkten. Ansonsten sucht man Hits wie zuletzt „This Could Be Paradise" vergebens, „Heart Of Stone" kommt dem noch am nächsten. Natürlich dürfen die John Sykes-Gedächtnissoli nicht fehlen, das beste liefert der der Meister in „Straight Shooter" ab.
Trotz der frappierenden Ähnlichkeit mit einer anderen Band macht „Whisky Fingers" richtig Spaß, Songs wie „Devil Takes Me Down" rocken toll nach vorne. Live wird man da sicher ein paar Granaten daraus zaubern, doch hier kommt man an die zuletzt gezeigten Leistungen nicht heran. Das liegt auch an der Produktion, welche Keyboarder Alessandro DelVecchio übernahm. Dieser spielte bislang live die Tasten und beerbt Jimmy Kresic endgültig, kann aber mit seiner Melodic Rockaffinität nicht ganz für die gewohnte Tiefe sorgen. Somit zieht die Scheibe gegenüber den letzten beiden Großtaten den Kürzeren, demnächst sollte sie es mit Eigenständigkeit probieren, das Songwritingtalent haben sie doch. (Pfälzer)

Bewertung: 7 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 50:48 min
Label: AFM Records
Veröffentlichungstermin: 27.11.2015

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