spocksbeard noisefloorNach Jahren der Konstanz gab es erneut ein kleines Beben im Gefüge der Erretter des progressiven Rocks. Schlagzeuger Jimi Keegan gab seine Stöcke ab, um sich anderen Projekten zu widmen. Dabei sah es fast nach einer Familienzusammenfuehrung aus, als SPOCK´S BEARD wieder mit Neal Morse gemeinsame Sache machten. Im Zuge dessen spielten sie ihr Opus Magnum "Snow” komplett live mit allen aktuellen und bisherigen Mitgliedern. Wenigstens war der Kontakt zu Nick D´Virgillio wieder da, der sich bereit erklärte, für das Rumpfquartett die Drums auf ”Noise Floor” einzuspielen. Ob der auch schon als Frontmann agierende Musiker gänzlich an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt, ist bislang offen. Ebenso offen ist die Richtung, mit der die Formation ihr nunmehr dreizehntes Studioalbum angeht, zuletzt war die Form bestechend.

Man kann sagen, dass sie genau da weiter machen, wo sie mit “The Oblivion Particle” aufgehört haben, oder besser, sie haben den eingeschlagenen Weg weiter beschritten. War auf dem Vorgänger schon eine gewisse Hinwendung zu einer melodischeren Herangehensweise zu sehen, so treten diese Elemente noch deutlicher in den Vordergrund. Als Gegenpol hält man mit vermehrten Hard Rock Klängen dagegen, ohne nun aber allzu sehr in Richtung ihrer Zwischenalben wie “Octane” abzudriften.
Ein Name, der einem beim Genuss des Werkes in den Sinn kommt, der schon vor drei Jahren durch mein Gedächtnis huschte, ist KANSAS. Kein Wunder, sind doch alle Mitglieder US-Amerikaner und mit dem Sound vielleicht mehr vertraut als mit dem ihres bisherigen Schaffens. Dabei kopiert man jetzt nicht stumpf bei den Mainstream-Prog-Heroen, vielmehr trägt auch Ted Leonards Stimmfärbung zur Ähnlichkeit bei, welche sich in dem Material darüber hinaus sehr gut entfalten kann.

Bereits die Orgel zu Beginn von ”To Breathe Another Day” hätte so 1977 auf Vinyl gebannt werden können, die lockere, rockige Gangart kommt dem ebenso nahe. Beim Refrain zieht der Opener bereits alle Register und lässt die Melodie wunderbar nach vorne laufen. Mit “Somebody´s Home” setzen SPOCK´S BEARD noch locker einen drauf, addieren akustische Gitarren und Flöten und lassen den Chorus auf weiten Schwingen davon schweben. Die sehr positive Grundstimmung war bestens geeignet, als sich eine schwere Zeit im Leben des Rezensenten zu Ende neigte. Auch der dezent sakrale Schlussakkord “Beginnings” atmet diesen Spirit.

Trotz dieser Anleihen kommen natürlich die typischen Strukturen der Gruppe ebenfalls zur Geltung, bereits die Auftaktnummer serviert einem coole Breaks im Keyboardsolo. Im theatralischen ”Have We All Gone Crazy” scheinen die Retro Progroots der Siebziger voll durch, auf acht Minuten gibt es viele Dynamiksprünge und auch wieder ein paar Bläsereinsätze, mit denen man zuletzt das Spektrum erweiterte. Noch konzentrierter gehen sie im Instrumental ”Box Of Spiders” zu Werke, in welchem es nur so von progressiven Abfahrten wimmelt. Vor allem Ryo Okumoto zieht mit ein paar digitalen Synthesizern und Jazzpiano sämtliche Register.

Freunde harmonicher Gesangsarrangements fanden bei der Band immer genug Stoff, um einzutauchen, und auch hier gibt es viel zu entdecken. Schon ”What Becomes Of Me” hat diesen beatlesken Touch und überrascht mit ein paar bluesigen Licks sowie psychedelischen Tastenklängen. Hippesk und verträumt präsentiert sich “So This Is Life”, in welchem Alan Morse sehr feine atmosphärische Leads einbaut. Getragene Klänge und eine leichte YES-Schlagseite prägen “One So Wise”, bei dem das gute, alte Mellotron zum Einsatz kommt. Nach ruhigem Mittelpart steigert sich der Titel zu einem weiteren Instrumentalshowdown, um am Ende zur Ausgangsharmonie zurück zu kommen.

Neben der regulären CD haben die Bärte noch weitere, kürzere Lieder komponiert, für die im Fluss des Albums kein Platz mehr war, die sie aber gerne veröffentlicht hätten. So gibt es am Ende mit “Cutting Room Floor EP” eine Bonusscheibe, deren Qualität nicht hinter dem Hauptalbum nachsteht. “Days We´ll Remember” sowie “Vault” liefern einen weiteren idealen Beitrag der neu gewonnenen Zugänglichkeit.

Mit “Bulletproof” hat man den ruhigsten Track mittels Piano und Keyboardschwaden toll in Szene gesetzt, dessen kurzes Synthsolo lässt zusätzlich aufhorchen, und am Ende frickelt man noch einmal gekonnt in “Armageddon Nevous”. Damit ist es der Formation gelungen, sich weiter zu entwickeln, vielleicht neue Hörerschichten erschliessen zu können, ohne dabei nur einen Deut von ihrer Identität abzuruecken, ganz grosses Kino. (Pfälzer)

Bewertung:

Pfaelzer8,5 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 8 (CD1) / 4 (CD2)
Spielzeit: 52:06 min (CD1) / 17:12 min (CD2)
Label: Inside Out Music
Veröffentlichungstermin: 25.05.2018

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