intothedarknessfestVor grauer Urzeit, als die extreme Szene ihre erste Metamorphose hatte, gab es mal die "Out Of The Dark"-Festivalreihe, die auch in Saarbrücken Station machte. Mittlerweile hat sich auch der Begriff Darkmetal sehr gewandelt, denn der damalige Gothicmetal glitt doch immer mehr in die Female-Fronted-Kategorie ab. So genau lässt sich das auch heute nicht beziffern, denn unter dem Tournamen "Into Darkness" sind fünf sehr verschiedene Bands zusammengefasst. Das zeigt einerseits die stilistische Weiterentwicklung, lässt aber andererseits nur eine geringe Zielgruppe finden, die mit jeder an dem Abend gebotenen Combos etwas anfangen kann. Eigentlich sollten vor allem die beiden Headliner aber stark genug sein, genügend Leute in die Garage zu ziehen. Vor allem MOONSPELL, die damals auf dem zweiten "Out Of The Dark" ihre Deutschlandpremiere feierten.

SCARS OF THE SUN
Doch als die Griechen zu früher Stunde auf die Bühne mussten, herrschte gähnende Leere im ohnehin verkleinerten Rund. Der Zustand sollte sich zwar im Laufe des Abends bessern, doch voll sieht anders aus; keine Ahnung warum die Zusammenstellung hier so wenig zog. Eine Erklärung könnte sein, dass es viele saarländische Metalheads vorzogen, sich einen Großteil des Billings auf dem Metalfest anzuschauen, anstatt vor der eigenen Haustür.

SCARS OF THE SUN ließ dieser seltsame Kult eher kalt, sie sind eher im Okkulten beheimatet. Genau so kalt war leider auch die Begrüßung durch das Publikum, nur vereinzelt war etwas Applaus zu vernehmen. Dabei ließ sich ihr Gothicdoom gar nicht so schlecht an und passte sich hervorragend an das Motto des Abends an. Angesichts der Tatsache, dass nur wenige mit dem Material der Band vertraut gewesen sind, waren Lieder ihres Debüts "A Series Of Unfortunate Concurrencies" wie "Swansongs Of Senses" oder "Gravity" doch zu schwermütig, um wirklich Stimmung aufkommen zu lassen.
Dazu wirkte das Auftreten der Truppe noch ein wenig unsicher und steif. Klar, es ist keine Mucke um groß aus sich raus zu gehen, aber die mangelnde Erfahrung der Jungs machte sich schon bemerkbar. Technisch gab es wenig auszusetzen, vor allem stimmte in der Garage mal der Sound von Anfang an und spielerisch zeigten sie sich als Einheit. Lediglich Sänger Terry Nikas knödelte ein wenig zu sehr rum, und hauchte den getragenen Passagen nicht genug Erhabenheit ein. So blieb am Ende nicht mehr als Höflichkeitsapplaus übrig, auch wenn die Darbietung schon zu gefallen wusste.

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LAKE OF TEARS
Die vier Herren sind schon lange im Geschäft dabei und waren zu Zeiten der ersten großen Darkmetal-Bewegung Mitte der Neunziger schon ein Hoffnungsträger. Warum es bei den Schweden nie für den entscheidenden Durchbruch reichte, kann niemand so genau sagen. Vielleicht war es ein Problem, dass man die immense stilistische Bandbreite nicht ganz unter einen Hut bekam. Meist ist das Ganze im ziemlich siebziger-lastigen Doomrock angesiedelt, doch auch klassischer Gotenstoff wie MY DYING BRIDE oder die rockigeren SENTENCED scheinen bei ein paar Songs durch.

Auch optisch präsentierte man sich nicht gerade homogen, Gitarrist Magnus Sahlgren könnte getrost als Fahrer des Equipmenttrucks durchgehen. Aber vom Auftreten her, war das schon eine andere Hausnummer, vor allem Frontmann Daniel Brennare präsentierte sich selbstbewusst. Er pendelte ständig zwischen seinen Mitstreitern und dem Mikro, in das er seine kraftvollen Vocals schmetterte, hin und her.
Auch LAKE OF TEARS profitierten von dem recht guten Sound, der die tiefen, schweren Riffs gut zur Geltung brachte. So dauerte es nicht lange, bis endlich die ersten Matten geschüttelt wurden, und so etwas wie Stimmung aufkam. Bei der Ankündigung von "Boogie Bubble" gab es lauten Jubel, bevor das Quartett losbretterte. Aber auch die anderen Songs wie "Raven Land" oder "Demon You/Lily Anne" konnten überzeugen und fanden den Weg zu den Fans, die leider immer noch sehr dünn standen.

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SWALLOW THE SUN
Wie man Tristesse richtig und mit Hingabe zelebriert, das demonstrierten im Anschluss die Finnen in diesem internationalen Billing. In dunkles Licht getaucht schlichen die fünf Musiker ohne Sänger auf die Bühne und legten im schleppenden Tempo los. Der Aktionsradius beschränkte sich zwar bei allen den ganzen Gig über auf die Größe einer LP-Hülle, doch hier passte es wenigstens. Die Jungs schauten stets grimmig drein, warfen sich in die Emotionen der Songs und bangten im Slo-Mo-Takt ihrer Songs. Alle bis auf Drummer Kai Hahto standen am vorderen Rand, sogar Keyboarder Aleksi Munter, der sein Spielgerät sehr tief aufgebaut hatte.

Als dann Mikko Kotomäki auftauchte, brachte er mit seinem roten Gürtel und einem ebensolchen TYPE O NEGATIVE-Shirt die einzige Farbe des Auftritts ins Spiel. Ansonsten herrschte die Motto gebende Düsternis, auch im Gesicht des Frontmanns. Mit starkem Bartwuchs und der Kappe tief ins Gesicht gezogen, waren weder Konturen noch Mimik von ihm zu erkennen. Doch das war nicht nötig, der Mann fesselte mit seinen Emotionen, die er den Songs einhauchte.
Und die wussten trotz der Länge zu gefallen, oft getragen, brachten SWALLOW THE SUN dieses Epische sehr gut rüber. Egal ob mit klarer Stimme oder auch mal derben Grunts, Kotomäki zog die Hörer bei Liedern wie "Emerald Forest And The Blackbird" oder "Labyrinth Of London" in den Bann. Seine Nebenleute unterstrichen mit ihrer langsamen, aber sehr leidenschaftlichen Darbietung diese majestätische Stimmung. Das wusste auch das Publikum zu würdigen und spendete ordentlich Beifall.
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MOONSPELL
Nun war es aber an der Zeit, um die Leute in der Bude mal richtig ins Schwitzen zu bringen. Dazu waren die Portugiesen sicherlich einer der bestmöglichen Garanten, zumal sie mit "Alpha Noir" ein recht forderndes neues Werk im Gepäck hatten. Von dem gab es auch gleich den Opener und den Titelsong, was die Hörner in der Garage ein erstes Mal richtig in die Höhe gehen ließ. Beide Titel animieren ideal dazu, endlich mal so richtig das Haupthaar zu schwenken und steil zu gehen.
Das taten auch die Fünf auf der Bühne, Fernando Ribeiro versteckte sich beim ersten Song noch unter einem Helm und gab dann den charismatischen Frontmann. Das Gitarrenduo Ricardo Amorim und Pedro Paixao war viel unterwegs und wusste die weiblichen Fans auch optisch zu begeistern. Passend zu der von der Truppe immer wieder verwendeten Blutsauger-Thematik, erinnert Paixao gerne mal an Antonio Banderas in "Interview mit einem Vampir". Dazu schaffte er den Spagat zwischen der Sechssaitigen und seinen schwenkbaren Keyboards sehr gut.

Das Spiel von MOONSPELL erwies sich als das druckvollste und am besten harmonierende des Abends. Dazu hatte man jede Menge Klassiker der ersten beiden Alben im Programm, was immer wieder für Jubelstürme sorgte. Leider fielen da Songs von den Scheiben dazwischen unter den Tisch, da man sich auf diese drei Alben konzentrierte. Laut Vorabinfo des Veranstalters hätten sie sogar noch zehn Minuten  mehr Spielzeit gehabt, was aber der einzige Wermutstropfen bleiben sollte. Da hätte man vielleicht noch "From Lowering Skies", "At Tragic Heights" oder "Magdalene" bringen können. Den meisten war es egal, da alle Hits, welche die Band bekannt gemacht haben am Start waren. So wurden sie beim epischen Ende zu Recht abgefeiert.

Setlist MOONSPELL:
Axis Mundi
Alpha Noir
Opium
Awake
Wolfshade (A Werewolf Masquerade)

Lickanthrope
Em Nome Do Medo
Vampiria
Alma Mater
Full Moon Madness

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PAIN
Somit hatten es die zweiten Schweden des Abends schwer, da noch einen drauf zu setzen. Für mich persönlich waren die Co-Headliner eindeutig die Stars des Abends. Doch die meiste Stimmung verbreitete sicherlich das Elektrometal-Vehikel des Herren der Augenringe. Dieser kam in einer Zwangsjacke auf die Bühne, welcher er sich den ganzen Abend nicht entledigte. Dass der Vierer so abgefeiert wurde, lag vor allem an dem noch größeren Hit-Aufgebot, das auch nicht ganz so lange zurück liegt wie das von MOONSPELL. Mit "Same Old Song" ging es direkt in die Vollen, wo vorher noch wild gebangt wurde herrschte jetzt Hüpfalarm.

Während sich Peter Tägtgren auf seinen Job am Mikro konzentrierte, spazierten der zweite Gitarrist Michael Bohlin und Basser Johan Husgafvel viel auf den Brettern herum. Platz genug hatten sie ja, denn bei den beiden Hauptbands war kein zweites Schlagzeug mehr auf der Bühne, was die Performance einfacher gestaltete. Viel zu tun hatte der Frontmann an seiner Axt eh nicht, meistens baumelte sie nur um seinen Hals. Dafür kam die ganze Zeit über die Elektronik aus der Konserve, aber daran hat man sich heutigen Tags schon gewöhnt. Bis auf SWALLOW THE SUN nutzten alle Bands an diesem Abend Einspielungen.

Der guten Stimmung tat das indes keinen Abbruch, die Meute feierte alles ab, aber PAIN machen ja auch recht partytauglichen Metal. So wurden alte Hits wie "End Of The Line" ebenso mitgesungen wie "Dirty Woman" und "The Great Pretender", jene Stücke, die vom neuen Album gezockt wurden. Im Publikum war es nun recht kuschelig, obwohl die Halle von voll weit entfernt war. Aber es war endlich Bewegung in den Reihen zu vernehmen, und am Ende ging es bei den Smashern "On And On" und "Shut Your Mouth" richtig ab. (Pfälzer)

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