icedearth flyerDie US-Metalinstitution ist wieder da, nach zwei Alben mit dem neuen Sänger Stu Block, die endlich wieder an die alten Kracher anknüpfen, hat ICED EARTH wieder Boden gut gemacht. Dabei sah es in den letzten Jahren gar nicht rosig aus für sie, der erste Abgang des früheren Frontmannes Matt Barlow konnte mit „Ripper" Owens nicht ganz kompensiert werden, auch wenn „The Glorious Burden" noch stark ausfiel. Doch mit dem Doppelwerk „Framing Armageddon" verlor Mainman Jon Schaffer den Faden, zu überfrachtet waren die Alben. Selbst die zeitweilige Rückkehr von Barlow konnte den zweiten Teil nicht retten. Umso erfreulicher, dass man dessen endgültiges Aus so gut weg steckte. Doch seit dem letzten Dreher „Dystopia" hat sich das Besetzungskarussell auch wieder gedreht, wie wirkt sich das auf die Livesituation aus? Der Tourauftakt in Saarbrücken, bei dem sie von ELM STREET und WARBRINGER begleitet wurden, sollte Aufschluss geben.

ELM STREET
Als erstes erklommen die Australier die Bühne und sahen sich noch eher lichten Reihen gegenüber. Auch die Abordnung von NECKBREAKER verpasste den Auftakt. Und es waren in der Tat noch viele draußen vor der Tür oder im Foyer, also hatte der Vierer keine leichte Aufgabe. An mangelndem Engagement konnte es nicht gelegen haben, die die Stimmung bei unserem Eintreffen sehr verhalten war. Vor allem Sänger und Gitarrist Ben Batres feuerte das Publikum immer wieder an und pries den Heavy Metal an wie eine Religion.
Dass dies wohl für die Band gilt, war deutlich zu hören, vieles erinnerte sich an die große Zeit des Genres. Leider fehlte nicht nur die Eingängigkeit des beim größten Teil des Publikums unbekannten Material, sondern auch die Power. Irgendwie zündete da nichts, die Lieder ihres Debüts „Barbed Wire Metal" wie das Titelstück oder „One Year On The Street" wirkten ziemlich konstruiert. Das fehlte einfach der Druck nach vorne, auch wenn die Truppe einen ordentlichen Sound hatte.

Auch die Musiker ließen einiges vermissen, so war die Bewegung bei der Saitenfraktion doch sehr eingeschränkt. Eher unsicher blickte man auf die Instrumente und gab sich während der Songs wenig kommunikativ. Klar brüllte Batres bei seinen Ansagen zum Alarm, doch das wirkte fast übertrieben. Musikalisch war das gekonnt in Szene gesetzt, aber eben auch, weil sich ELM STREET voll auf ihr Spiel konzentrierten. Der Einzige, der etwas Action auf die Bretter brachte war ausgerechnet Drummer Tomislav Perkovic, der gerne seine Matte analog zu seinen Stöcken schwang. So war es nicht verwunderlich, dass der Auftritt in der sich zunehmend füllenden Halle völlig verpuffte.

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WARBRINGER
Eine ganz andere Hausnummer in Sachen Bühnenpräsentation waren die Jungs aus Los Angeles. Quasi schon von der Heimat des Thrash kommend gaben WARBRINGER von Beginn an mächtig Gas. Die Motivation zeigte sich schon alleine bei Sänger John Kevill, der sofort ganz vorne an die Rampe kam und noch vor dem ersten Song einen Circle Pit verlangte. Der Mann war auch im Laufe der etwa 40 Minuten ständig unterwegs und feuerte das Publikum unentwegt an.
Das hatte natürlich leichteres Spiel, da nicht wenige darunter mit den Songs der Band vertraut waren. Und so ging dann nicht nur auf den Brettern einiges, die ersten Haarrotoren wurden angeworfen und Fäuste geschwenkt. Interessant war auch, dass die älteren Stücke wie "Severed By Reality" oder "Total War" besser ankamen als Nummern des aktuellen "IV: Empires Collapse". Ob es daran lag, das die noch nicht bei jedem angekommen sind, oder ob "Iron City" und "Towers Of The Serpent" sich etwas von der reinen Thrashlehre entfernen, vermag ich nicht zu sagen.

Rein musikalisch tut es WARBRINGER gut, dass sie sich etwas von ihren Wurzeln entfernen, denn die früheren Songs zeugen nicht gerade von hoher Eigenständigkeit. So manches kam einem doch von großen Bands des Genres sattsam vertraut vor, teilweise war das schon nahe am Plagiat. Auch der Headliner des Abends hat bei manchen Riffstrukturen seine Spuren hinterlassen, ebenso wie IRON MAIDEN bei den Gitarrenharmonien. Man muss Adam Caroll und John Laux aber zugute halten, dass sie diese sehr gekonnt rüberbrachten. Überhaupt haute einem der Fünfer die Thrashkeule tight um die Ohren. Leider hielt der etwas leise Sound nicht mit, vor allem die Gitarren hätten präsenter sein können. Den Zuschauern machte die Sache nicht viel aus, die feierten die Combo für einen Support schon gut ab.

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ICED EARTH
So gut vorgeheizt fiel es dem Publikum nicht schwer ins Set zu kommen, die Stimmung war direkt gut, auch wenn die Show etwas zäh losging. Wie schon auf Platte ist der Titelsong des aktuellen Albums nicht der ideale Einstieg, da er nicht so direkt nach vorne geht wie das andere Material. Da wäre die zweite Nummer im Set schon besser geeignet gewesen und natürlich der folgende erste große Klassiker des Programms. Der sorgte auch bei den letzten dafür, dass der Knoten platzte. Die Band war indes von Beginn an spieltechnisch gut aufgelegt und brachte die vielen Riffkanonaden sehr kompakt und kraftvoll rüber.

Vor allem Troy Seele schien sehr viel Spaß an seinen Soli zu haben und legte sich mächtig ins Zeug. Chef im Ring war natürlich der gute Stu Block, der die Menge auch ohne viel Anfeuerungsspielchen stets im Griff hatte. Ständig turnte er am vorderen Bühnerand herum und lebte vor allem von seiner Präsenz. Auch stimmlich war der Mann gut aufgelegt, selbst die hohen Schreie gelangen ihm, ohne sie allzu sehr zum Selbstzweck verkommen zu lassen wie der ein oder andere Vorgänger. Überhaupt hat er ein sehr variables Organ, was bei den vielschichtigen Gesangslinien immer von Vorteil ist. Bei vielen Chören in den Refrains wurde er von Bassist Luke Appleton, dem zweiten Aktivposten auf der Bühne unterstützt.

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Auch wenn das gesamte Erscheinungsbild auf den ersten Blick sehr geschlossen wirkte, so ganz als Mannschaft präsentierten sich ICED EARTH nicht. Da kann auch der scheinbar kollektive Bartwuchs nicht darüber hinweg täuschen, dass die Kommunikation unter den Fünf kaum stattfand. Speziell der Bandboss stand nur stoisch am linken Bühnenrand herum, zockte zumeist auf seiner Les Paul herum, schaute desöfteren zur Seite zu seinen Kollegen, ansonsten waren da keine Bewegungen zu sehen.
Ob es daran lag, dass es das erste Konzert der Tour war oder daran, dass sein Kabelsklave Urlaub hatte, lässt sich nicht sagen. Da bin ich doch schon anders von der Combo gewohnt, vor allem bei meinem ersten Konzert auf der „Dark Saga"-Tour. Doch dieses Bandfeeling wird man bei der großen Fluktuation wohl nie mehr hinbekommen. So lange man nicht derart die Motivation daheim vergisst wie 2004 beim „Bang Your Head", ist das alles noch im Rahmen.

Dem Publikum indes war es egal, es feierte die Band auch so mit einem Meer von gereckten Fäusten ab. Dabei machte es die Setlist den Fans nicht gerade einfach, immerhin sieben Titel von der neuen Scheibe standen da drauf. Doch diese fügen sich deutlich besser ein, als man es nach dem Album erwarten durfte und fielen gegenüber den Hits kaum ab. Das war kürzlich bei CHILDREN OF BODOM etwa doch gravierender. Die Titel schienen vielen schon bekannt, obwohl „Plagues Of Babylon" erst seit sechs Tagen erhältlich war, Streamingdienste machen es möglich.
Natürlich waren es die Stücke von „Something Wicked This Way Comes" und „The Dark Saga", welche am meisten abgefeiert wurden. Von der restlichen Discographie fand höchstens eines pro Scheibe ihren Weg ins Set. Ganz vernachlässigt wurden die ersten drei Scheiben, von denen es lediglich die Bandhymne als obligatorischen Rausschmeißer gab. Aber es ist natürlich legitim, dass man das aktuelle Album bewerben will und die Musiker schienen gerade an diesen Titeln Spaß zu haben.
Der Stimmung tat das wenig Abbruch, auch wenn bei einer Greatest Hits-Programm noch ein wenig mehr Feuer unterm Dach gewesen wäre. Interessant auch, dass man einige Standards der Klassikerscheiben weg ließ und dafür weniger bekannten Songs den Vorzug gab. Das wurde von den meisten wohlwollend aufgenommen, da viele Anhänger Lieder serviert bekamen, die länger nicht mehr auf der Speisekarte standen.

Beim Sound musste man trotz deftiger Lautstärke ein paar Abstriche hinnehmen. Das kam zwar alles druckvoll und differenziert aus den Boxen, doch wie schon bei WARBRINGER gingen die Gitarren ein wenig unter. Das Hitfeuerwerk gegen Ende machte dann nach 95 Minuten endgültig den Deckel auf eine starke Show, welche der Band helfen wird, sich wieder verstärkt auf die metallische Landkarte zu bringen. Vor allem die Killerballade in der Zugabe konnte wieder alles und sorgte für den größten Publikumschor. Immer noch ein Hammersong, welcher gegen Ende der Neunziger, der in dieser Dekade fast verpönten Disziplin das knallige Arrangement zurück gab. Mit ICED EARTH ist also weiterhin zu rechnen, hoffentlich bleibt jetzt mal das Line-Up stabil. (Pfälzer)

Setlist ICED EARTH:
Plagues Of Babylon
Democide
Dark Saga
If I Could See You
Disciples Of The Lie
Jekyll & Hyde
Among The Living Dead
Blessed Are You
Red Baron/Blue Max
Peacemaker
Vengeance Is Mine
Cthulhu
My Own Savior
The End?
A Question Of Heaven
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Dystopia
Watching Over Me
Iced Earth

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