interviews gotthard 2014090503Den leider nötigen Umbruch scheinen GOTTHARD gut überstanden zu haben, denn auch das zweite Album wurde allgemein gut aufgenommen. In der Hard´n´Heavy-Szene wird ein Sängerwechsel oft kritisch beäugt, doch die Fans der Schweizer standen nach dem viel zu frühen Tod von Steve Lee hinter ihnen. Bei „Bang!" gab es auch einige Neuerungen, welche sich aber nicht negativ auf die Scheibe ausgewirkt haben. Im Zuge der Veröffentlichung sprach NECKBREAKER mit Bassist Marc Lynn. Gerade er hat ja besonders an dem Verlust des Frontmanns zu leiden, war er doch bei dem Unfall vor Ort.

Pfälzer: Hallo Marc, hier ist Rainer Petry vom deutschen NECKBREAKER-Magazin. Zuerst einmal will ich Dir danken, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Kommen wir direkt zum neuen Album, dass ihr gerade im Kasten habt. Wie fühlst Du Dich nach dem vergangen Produktionsprozess?

Marc Lynn: Ich fühle mich sehr gut. Die Produktion lief erstaunlich locker und das Resultat erfreut uns alle. Es wurde ein klasse Album, farbig, verspielt und dennoch mit dem typischen GOTTHARD-Touch.

Pfälzer: Welche Erwartungen habt ihr an das Album?

Marc Lynn: Dieses Album ist für uns wichtig um der Welt zu zeigen, dass Nic in der Band definitiv angekommen ist und die Ideen der Band in Punkto Kreativität noch lange nicht ausgeschöpft sind. Man kann außerdem fühlen, dass GOTTHARD wieder als einheitliche Band da steht. Das wiederspiegelt sich in den Songs und in der Frische, die auf „Bang!" zu hören ist.

Pfälzer: Auf „Firebirth" hattet ihr einen reduzierten, ein wenig retromäßigen Sound, nun seid ihr für „Bang!" ein Stück weit zu dem voluminöseren und geschliffenen Klang von „Domino Effect" oder „Need To Believe" zurück gekehrt. War das eine bewusste Entscheidung?

Marc Lynn: Ja, „Firebirth" war wichtig als Startschuss für Nic. Es war wichtig seine Stimme zu präsentieren und wenn man schon einen Neubeginn wagt, muss man auch etwas riskieren. So klang das Album sehr Roh und direkt.
Bei „Bang!" hingegen war es uns wichtig den Sound zu vereinen und die vielen neuen Einflüsse richtig als ein Ganzes klingen zu lassen, deshalb ist der Sound mehr kompakt. Bei „Firebirth" haben wir gelernt, dass es sich auszeichnet den Mut zum Neubeginn zu haben und etwas zu riskieren, was jetzt auch bei „Bang!" eingeflossen ist und sich in diversen Songs wiederspiegelt.

Pfälzer: Mit Ronald Prent und Charlie Bauernfeind habt ihr mit zwei Produzenten zusammen gearbeitet, die schon früher für Euch tätig waren. Dazu habt ihr mit dem Wiseloord einen der bekanntesten Soundtempel Europas frequentiert. Was hat die Band dazu bewogen?

Marc Lynn: Mit Charlie haben wir eine neue Erfahrung als Co-Produzent gemacht. Er hat für uns zwar schon Albums gemischt aber eine Produktion haben wir bisher zusammen nicht gemacht. Dennoch haben wir nach ein paar Vorproduktionstagen mit ihm ein tolles Gefühl gehabt, dass er der Mann für diese Album sein soll. Charlie hat neue Ideen bezüglich Groove und Instrumentalisierung eingebracht und es ist sehr angenehm mit ihm zu arbeiten.
Ronald hat das Album gemischt. Wir kennen ihn seit Jahren und er hat schon einige Alben mit uns gemacht. Wir wussten, dass er der Richtige ist um uns den Sound zu geben, den wir benötigen. Natürlich passierte das immer in Zusammenarbeit mit Leo Leoni, der wie bei jedem unserer Alben als zweiter Produzent tätig war.

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Pfälzer: Vor allem beim abschließenden „Thank You" sind Orchesterklänge zu hören. Sind die mit dem Synthesizer eingespielt oder einem richtigen Orchester und wenn ja, von welchem?

Marc Lynn: Alle Orchesterklänge sind von Hand und mit Samples eingespielt. Für jedes der einzelnen Instrumente wurde eine ein Partitur und die dazugehörenden Noten geschrieben.

Pfälzer: Auf vielen Titeln sind auch Keyboards, vor allem die gute alte Hammond-Orgel zu hören. Wer hat die eingespielt? Nicoló Fragile, der vor ein paar Jahren auch mit Euch getourt ist, scheint nicht mehr mit von der Partie zu sein. Und wird Euch auf Tour auch ein Mann an den Tasten begleiten?

Marc Lynn: Fast alle Hammond Parts hat Nicoló Fragile eingespielt, was man auf dem Album bei den Thank You-Liste nachlesen kann. Nicoló ist mit uns nicht mehr auf Tour, da er in seinem Studio und als Produzent zu viel zu tun hat. Mit auf Tournee ist Ernesto Ghezzi, der uns schon auf der letzten Tour begleitete. Die beiden sind gute Freunde und helfen sich gegenseitig seit Jahren aus. Kann der eine nicht, kommt der andere.

Pfälzer: Euer letztes Album markierte ja einen gewaltigen Einschnitt in die Karriere von GOTTHARD. Es war das erste Werk ohne Sänger und Gründungsmitglied Steve Lee. Wie beurteilt ihr die Leistung von Nic Maeder nach einem Album und einer Tour.

Marc Lynn: Sicher war es für Nic sehr schwer diese Bürde zu übernehmen. Steve hatte zwanzig Jahre Vorsprung und wir waren ein eingespieltes Team. Dagegen ist Nic noch etwas unerfahren und muss sich vor tausenden von Fans jeden Abend bestätigen. Das war ein hartes Jahr für Nic, der aber dennoch den Mut nicht verloren hat und dem Druck standhielt. Das schöne waren unsere Fans, die Nic unterstützten, Willkommen hießen und ihn regelrecht ins Herz schlossen.
Das machte alles ein wenig einfacher für Nic und jeden Abend auf der Bühne konnte er Erfolge verbuchen und das stärkt einem sehr. Sicher gibt es noch einiges zu verbessern und zu lernen, dennoch kann ich Nic nur hoch loben. Ich weiß nicht ob ich das selbst so gut wie er geschafft hätte. In diesen zwei Jahren auf Tournee sind wir uns auch viel näher gekommen und haben auch Nics Stärken entdeckt, die wir im neuen Album haben einfließen lassen. Nic hat zum Beispiel eine klare, kräftige und tiefe Stimme, die wir uns bei gewissen Songs zu Nutze gemacht haben.

Pfälzer: Wie wurde Nic von Fan-Seite aus angenommen? Gab es auch negative Reaktionen?

Marc Lynn: Nic wurde super von den Fans aufgenommen. Klar war bei den Konzerten in den ersten Minuten ein Abwarten von den Fans zu spüren aber nach ein paar Songs war das Eis geschmolzen und die Party konnte jeden Abend steigen.
Es werden immer ein paar wenige Fans nicht damit zurechtkommen, dass wir weitergemacht haben. Uns ist das aber egal, da es nicht unser Verschulden ist, was passiert ist, wir aber einfach miteinander Musik machen möchten. Das ist auch eine kleine Minderheit, die nicht auf die Qualität schaut, sondern sich mit Steve platonisch für immer vereint haben. Das ist wie bei AC/DC und das wird auch so bleiben. Damit werden und können wir leben.

Pfälzer: Inwieweit hat sich Nic in das Songwriting und die Produktion von „Bang!" einbringen können?

Marc Lynn: Nic hat sich schon beim ersten Album sehr stark ins Songwriting eingebunden und bei diesem Album erneut. Er hat alle Texte geschrieben und war bei allen Songs mit dabei. Das muss so sein, denn nur ein gutes Team kann ein gutes Album schreiben.

Pfälzer: Bei meinem letzten Interview mit GOTTHARD erzählte mir Freddy Scherer, dass ihr Euch vor allem auf dem südeuropäischen Markt neue Fanschichten erarbeiten könnt. Wo steht die Formation heute in den Märkten und wo sind derzeit Eure Hauptfanbastionen?interviews gotthard 2014090501

Marc Lynn: Wir haben super Reaktionen auf das neue Album was uns sicher überall wieder einen Schritt Richtung Vorne bringen wird. Unsere Hauptfanbase ist in der Schweiz und in Deutschland. Danach kommen Japan und Spanien. Südamerika ist noch immer ein wichtiges Target auf das wir uns konzentrieren. Dazu kam heute noch Frankreich, wo wir ganz einmalige Reaktionen bekommen haben. Nach diesen zwei Alben stehen wir wieder da wo wir waren und das macht uns megahappy. Es war ein langer schwerer Weg aber es hat sich gelohnt.

Pfälzer: Wo wir gerade beim Geschäftlichen sind, ihr seid vom großen Nuclear Blast-Label zum eher kleinen Indie-Label G.records gewechselt. Was verspricht ihr Euch von der Zusammenarbeit? Wart ihr bei Blast nicht mehr zufrieden?

Marc Lynn: Wir haben nicht gewechselt. G.records besteht seit 10 Jahren und ist das bandeigene Label. Nuclear Blast hat uns bei G.Records lizenziert, nur haben wir das nicht so öffentlich kommuniziert. Unser neuer internationaler Partner ist Pias. Mit Nuclear Blast waren wir sehr zufrieden, dennoch wollten wir nach all der Zeit mal etwas Neues ausprobieren.

Pfälzer: Der Großteil der Tour findet erst ein halbes Jahr nach Veröffentlichung statt, dazu kommen nicht gerade viele Festivals im Sommer. Wäre es nicht besser gewesen, die Scheibe direkt nach Release live zu promoten?

Marc Lynn: Nein, wir waren in den letzten zwei Jahren intensiv und überall auf der Welt am spielen, dass es wichtig war sich selbst etwas Zeit zu gönnen und den Fans auch eine Pause zu geben. Jetzt geht es im Herbst los und wird sich durch das Ganze nächste Jahr ziehen.

Pfälzer: Noch eine sehr persönliche Frage zum Abschluss, Marc: Du warst ja unmittelbar bei Steves Unfall dabei, wie sehr bedrücken Dich die Erinnerungen daran heute noch? Hat sich Dein Leben oder Du Dich dadurch irgendwie verändert? Wie sehr ist er heute noch in Euren Herzen verankert?

Marc Lynn: Steve wird sicherlich immer in unseren Herzen sein, waren wir doch alle zusammen zwanzig Jahre wie Brüder, das kann und soll man nicht vergessen. Was damals passiert ist, ist natürlich sehr schwer gewesen. Mein Leben hat das sicherlich auch etwas verändert, so lebe ich mein Leben heute als wäre jeder Tag der letzte. Man weiß nie wann einem selber etwas passiert und dann möchte ich mit dem „Daumen nach oben" von dieser Welt gehen.
Dennoch kommt die Zeit, wo man das verarbeitet hat und nach vorne schauen muss, den sein eigenes Leben geht weiter und es ist lebenswert. An dem Punkt hat man das vergangene angenommen und ist bereit für Neues, wie zum Beispiel mit GOTTHARD weiter zu machen.

Pfälzer: Dann bedanke ich mich recht herzlich für das Interview und hoffe, dass wir uns auf Tour sehen werden. Die letzten Worte gehören Dir, was willst Du unseren Lesern unbedingt mitteilen?

Marc Lynn: In der heutigen, schnellen Welt ist ein gutes Album viel wert. Vergesst nie, euch Zeit für die Musik zu nehmen, denn das gibt uns die Freude am Leben. Ich freue mich euch auf Tour zu sehen und mit euch jeden Abend auf der Bühne eine Party zu feiern.

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