Axel Rudi Pell - Mystica Seit dem ´98er Release „Oceans Of Time“ veröffentlicht Deutschlands blondester Saitenhexer im schönen Abstand von zwei Jahren regelmäßig weitere Studioalben – ab und an unterstützt von Live-, Best-Of-, oder Balladen-Alben. 2006 ist also das mittlerweile elfte „reguläre“ Album fällig. Mit „Mystica“ wieder kurz und knackig betitelt und wieder mit dem PELL-typischen düsteren Cover versehen – da auch die Bandzusammensetzung seit langem konstant geblieben ist, stellt sich die Frage, was die Herren Pell, Gioeli (Gesang) & Co. an Neuem präsentieren werden. Die Antwort lässt sich auf zwei Weisen formulieren: Zum Einen ließe sich ganz einfach und platt sagen: Nichts – aber das würde dem Material in keinster Weise gerecht, denn das („All-Star“ ) Quintett fährt nämlich zehn Songs hindurch genau DEN typischen PELL-Sound auf, mit dem Herr Pell bekannt geworden ist.
Daher lautet die Antwort auf die zweite Art: Mit „Mystica“ werden zehn neue qualitativ hervorragende Metal-Songs aufgetischt, die vor Energie nur so strotzen.

Ja, Pell & Co. erweitern ihr musikalisches Spektrum auch auf „Mystica“ nicht – im Gegenteil, man besinnt sich eben auf Bewährtes – und so gibt es den obligatorischen instrumentellen Opener („The Mysterious Return“), der nahtlos in das markant-eingängige flotte „Fly To The Moon“ übergeht, das ohne weiteres auch vom 2000er-Output „The Masquerade Ball“ stammen könnte. Auf ähnlich hohem Niveau geht es weiter – sei es mit dem Mörderriff bei „Rock The Nation“, das trotz seines gemäßigten Grundtempos mächtig Dampf macht – oder dem epischen (immerhin siebenminütigen) „Valley Of Sin“ , das durch die imposanten Gitarrensoli immer wieder auflebt.

Bei der ausgezeichneten Musikertruppe kann ja eigentlich auch nicht viel schief gehen – allein eine Größe wie Mike Terrana (u. a. RAGE) an den Drums ist an sich schon ein Garant für herausragendes Spiel – und wenn dann mal eine straighte Rocknummer wie „Living A Lie“ einzuknüppeln ist, wird der technisch überragende Mann eben zur hyperpräzisen (Double-Bass)-Maschine.

Neben der Gitarre ist das zweite große Aushängeschild der Band die Ausnahmestimme von Sänger Johnny Gioeli die sowohl den schnellen Nummern weiteren Drive verleiht als auch den balladeskeren Tracks ein unvergleichliches Charisma aufdrückt – hier sei „No Chance To Live“ durchaus als Höhepunkt des Albums genannt.

Sieben Minuten Spielzeit (siehe „Valley Of Sin“) und trotzdem keine Längen vorzuweisen ist für andere Bands schon eine Herausforderung – für PELL eine Kleinigkeit – der Titeltrack „Mystica“ ist mit achteinhalb Minuten schon eine kleine Rockoper für sich – und setzt sich mit einem mächtig fetten Riff so richtig im Ohr fest.
Dass es noch länger und dennoch äußerst abwechslungsreich und eingängig geht, zeigen die Musiker nach einem kurzen Instrumental-Track „Haunted Castle Serenade“ und der härtesten Nummer des Albums „Losing The Game“ mit dem immerhin zehn Minuten langen Epos „The Curse Of The Damned“. Der Track bleibt zwar weitestgehend in gemäßigten Geschwindigkeitsbereichen, zeigt von filigranen Gitarrensoli über gänsehauterzeugende Gesangspassagen bis zu Drumattacken alles, was einen guten Song so ausmachen kann.

„Mystica“ ist ein mehr als würdiger Nachfolger des bereits sehr guten „Kings And Queens“ und ich kann hier nur mein Statement von 2004 wiederholen: genauso muss eine CD von dem Mann klingen!

Anspieltipps: „No Chance To Live”, „Losing The Game”, „The Curse Of The Damned“

Note: 9,0 / 10

VÖ: 25.08.2006

Spielzeit: 58:07 min.
Titel: 10
Label: SPV / Steamhammer

(Naglagor)
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