Bullet Tour 2012Was erwartet man von einem Abend, an dem jede vertretene Band an ihrem Merchandisestand ihr Album als LP anbietet? Nun ja, genau das, was man eben von BULLET, 77 und SCREAMER geboten bekommt. Klassischen Metal bzw. Hard Rock im Stile der NWOBHM, und wenn man dank der Verlegung in den kleinen Klub der Garage noch die Stichworte heiß, eng und familiär hinzufügt, trifft man den Nagel auf den Kopf! Dementsprechend zufrieden haben wohl alle Beteiligten den kleinen Klub verlassen, und BULLET haben sich erneut als super Live-Band etabliert. Doch beginnen wir von Anfang an.

SCREAMER
Gegen 19:45 Uhr starten SCREAMER mit ihrem Set, bisher hat die Band aus Schweden ein Album veröffentlicht, und das zweite ist bereits in der Mache. Was den Zuschauern geboten wird, kann sich sehen lassen, und somit kann die Band auch als Opener schon einige Fans in ihren Bann ziehen. Der Bandkopf, Sänger und Bassist Christoffer Svensson erinnert vom Aussehen her sehr an den jungen Blackie Lawless von W.A.S.P., hat aber trotz seines jungen Alters eine super Bühnenpräsenz, und man sieht der gesamten Band an, wieviel Energie sie auf der Bühne versprühen. Hier und da könnte noch etwas an der Performance gearbeitet werden, aber darum geht es letzten Endes eigentlich nicht, wichtig ist die Musik, und was SCREAMER da zu bieten haben ist wirklich super! Die Stimme ist durchweg so stark wie auf Platte. Mit „The Phoenix" stellt die Band noch einen neuen Song des kommenden Albums vor, dieser klingt sehr vielversprechend und lässt die Erwartungen steigen. „All Over Again" wird BULLET und 77 gewidmet, bevor gegen 20:15 die Band das Feld schon räumen muss. Ein starker Auftritt, schade nur, dass SCREAMER so wenig Zeit hatten, da wäre sicher noch mehr drin gewesen. Mit dem ersten Album werden sich nun aber sicher einige der Anwesenden beschäftigen.

live_20121005_03live_20121005_04

77
Nach einer Umbaupause von 15 Minuten starten die Spanier 77 in ihr AC/DC-lastiges Hard Rock Set. Nun wird der ein oder andere der Band sicher vorwerfen, dass es sich um eine AC/DC-Kopie handelt, doch man kann sagen was man will, live sollte man sich die Jungs auf jeden Fall anschauen! Selten habe ich eine Band gesehen, die so viel Spaß auf der Bühne hat. Der Sänger Armand Valeta erinnert mit seiner Stimme und Mimik sehr stark an Bon Scott, und der Gitarrist LG Valeta bewegt sich auf der Bühne ähnlich stark, wenn nicht sogar noch mehr als Angus Young zur Frühzeit bei AC/DC. Dabei werden ständig Mikroständer, Bierflaschen oder sogar Bühnenlampen abgeräumt, welche dann teilweise sogar vom Publikum wieder aufgestellt werden. Nachdem die Bar kurzzeitig als Laufsteg zweckentfremdet wird, reißt dem Gitarristen eine Saite an der Gitarre, wodurch eine kurze Wartezeit entsteht, welche aber professionell übergangen wird. Auch wenn in den folgenden Songs noch ein paar Mal nachgestimmt werden muss (was aber nur denen auffällt die genau hinschauen), reißt die Stimmung nicht ab. Die Temperatur im Raum wird stetig höher und höher getrieben, und sowohl die Songs als auch das einfache Zusehen macht Spaß und lässt einen alles um sich herum vergessen. Immer wieder wird das Publikum mit einbezogen, einmal sogar zu einer kleinen spanischen Mitsing-Einlage, welche auf einige sicherlich etwas befremdlich wirkt.

Der Band ist durch und durch anzumerken, dass sie sehr viel Spaß an ihrem Job hat, und dieser schlägt sich auch auf das Publikum nieder. So verwendet der Bassist z.B. hin und wieder seinen Rickenbacker Bass ähnlich wie Lemmy Kilmister von MOTÖRHEAD als Gewehr, und bei einem Song schießen sowohl LG Valeta und der coole Bassist Mr. Raw, welcher der Ruhepol der Band ist, ins Publikum. Ein sauberer und vor allem sehr energiegeladener Auftritt, den so schnell keiner vergessen wird. Einziger Kritikpunkt, der angebracht werden könnte, wäre dass die Band noch unter dem SCREAMER Banner gespielt hat, da das Backdrop nicht gewechselt wurde. Eventuell fühlten sich einige auch durch die teilweise recht ausufernden Solos genervt, doch wie würde Bon Scott mit Sicherheit dazu sagen? „That´s Show Business."

live_20121005_01live_20121005_02

BULLET
Nach einer weiteren kurzen Umbaupause samt Soundcheck starten die Helden des Abends BULLET gegen 21 Uhr direkt mit dem neuen Song „Midnight Oil". Dieser funktioniert als Opener hervorragend und zeigt, dass das neue Album bei den Fans gut ankommt. Der Rest der Setlist enthält Songs aller drei bisherigen Veröffentlichungen und stellt daher ein gutes Best-Of-Programm dar. Die drei neuen Songs reihen sich super zu den Klassikern ein und erzeugen keine Stimmungsabbrüche. Im Gegenteil, es ist sogar zu bemerken, dass wohl schon einige Fans im Besitz des neuen Albums „Full Pull" sind.

Die Band ist über das gesamte Konzert hin super drauf, und wie bereits bei den beiden Vorbands merkt man auch BULLET den Spaß an der Sache an. Die Stimmung steigt ins Unermessliche, und die Band sammelt durchgehend Sympathiepunkte. Ob nun Hell Hofer das Publikum durch gefährliche Blicke zum Mitsingen animiert oder Hampus Klang und Eric Almström zu einem weiteren Dual-Lead Solo in bester JUDAS PRIEST Manier anlegen. Die Band agiert durchweg spitze und verströmt eine Energie, die manch etablierten Größen sicher gut tun würde! Die Show wird noch mit kleineren Showelementen gewürzt, so hat Hell Hofer zu „Roadking" extra einen rotes Cape an, dessen Rückseite mit Roadking bestickt ist, eine etwas einfach gehaltene Requisite, die aber den gewünschten Effekt erzielt. Der Frontmann wirkt zudem durchgehend sehr sympathisch und hat ein wahnsinniges Talent, das Publikum zu animieren. Hampus Klang wagt es zudem mehrmals, seine Flying V Gitarre über die Köpfe des Publikums zu halten, was mich ein klein wenig an den bekannten Unfall von Kirk Hammet auf einem der ersten METALLICA Gigs erinnert. 

Auch die beiden Gitarristen und der Basser Adam Hector samt Drummer Gustav Hjortsjö strahlen eine unglaubliche Freude am Spiel aus und bieten eine super Performance. Kein Wunder, dass die Band fast überall gelobt wird, live ist sie wirklich unschlagbar und kann einigen größeren Bands mit Sicherheit das Wasser reichen. Leider wirkt das Set relativ kurz, was wohl daran liegt, dass ein wenig Zeitdruck herrscht, eventuell hätte das kurze Drum- und Gitarrensolo eingespart werden sollen, dafür wäre vielleicht ein Song mehr drin gewesen. Das Konzert wird mit „Bite The Bullet" beendet, bei dem sich Hampus, Eric und Adam in Position bringen, um gegen Ende die Rückseiten der Gitarren, welche jeweils mit "Bite", "The" und "Bullet" beschriftet sind, hoch zu halten. Dadurch endet dann ein grandioser Gig, bei dem sowohl BULLET als auch die Fans sehr viel Spaß hatten. Nachdem alle Fans der ersten Reihe mit Handschlag verabschiedet wurden, wird noch zur Aftershowparty geladen, und BULLET verlässt die Bühne. Eine Zugabe ist leider nicht mehr drin.

Insgesamt fällt auf, dass die Band fast vollständig auf übergroße Showelemente verzichten kann, da sie vor Energie nur so strotzt. Zudem beweist sie absolute Fannähe und bezieht das Publikum richtig mit ein, der durchweg grinsende Hampus Klang beweist nur um ein weiteres, mit welchem Elan die Band an Konzerte heran geht, und auch die Stimmung unter den Bandmitgliedern scheint zu stimmen.

Lediglich den VW-Bus, mit welchem BULLET früher unterwegs waren, ist hinter der Garage nicht zu finden, doch das wäre auch wirklich das Einzige, was es auszusetzen gibt. (Pascal)

Setlist Bullet:
Midnight Oil
Rush Hour
Full Pull
Turn It Up Loud
Pay The Price
Roadking
One Deal With The Devil
Stay Wild
Rolling Home
Highway Pirates
Back On The Road
Bite The Bullet

live_20121005_05live_20121005_06

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter
Anmelden

Neckbreaker präsentiert

Neckbreaker auf Facebook

nb recruiting 2015

nb forum 2015

nb gallery 2015