annihilator suicidesocietynb mehrfachwertungEigentlich sah es endlich mal nach einer Traumehe aus, nachdem sich Dave Padden so lange an der Seite von Jeff Waters halten konnte. Fünf Alben spielten die beiden zusammen ein, damit war Padden neben dem Mastermind die mit Abstand beständigste Personalie in der Geschichte von ANNIHILATOR. Neben dem Gesang übernahm er in den letzten Jahren auch die Rhythmusgitarre, wodurch man auf Tour einen Mann weniger bezahlen musste, in der heutigen Musiklandschaft mittlerweile ein mit einzurechnender Faktor. Doch genau von diesem Touren war der Mann müde, weswegen er Ende des letzten Jahres seinen Hut nahm. Wie so oft machte Waters aus der Not eine Tugend und übernahm den Gesang selbst, bis auf die von Mike Harshaw eingespielten Drums war er dieses Mal für alles zuständig. Seine bisherigen selbst eingesungenen Werke fielen sehr unterschiedlich aus, vom Klassiker "King Of The Kill" bis zum orientierungslosen "Remains", insofern konnte man auf "Suicide Society" gespannt sein.

Nach der doch sehr harten, fordernden "Feast" nimmt der Mann hier erst mal Tempo heraus, der titelgebende Opener beginnt sehr rockig und groovig mit teilweise fast poppigen Melodien. Ganz so lasch geht er dann doch nicht zu Werke, nach einem für ihn typischen abgedrehten Riff, nimmt der Song deutlich an Fahrt auf, ohne den Pop-Appeal von Beginn ganz los zu werden. Zwar gab es schon immer ruhige Momente auf ANNIHILATOR-Alben, auf dem Vorgänger mit "Perfect Angel Eyes" sogar eine reine Ballade, doch diese hier haben eine andere Qualität.

Schon zweimal wurden in der Vergangenheit mit solch anbiedernden Sounds experimentiert, mit unterschiedlichem Ergebnis. Während man bei "Set The World On Fire" noch ein wenig dem Zeitgeist hinterher zu hecheln versuchte, was auch gut gelang, empfanden viele Fans diese auf "All For You" als störend. Zumal der Markt heutzutage nach so etwas eigentlich nicht mehr fragt, mit Thrash Metal wird man außerhalb der Fanschichten nicht mehr so viel reißen können.
Gerade "Snap" verfügt über einen alles zermalmenden Groove im Grundriff, den Waters seit jeher beherrscht. Dieser funktioniert bei "Death Scent" gut, wo er durchgezogen wird, wollen bei erstgenannten die allzu offensichtlichen Melodien und die vom Bass dominierte Strophe nicht so richtig dazu passen. Auch "Creepin´Again" ist so ein Kandidat, bei dem die speedige Grundausrichtung nicht mit dem Refrain korrespondieren will, da gefällt "The One You Serve" doch besser, in welchem man konsequent im melodiösen Bereich, von Leadfills eingebettet, agiert.

Dabei können es die Kanadier besser, immer dann wenn sie ihre düsteren Soundscapes auspacken, wissen sie wie man ernst zu nehmende Kontraste einbringt. In "My Revenge" gelingt damit der ruhige Mittelpart ohne Reibungsverluste und weckt mit seinem sehr ursprünglichen Trashriffing Erinnerungen an die Frühphase. Mit einer ähnlichen Attitüde und ebenfalls interessanten Spielereien auf den sechs Saiten wartet "Narcotic Avenue" auf.
Die etwas kommerziellere Ausrichtung hat allerdings auch den positiven Nebeneffekt, dass der Sound noch einmal organischer ausfällt als bei "Feast". In der Vergangenheit gab es so einige Werke, welche mit einer arg distanzierten, kalten Produktion verschreckten. Dabei stand zu befürchten, dass bei einem weiteren Alleingang von Waters genau dies der Fall sein würde. An die Klasse eines "Set The World On Fire" kommt man aber auch hier nicht heran, dazu fehlen die ganz großen Songs was der rockige Rausschmeißer "Every Minute" noch einmal belegt. (Pfälzer)

 

Bewertung: 7 / 10


Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 45:16 min
Label: UDR Music
Veröffentlichungstermin: 18.09.2015

Wertung der Redaktion
Matthias Klaus Jochen Dennis Pascal Andreas Maik
7,5  6  5  -  7    6,5  7,5
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