MichaelSchenker_touflyerMan könnte ihn schon als schlampiges Genie bezeichnen, denn obwohl MICHAEL SCHENKER noch mehr Talent als sein Bruder Rudolf besaß, konnte er nie die ganz großen Erfolge einfahren. Dabei meinte es das Schicksal gut mit ihm, als er 1973 das Angebot bekam bei UFO einzusteigen. Doch das Rockstarleben überforderte den sensiblen Künstler, viele Suchtprobleme sollten sein Leben begleiten. In den letzten Jahren war er musikalisch weniger aktiv, nach einigen schwachen Alben ging die Formkurve erst 2011 mit "Temple Of Rock" wieder bergauf. An die Qualität der Klassiker aus den Siebzigern und Achtzigern reichte er damit aber nicht heran. Nun begab er sich endlich wieder auf Tour, bei der seine MSG mit illustren Mitmusikern gespickt war. Unter anderem mit der ehemaligen Rhythmusfraktion der SCORPIONS an Bord führte ihn diese auch in die "Alte Seilerei" nach Mannheim. Im Vorprogramm stand bei den Deutschland-Gigs die saarländische Hardrockhoffnung AC ANGRY.

Zwar war die Halle zu meiner Überraschung schon gut gefüllt, als die Jungs die Bühne enterten, doch der Empfang fiel eher unterkühlt aus. Im Vorfeld wurde etwas von "ausverkauft" gemunkelt, doch ich erinnerte mich noch an das schwache Publikum 2004 in Frankenthal. Wenn man vor solchen Größen, die da kommen sollten spielt, ist das nicht immer einfach, doch AC ANGRY machten das einzig richtige, sie traten die Flucht nach vorne an. Gitarre eingestöpselt, "Motor" an und los ging die Fahrt auf dem Rock´n´Roll-Highway.
Dass sie nichts anderes wollen, macht ein Song wie "Rock´n´Roller Roller Rolla" deutlich und so gab sich das Quartett auch auf der Bühne. Vom ersten Akkord an gaben sie mit ihren simplen und effektiven Songs Vollgas und erzeugten einen enormen Druck. Sie ließen die sechs Saiten krachen und Sascha Waack sorgte mit kräftigem Punch für das richtige Fundament. Der Spaß an der Sache war ihnen förmlich anzusehen, die Vier leben ihre Musik mit jeder Faser, da flog das Haupthaar nur so. Gekleidet war die Truppe stilecht in das von ihnen besungene "Black Denim".

Unbestrittener Mittelpunkt der Show ist Frontmann Alan Costa, der so richtig den Rockstar raushängen lässt und dem die Bühne oft zu klein war. Mit seinen roten Locken ist er schon eine außergewöhnliche Erscheinung, doch auch seine Agilität und rotzige Attitüde bestechen. Wirklich Platz war wirklich nicht auf der Bühne, vor dem sehr niedrig konfigurierten Drumkit stand ein Frontmonitor, so dass der präzise aufspielende Leadgitarrist Stefan Kuhn vom Rest der Band getrennt war. Ein paar mal stieg Costa darüber, um mit sich mit seinem Axtpartner zu duellieren, während er sich sonst meist mit Bassist Dennis Kirsch in alle erdenklichen Posen warf.

Das Material der Band wie "Get It On" kennt nur eine Richtung, direkt nach vorne, immer auf die zwölf. Selbst in ruhigeren Momenten wie "It´s Good To Be Bad" rocken AC ANGRY immer noch unaufhaltsam. Dreckig und laut, das hat natürlich was von den üblichen Verdächtigen wie MOTÖRHEAD oder ZODIAC MINDWARP, wenngleich die Saarländer mit einer leichten Punkrock-Schlagseite daher kommen. Warum sich der Enthusiasmus auf der Bühne kaum auf das Publikum übertrug, ist völlig unverständlich, vielerorts waren verschränkte Arme zu sehen. Es gab zwar viel Applaus, doch es hätten sich noch einige mehr animieren lassen können, da mitzugehen, was leichter war, als sich dem Feuer zu entziehen.

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Das machte natürlich skeptisch, vor allem wenn man die Meldungen über MICHAEL SCHENKERS Gesundheitszustand immer wieder hört. Dazu war das Publikum der "Alten Seilerei" zuletzt bei EUROPE nur schwer aus der Reserve zu locken. Werden MSG am Ende noch von der jungen Garde an die Wand gespielt? Der Einmarsch des deutschen Gitarrenhelden schlechthin fiel auch eher besorgniserregend aus, abgemagert sah der Mann aus, und wirkte eher schwächlich.
Doch schon bei den ersten Tönen keimte Hoffnung auf, vor allem beim kurzen Solo-Intro hatte ich schon kurz "Save Yourself" im Ohr. Das blieb leider stecken, doch zwei der härtesten Nummern, welche die SCORPIONS je gemacht haben waren eine tolle Entschädigung. Beim ersten Riff enterten seine Mitstreiter die Bühne und stiegen direkt mit ein. Plötzlich war alles ganz anders und Mannheim ging von Beginn an steil, vor allem weil man diese Titel von den Hannoveranern seit Ewigkeiten nicht mehr zu hören bekam.

Der mit 800 Leuten volle Saal machte nun richtig Stimmung und die kam auch von der Band rüber. Gut, der Mainman war nicht der einzige, der ein wenig an seiner Optik hätte feilen müssen. Der ehemalige RAINBOW - und MALMSTEEN-Sänger Doogie White mimte den Altrocker, während Francis Bucholz für sein Alter sehr frisch wirkte. Vor allem der Haaransatz ist beneidenswert weit außen, die Frisur hat er aber bei Günther Netzer geklaut. Wo wir grad beim Fußball sind, Hermann Rarebell kam ein wenig rüber wie der nette Jugendtrainer von nebenan. Aber um noch weiter bei den Vergleichen zu bleiben, die beiden bildeten eine ausgezeichnete Hintermannschaft, die sicher wie eine Bank stand. Von der spielerischen Harmonie, sowie der Kommunikation merkte der Zuschauer, dass diese beiden schon hunderte Konzerte gemeinsam gezockt haben.

Der Frontmann, der seinerzeit als großes Talent gehandelt wurde, bewies, dass er davon nichts verloren hat. Mit seiner kraftvollen Stimme drückte er den Songs seinen Stempel auf, so dass das Sortiment aus drei Bands homogener wirkte. Dazu war er viel unterwegs, animierte die Zuschauer noch mehr und untermalte die Melodien mit theatralischen Gesten. Noch aktiver war Wayne Findlay, der die neue Power der MICHAEL SCHENKER GROUP zu genießen schien. Verrichtete er früher hinter den Keyboards seine Arbeit, lässt er nun an der Rhythmusgitarre den energischen Metaller raushängen. Mit seinen Locken und dem langen Kinnbart reichte er auch optisch an sein Idol Dimebag heran, von dem er ein ganzes Arsenal an Signature-Gitarren dabei hatte.

Selbst der Meister stand nicht nur wie früher auf einem Platz herum, sondern rotierte mit seinen Nebenleuten, ging auf sein Publikum ein und präsentierte seine Flying V in heroischen Posen. Doch nichts im Vergleich zu dem, was er seinem Instrument entlockte, denn das geht eigentlich nicht besser. Dieser unfassbar saubere,  leicht klassisch inspirierte Ton lässt ihn unter allen Gitarrenhexern der Welt heraus stechen. Selten paart sich so viel Gefühl mit brillanter Technik, das bescherte einem eine Gänsehaut nach der anderen. Alleine ihm bei seinem Spiel zuzusehen, wie er über die Saiten gleitet, ist ein Erlebnis. Vielleicht ist seine rechte Hand nicht mehr ganz so leichtfüßig wie früher, seinen traumhaft weichen Anschlag hat er immer noch.

Neben einem Song vom aktuellen Album gab es mit "Horizons" noch einen Vorgeschmack auf das kommende "Bridge The Gap"-Album. Der biegt ungewöhnlich hart und metallisch um die Ecke, hier demonstriert die Formation ihre neu gefundene Power. Endlich hat man wieder das Gefühl, dass da oben eine Band steht, die miteinander agiert, und nicht ein paar Mucker, die den Meister beim Runterzocken seiner Hits begleiten. Das Publikum und die Band steigerten sich gegenseitig in einen Rausch, bei den ganz großen Hits kam fast Stadion-Feeling auf.
Ob man die wirklich gebraucht hätte, weiß ich allerdings nicht so recht, denn die Titel der SCORPIONS, an denen MICHAEL SCHENKER nicht mitwirkte, umweht ein Hauch von Coverband. Allerdings ist es schön zu sehen, dass diese endlich ihre verdiente Anerkennung bekommen, vor 15 Jahren hatte die deutsche Vorzeigeband eine ganz andere Reputation. Ich persönlich hätte mir statt ein zwei Nummern von ihnen und auch von UFO doch lieber ein paar MSG-Lieder gewünscht. Überraschend tauchte zwar ein Beitrag von "Built To Destroy" in der Setlist auf, aber "Ready To Rock", "Cry For The Nations" und "On And On" habe ich doch vermisst.

Das war jedoch der einzige kleine Wermutstropfen unter einem Konzert, das ich so großartig nie erwartet hätte. An dem Abend hätten sie spielen können, was sie gewollt hätten, es wäre abgefeiert worden. Da die Tour ja auch unter dem "Lovedrive"-Motto stand war das absolut legitim, die Herren waren einfach an zu vielen geilen Songs beteiligt, als dass sie in 110 Minuten gepasst hätten. Zum obligatorischen Abschluss wurde gar noch das legendäre Instrumentalintro mitgesungen, bevor sich die  "Alte Seilerei" in eine kollektive Hüpfburg verwandelte. (Pfälzer)

Setlist MSG:
Lovedrive
Another Piece Of Meat
Assault Attack
Armed And Ready
Into The Arena
Rock My Nights Away
Attack Of The Mad Axeman
Horizons
Before The Devil Knows You´re Dead
Coast To Coast
Shoot Shoot
Let It Roll
Only You Can Rock Me
Too Hot To Handle
Lights Out
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Holiday
Rock You Like A Hurricane
Rock Bottom
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Blackout
Doctor Doctor

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Alle Photos von Pascal

Vielen Dank an Christian Lömmersdorf von Pro Vent

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