rem_okladka_do_newsa.jpgMit ihrem dritten Album beenden die polnischen Progressiv-Aufsteiger RIVERSIDE ihre Trilogie, die von der Einsamkeit, der Suche nach dem eigenen Ich und dem entschwinden in andere Realitäten handelt. Auf der Tour als Gast von DREAM THEATER wurde bereits ein Song vorgestellt, nun ist der komplette Longplayer fertig. Damit hofft die Band natürlich den Schub von der Support-Reise mitzunehmen und weitere Hörerschichten zu erschließen. Wobei man bedenken muss, daß der Vierer schon mehr erreicht hat als er sich je zu denken wagte. Und nach all den Lobeshymnen von Fans und Presse auf die bisherigen Releases liegt die Messlatte dieses mal schon verdammt hoch.

Mit dem dritten Album sollte sich eine Band schon ihre eigene Nische geschaffen haben. Den Polen gelingt das problemlos, von den ersten Tönen an ist klar, um wen es sich da handelt. Alle Trademarks, die sie bisher ausgezeichnet haben sind wieder vorhanden.
Da wäre vor allem der hochemotionale, leicht gebrochene Gesang von Mariusz Duda, der gerne auch mal zu aggressiven, gegrunzten Ausbrüchen neigt. Leidenschaftlich lebt er sich durch die verschiedenen Emotionen Angst, Einsamkeit, Verzweiflung oder Depression, die RIVERSIDE überzeugend darbieten. Auch seine pulsierenden Basslinien treiben die Songs immer wieder voran.
Ebenso variabel ist das Gitarrenspiel von Pjotr Grudzinski. Der Mann beherrscht alle Facetten, von Death Metal-inspirierten Riffs über sphärische Sounds bis hin zu warmen Soli. Michal Lapaj malt mit seinen Tasten die Landschaften, in denen sich die beiden austoben können. Genauso wie Pjotr Kodzieradzki, dessen variantenreiches, akzentuiertes und Break-lastiges Schlagzeugspiel die Kompositionen perfekt unterstützt.

Selbstverständlich ist „Rapid Eye Movement" kein Abklatsch der beiden ersten Alben, denn schon die waren sehr unterschiedlich. Während sich „Out of Myself" eher am klassischen Art-Rock orientiert, schlägt „Second Life Syndrom" deutlich in die Prog Metal-Kerbe. Und der neue Dreher geht noch ein Stück weiter in der Entwicklung.
Zuerst fällt auf, dass die Nummern etwas straffer arrangiert als in der Vergangenheit, mehr auf den Punkt kommen. Das lässt in den oft langen Songs wiederum mehr Platz für Spielereien, was die gewonnene Eingängigkeit gleich wieder ratifiziert.

Eine Neuerung ist auch die Einteilung der Scheibe in zwei Hälften. Der erste Part , „Fearless" genannt, kommt mit den wesentlich härteren Liedern daher, baut auf verschachtelte Riffs, die teilweise so richtig krachen. Der zweite Abschnitt „Fearland" beinhaltet die ruhigere Seite der Band, verfügt über ein paar alternativ rockende Anleihen. Auch großartige Melodiebögen kennzeichnen die Titel. Ebenfalls sind hier auch mehr akustische Gitarren am Start als bisher gewohnt.
Los geht es mit „Beyond the Eyelids" das mit atmosphärischen unartikulierten Gesangslinien startet, bevor sich die Riffs mit der wabernden Orgel duellieren. Das ganze mündet in einen schönen getragenen Refrain. An den Keyboardsounds erkennt man schon die Veränderung im Klangkosmos von RIVERSIDE, sie wirken sehr psychedelisch, verspielt. Und im folgenden, recht knackigen „Rainbow Box" sowie im abschließenden Longtrack „Ultimate Trip" sind ein paar Vocals zu vernehmen, die eindeutig den Geist der Sixties atmen.
Auch die akustischen Passagen der „Fearland"-Songs haben starke psychedelische Einschläge, die tief in der damaligen Zeit wurzeln. Wer weiterhin Querverweise zu PINK FLOYD sucht wird sie nur in der Prä-„Dark Sides.."-Ära finden. Fans von Keyboard-Flächen müssen nicht ganz verzichten, werden natürlich auch weiterhin bedient. Denn in „Parasomnia" und „Cybernetic Pillow" tauchen sie endlos weit auf, öffnen sich zum Ende hin in gefühlvolle Gitarrensoli.

Und RIVERSIDE wären keine progressive Band, wenn sie es nicht verstünden fremde Einflüsse in ihr Klangspektrum einzubauen. So ertönt „Schizophrenic Prayer" in leicht orientalischem Touch, während „Embryonic" eindeutig vom Folk inspiriert ist. Das führt ebenfalls dazu, dass der neue Longplayer den bisher eigenständigsten ihrer Karriere darstellt.
Produziert wurde „Rapid Eye Movement" vom gleichen Team wie die beiden ersten Alben. War der Sound auf dem direkten Vorgänger schon druckvoll, so konnte man ihn jetzt noch klarer und differenzierter gestalten. Und spieltechnisch bewegen sich die Vier immer mehr in Richtung Perfektion, mit einer unglaublichen Leichtigkeit verweben sie die ganzen Elemente geschickt miteinander. Die komplexen und versponnenen Arrangements meistern sie mühelos und wirken ausgesprochen homogen.

Mit Sicherheit ist es aber kein Stück Musik, dass man so nebenbei hören kann, das würde dem Werk auch nicht gerecht werden. Man muss sich die Zeit nehmen, um einzutauchen in diese tiefe Atmosphäre. Dann eröffnet sich einem die ganze, zauberhafte Welt von RIVERSIDE und zieht einen in ihren Bann. Die ganzen Emotionen dieser fiktiven Person, die sich immer mehr von dieser Welt abschottet, sind förmlich zu spüren.
Warum ich hier keine höhere Bewertung loswerde, liegt daran, dass ich noch Luft nach oben brauche, da ich mir in Zukunft noch mehr von dieser Formation erwarte. Nach Beendigung der Trilogie können sie wieder unbeschwert ohne konzeptionelle Zwänge komponieren. Diese neue Freiheit könnte sich auch auf die Wahl des Produzenten auswirken. Jemand, der extern zu der Band stößt könnte vielleicht noch weiteres Potential entdecken, dass dem eingespielten Team bisher verborgen geblieben ist. Damit könnten die Polen ein neues qualitatives Level erreichen, obwohl es hier schon kaum was zu verbessern gibt.
Doch bis dahin zieht noch viel Zeit ins Land und die sollte man mit dem Genuss von „Rapid Eye Movement" nutzen. Eine Band, von der noch zu hören sein wird! (MetalPfälzer)


Bewertung: 9 / 10

Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 55:38 min
Label: Inside Out
Veröffentlichungstermin: 28.09.2007

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