guns-n-roses-appetite-democracyWenn GUNS N ROSES nach über 12 Jahren ihre erste Konzert-DVD veröffentlichen, dürfte jedem klar sein, dass dies ein richtiges Feuerwerk wird. Alle Erwartungen, die man an „Appetite For Democracy" als alter wie auch neuer Fan stellt, werden erfüllt. Allerdings sollte man sich von vornherein bewusst sein, dass die heutigen GUNS N ROSES absolut nichts mehr mit den GUNS N ROSES aus den Achtzigern gemein haben. Dennoch ist „Appetite For Democracy" auch etwas für Fans der alten Stunde, ein solches Hitfeuerwerk gibt es schließlich nicht alle Tage, und auch Axl Rose ist noch gut bei Stimme.

Ich könnte ganze zwei Seiten darüber schreiben, wie schlimm ich es doch finde, dass GUNS N ROSES heute nicht mehr in ihrer klassischen Besetzung auf den Brettern stehen. Ich könnte mich darüber beschweren, dass DJ ASHBA nicht annähernd das Charisma eines SLASH hat oder Bassist Tommy Stinston es nicht mit Duff Mc Kagan aufnehmen kann. Außerdem könnte ich behaupten, dass GUNS N ROSES 2014 nur noch eine Showband sind, welche von der Energie ihres unsympathischen Frontmannes leben, der mit jedem Atemzug die Aura eines exzentrischen Rockstars versprüht. Doch über all das möchte ich mich gar nicht weiter ärgern. Ich habe mich einfach damit abgefunden, dass die „Gunners" in ihrer Ur-Besetzung nie mehr zu sehen sein werden. Slash und Duff Mc Kagan feiern mittlerweile mit ihren eigenen Bands Erfolge und werden sich sicherlich nicht mehr nach einer Diva wie Mr. Rose richten. Steven Adler kommt trotz seines gelungenen Soloalbums nicht wirklich auf einen grünen Zweig und Izzy Stradlin hat sich komplett zurückgezogen. Eben jenes GUNS N ROSES Line-Up lebt von seinem Legendenstatus und hat mit „Appetite For Destruction" das für mich beste Debütalbum aller Zeiten erschaffen. All das könnte ich schreiben, doch darum soll es in dieser Kritik nicht gehen.

Der Status von „Appetite For Destruction" scheint auch W. Axl Rose bewusst zu sein, und so schaffen es insgesamt sieben Tracks in die famose Setlist des passend betitelten „Appetite For Democracy". Die gesamte Show ist sehr hochwertig produziert und kann mit allen möglichen Spezialeffekten und Unmengen tanzender Girls aufwarten. Die fast dreistündige (!) Show ist bietet einen guten Querschnitt aus allen Alben von GUNS N ROSES. Sogar die neuen Songs von „Chinese Democracy" kommen live wesentlich besser rüber als erwartet, zumindest mir gefällt der Titeltrack und „This Love" im Nachhinein wesentlich besser. Die Stimme von Axl ist nach wie vor etwas ganz Besonderes und zuweilen klingt es, als wäre er kein bisschen gealtert. Trotzdem machen sich bei manchen Songs die verwendeten Soundeffekte etwas bemerkbar und trüben das Konzerterlebnis ein klein wenig. Bei „It´s So Easy" wird die Stimme des Frontmannes zudem von einem seiner Mitmusiker in einer sehr unpassenden Stimmlage übertönt. Doch dies bleibt für das gesamte Konzert der einzige musikalische Kritikpunkt. Die Mitmusiker selbst, welche immer mal wieder als bessere Mietmusiker beschimpft werden, wirken sehr tight und gut aufeinander eingespielt. Auch wenn ich es einfach nicht schaffe mich mit DJ ASHBA anzufreunden, ist er ein wirklich faszinierender und talentierter Gitarrist, was er auf „Appetite For Democracy" erneut unter Beweis stellt. Auch die restlichen Musiker sind technisch gesehen absolut grandios und verdienen den größten Respekt, eine solch lange Show ohne Probleme zu meistern. Bei einigen Instrumentalteilen stellt die Band ihr technisches Können auch gut unter Beweis, so wird zum Beispiel kurz eine gelungene Version von LED ZEPPELINs „The Ocean" gespielt. Die Songs klingen allesamt perfekt, wobei gerade die Klassiker zum Teil vielleicht ein wenig zu sauber geraten sind. Die Band besitzt zwar nicht den Charme von früher, doch die Sehnsucht nach dem klassischen GUNS N ROSES-Lineup ist zumindest bei mir sehr schnell verflogen. Bereits nach den ersten paar Songs entwickelt sich „Appetite For Democracy" zu einem unvergesslichen Erlebnis, dem sicherlich jeder Fan gerne beigewohnt hätte.

„Appetite For Democracy" erscheint als DVD und Blu-Ray in 2D und auch 3D. Die Bildqualität der Blu-Ray ist super und auch die 3D-Effekte kommen sehr gut daher. Wenn ich auch kein großer Fan von 3D im Kino bin, gefällt mir der Effekt bei Konzertmitschnitten umso besser. Mehr als einmal hat man das Gefühl mittendrin zu sein, leider wirken durch den 3D-Effekt einige Aufnahmen aber nicht so scharf. Auch die Kameraführung ist gelungen, weder zu ruhig noch zu hektisch wurde die Show eingefangen. Klangtechnisch wartet die Veröffentlichung mit einer Stereo und einer dts-HD 5.1 Master-Soundspur auf, die beide sehr gut klingen. Als Bonusmaterial gibt es neben einer Slideshow ohne Hintergrundmusik noch vier Interviews. Diese haben zwar keinen deutschen Untertitel, dennoch konnte DJ ASHBA bei mir noch ein paar Sympathiepunkte gewinnen. Dass sich Axl Rose nicht zu Wort meldet, muss wohl nicht weiter erwähnt werden.
„Appetite For Democracy" ist eine sehr gute und längst überfällige Liveveröffentlichung von GUNS N ROSES geworden, die eine Band zeigt, die unglaublich gut eingespielt ist und eine wahnwitzige Show abreißt. Zwar besitzt das Ganze nicht den Charme wie die alten Aufnahmen von 1992 und die neuen GUNS N ROSES wirken zum Teil wie eine große Showband, doch egal wie man es sieht, diese Showband hat es drauf. Auch als Fan der alten Tage sollte ich dem alten Lineup nicht hinterher_weinen, sondern mich mit dem Hier und Jetzt beschäftigen. Ich für meinen Teil werde mir die Band bei Gelegenheit auf jeden Fall noch live ansehen, denn auch das wird sicherlich grandios. Auch wenn Axl Rose rein optisch an eine Mischung aus UDO LINDENBERG, WESTERNHAGEN, JAY Z und einem amerikanischen Südstaatler erinnert. (Pascal)


Bewertung: 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 25
Spielzeit: ca. 163:00 min
Label: Universal
Veröffentlichungsdatum: 31.10.2014

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