wolfsnaechte-2013-plakatEs war eine der großen Metalsensationen im sich zum Ende neigenden Jahr. Mit ihrem fünften Album "Preachers Of The Night" erobern POWERWOLF die Pole Position der deutschen Albumcharts. Nach zehn Jahren Bandgeschichte und diversen Formationen zuvor gelang den Protagonisten endlich der ganz große Wurf. Dabei war der Erfolg abzusehen, konnte die Truppe doch mit jedem Album mehr Zulauf verbuchen, so dass man schon lange als heißes Eisen galt. Nun machten sie im Rahmen ihrer "Wolfsnächte"-Tour in ihrer saarländischen Heimat Station. In der Saarbrücker Garage wurden sie an dem Abend von dem etatmäßigen Support MAJESTY und dem lokalen Opener HERALDER begleitet.

HERALDER
Das Schicksal meint es derzeit nicht besonders gut mit mir, denn der Tag bereitete mir ähnliche Probleme wie zwei Wochen zuvor beim Weg nach Aschaffenburg. Schon nachmittags verlor ich in unzähligen Baustellen viel Zeit, abends war auch noch die Stadtautobahn gesperrt, so dass sich der eigentliche Steinwurf fast in Reiselänge streckte. Bleibt zu hoffen, dass die Herren Planer den Durchblick nicht verlieren, und sich plötzlich einige Landstriche von der Außenwelt abgeschnitten sehen. So war es mir nur noch vergönnt den letzten Song der Lokalmatadoren zu vernehmen.
Schon bei der Ankunft in der Halle war ich sichtlich überrascht. Natürlich war klar, dass das an dem Abend ein volles Haus geben würde, aber beim Opener um sieben Uhr war der Club besser gefüllt als bei den meisten Headlinern. Davon profitierten HERALDER natürlich, denn die Stimmung hatte bereits ein ordentliches Level erreicht. Umso mehr schade, dass ich soviel verpasst habe, denn anscheinend haben die Epic-Metaller der Menge gut eingeheizt. Ob nun die Band die Zuschauer mitriss, oder ob die von den lautstarken Reaktionen angesteckt wurden, lässt sich aus meiner Warte schwer beurteilen.

Besser kann ich da schon das große Engagement der Saitenfraktion einstufen, die diesmal den sich bietenden Raum auf der Bühne gut zu nutzen wussten. Da wurden die Matten unentwegt geschwungen und viel auf den Brettern rotiert, die drei suchten immer den Kontakt zu ihren Mitmusikern zum gemeinsamen Posen. Da hatten es die beiden Frontleute schon schwerer, sich aufeinander einzustellen, denn es war das erste Konzert der neuen Frontdame Tina Chiovatero. Zwar klappte das gesangliche Zusammenspiel, doch von der Bühnenpräsenz müssen sich die Zwei noch finden.
Die Luxemburgerin wusste stimmlich zu überzeugen, wirkte aber noch ein wenig zurückhaltend, so dass es an Björn Hacket lag, die Meute zu motivieren. Soweit ich feststellen konnte klappte das gut, denn die Anfeuerungen wurden direkt von den Fans aufgenommen, die sich lautstark bemerkbar machten. Als weiteren Bonus für die Formation dürften die Lichtverhältnisse auf der Bühne mit die besten sein, welche diese in ihrer Karriere erlebt haben. Die teils getragenen Lieder wurden so schön untermalt, während es beim Sound schon den ein oder anderen Makel gab. Dennoch darf der Auftritt als Erfolg gewertet werden, denn der ein oder andere, der nicht unbedingt in ihrem Genre zuhause ist, könnte schon auf HERALDER aufmerksam geworden sein.

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MAJESTY
In der Pause kamen schon die ersten Sprechchöre, die den Namen des Headliners skandierten auf, doch als das Licht ausging, war erst einmal der "Hail, Hail, MAJESTY"-Schlachtruf angesagt. Bislang machte ich mir nicht viel aus den deutschen True-Metallern, das Songmaterial war nicht stark genug, um über etwaige arge Klischeebedienung hinweg zu sehen. Doch ein Klischee im Metal, wenn man es denn als solches bezeichnen will, ist, das man auf der Bühne immer Vollgas gibt. Und das nahmen sie mehr als wörtlich, denn kaum auf der Bühne gab es für den Fünfer kein Halten mehr.
Frontmann Tarek Maghary suchte immer den Kontakt zum Publikum, dirigierte es sofort und rannte am vordern Bühnerand hin und her. Dieser ist in der Garage zum Glück seitlich durch zwei Traversen begrenzt, sonst wäre er noch beim Versuch, auch jene, die ganz weit außen auf den Sitzen saßen zu animieren, runter gefallen. Seine drei Saitenakrobaten vollführten alleine mit ihren stattlichen Matten zirkusreife Nummern und waren ebenso rastlos. In Sachen Posing hauten sie die ganz großen Gesten heraus, agierten dabei jedoch stets miteinander.

Beeindruckend zu sehen, wie die Band eingespielt war, obwohl sie in der Besetzung noch nicht lange zusammen ist. Man merkte ihnen richtig den Spaß bei der Sache an, es wurde sich ständig gegenseitig zu weiteren Höchstleistungen angestachelt. Sogar Drummer Jan Raddatz gab hinterseiner Schießbude Gas und hatte ständig ein Auge für seine Mitstreiter und ein Lachen im Gesicht. Die Laune ging auch sofort auf das Publikum über, welches die Fünf immer wieder hochleben ließ. So muss das einfach sein, Freude an der Musik pur, da kann man mal über manches hinweg sehen und die Texte nicht wissenschaftlich sondieren.
Auch musikalisch ließen es MAJESTY krachen, so wie sie optisch miteinander agierten, so hatten sie auch spielerisch den richtigen Draht zueinander. Die technischen Probleme bei Gitarrist Robin Hadamovsky im zweiten Song wurden geschickt kompensiert. Das Programm setzte sich aus drei Stücke des aktuellen Drehers "Thunder Rider" sowie Stücken aus der Frühphase der Formation zusammen. Dies konnten die Zuschauer auch lautstark mitsingen und gaben der Band somit etwas von ihrem Elan zurück. Das Wappnen in Lederrüstungen hat sich gelohnt, das Saarland wurde erobert, doch nicht für lange.

Setlist MAJESTY:
Metal Law
Make Some Noise
Hail To Majesty
Thunder Rider
Heavy Metal Battlecry
Swords & Sorcery
Metal Union

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POWERWOLF
Denn die Heimatfront hatte auch ihre Panzer angelegt und war zudem noch mit den geistlichen Mächten im Bunde. Schon als Roel van Helden seinen Riser erklomm brandete frenetischer Jubel auf, die Messe konnte beginnen. Doch bevor Frontmann Attila diese las, segnete er standesgemäß den Saal mit Weihrauch. Wirklich benebelt war von dem Gebräu keiner, denn als die beiden Axtmänner auftauchten und ins Set einstiegen ging die Post ab. Die Garage stand wie eine Wand hinter ihren Helden, die dem Saarland die erste Nummer eins seit "Maria Magdalena" brachten.
An dem Abend wurde auch wieder deutlich, dass der Erfolg kein Zufall ist, sondern auch in den Livequalitäten von POWERWOLF begründet ist. Die Gebrüder Greywolf an den Gitarren sind eines der stärksten Doppel der Szene, perfekt aufeinander eingespielt, und das nicht nur vom musikalischen her. Auch in Sachen Stageacting ergänzen sich die beiden gut, tauschen permanent die Plätze vor ihren Ventilatoren. Der Effekt kommt immer wieder gut, verleiht er den beiden etwas Kraftvolles. Doch bei allem Posing und Rumgerenne auf der Bühne leidet ihr Spiel nie, die Harmonien sitzen punktgenau. Dahinter sorgte van Helden für einen mächtigen Druck im gut abgemischten Sound.

Die andere Zutat sind natürlich die Songs, die sofort ins Ohr gehen und geradeaus nach vorne rocken. Da blieb kein Haupthaar ungeschüttelt, während alles lauthals mitgesungen wurde. Die Stimmung war auf dem Siedepunkt, so ein Tollhaus war die Garage bisher selten und auch selten so kuschelig eng. Und der gute Atilla treib seine Fans immer weiter zu noch mehr Euphorie, zwischen den Songs musste man schon mal eine längere Pause einlegen, bis sich die Bandhuldigungen gelegt hatten. Der Name von Keyboarder Falk Maria Schlegel wurde öfter mit der Melodie eines 80er-Sommerhits gesungen.
Überhaupt Schlegel, der machte, wenn er denn nicht sein mit einem Raben verziertes Keyboard bedienen musste, seinem Frontmann da vorne Konkurrenz. Immer wieder tauchte er auf, feuerte die Meute an und bekam weitere Sprechchöre. Bei den typischen Animationsspielchen teilte er sich mit dem Sänger das Publikum in zwei Hälften, wobei sehr zum Leidwesen von Dorn seine Seite wesentlich lauter reagierte. Doch er nahm es mit Humor, der Spaß steht bei POWERWOLF ohnehin klar im Vordergrund. In Sachen witzige Ansagen kann niemand Atilla Dorn das Wasser reichen.
In seinem imitierten osteuropäischen Akzent redete er unentwegt über die wichtigen Dinge des Lebens wie die Morgenlatte und was sonst noch so unter seinem Priesterrock zu finden ist. Überhaupt wird das ganze klerikal-pompöse Image mit einem mächtigen Augenzwinkern serviert, so dass sich die Bauchmuskeln auch mal wie die Nackenmuskeln fühlen durften. Das Publikum folgte ihm nur allzu gerne und feierte jedes Lied vehement ab. Die stammten alle schön verteilt von ihren letzten vier Alben, lediglich vom Debüt wurde einiges wie "We Came To Take Your Souls" vermisst.

Den Fans war dies egal, sie gaben alles, so dass sich der Sänger genötigt sah, auch mal den Spieß umzudrehen und das Publikum anzufeuern. Müdigkeitserscheinungen akzeptierte er aber nicht, da sprach dann doch wieder der strenge Hohepriester aus ihm. Auch wenn es für viele wie Floskeln rüber kam, der würdigen Empfang wusste die Band echt zu schätzen, oder wie Atilla meinte: "Daheim ist´s doch am schönsten!". Der Prophet scheint doch etwas zu zählen im eigenen Land!

Setlist POWERWOLF:
Sanctified With Dynamite
Prayer In The Dark
Amen & Attack
All We Need Is Blood
Sacred And Wild
Resurrection By Erection
Coleus Sanctus
 -Drumsolo-
Kreuzfeuer
Werewolves Of Armenia
Dead Boys Don´t Cry
We Drink Your Blood
Lupus Dei
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Raise Your Fist Evangelist
Saturday Satan
In The Name Of Blood

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Anne antwortete auf das Thema: #10945 4 Jahre 7 Monate her
Dat issn Adler, und kein Rabe! Da haste wohl in Bio nicht so aufgepaßt ;-)

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