Pretty Maids - Maid In Japan-Back To The Future World

prettymaids maidinjapanMan möge mich jetzt nicht genau festnageln, aber es müsste irgendwann im Spätsommer 1989 gewesen sein. Es waren die Zeiten, als wir die Dorfjugend bei uns in die Metalszene abtauchte und auch abseits der großen Acts interessanten neuen Stoff entdeckte. Wir saßen wie so oft auf dem Dorfplatz herum, der strategisch günstig neben einem kleinen Laden lag, wo man auch später noch zwecks Nachschub läuten konnte. Da kam einer unserer Kumpels angefahren, der zu dem Zeitpunkt schon mit der Rennpappe gesegnet war, öffnete die Heckklappe seines Nissan Sunny und pries uns das nun folgende in höchsten Tönen an. Der Name PRETTY MAIDS war mir ein Begriff, ein Album namens "Future World" sollte auch existieren. Dass es mich vom ersten Moment an so wegblasen würde, dass ich bei nächster Gelegenheit zum Dealer meines Vertrauens rannte um mir das Vinyl zu ziehen, hätte ich nicht erwartet. 30 Jahre später hat das Werk immer noch Relevanz wie "Maid In Japan-Back To The Future World" beweist.

Um ihr Meisterwerk gebührend zu feiern haben die Dänen Ende 2017 und 2018 einige Shows gespielt, in denen das Album komplett durchgezockt wurde, vor allem in skandinavischen Clubs, aber auch bei Festivals. Dass der Verfasser nicht in den Genuss einer Show kam, obwohl die Formation in der Zeit auf dem SwedenRock gastierte wurmt ihn noch heute. Auch in Japan, einer der wichtigsten Märkte für den Fünfer gab es im November 2018 zwei Shows im Citta Club in Kawasaki, von denen der am 17. für dieses Release aufgezeichnet wurden. Dies ist jetzt als CD/DVD-Box erhältlich, wie sie auf Frontiers häufig erscheinen.
Doch ein wenig anders ist es dieses Mal, denn die Aufnahme wurde eben ausnahmsweise nicht beim hauseigenen Festival gefilmt, sondern in einem größeren Venue, vor allem was die Höhe der Halle betrifft. So konnte man in der 1.300 Zuschauer fassenden Halle eine ordentliche Produktion auffahren, vor allem ein paar Lichttraversen übereinander auftürmen. Leider hat zumindest das nicht geholfen, denn was in der Totalen gut aussieht leuchtet die Bühne öfter nicht so gut aus. Dafür haben die Fünf massig Platz auf der Bühne, was sie auch gut zu wissen nutzen und dadurch tolle Motive liefern.

Sind andere Frontiers-Produktionen von den Kamerawinkeln oft limitiert hat man hier deutlich mehr Einstellung zur Verfügung, womit man das Geschehen gut einfangen kann. Gerade die aus dem Fotograben nach oben gefilmten Bilder wirken cool, diese Kamera fängt auch die Interaktion mit dem Publikum sehr gut ein, man tauscht viele Handshakes aus, derzeit ja eher verpönt. Man muss allerdings zugeben, dass die Bildregie nicht immer die besten Momente ausgesucht hat, so hätte ich gerne ein paar Mal das Spiel auf den Tasten in Nahaufnahme gesehen, speziell bei der flirrenden Ballade "Eye Of The Storm". Dafür sind die Objektive immer zur Stelle wenn Allen Sorensen seine knalligen Breaks heraus haut.

Die Show kann sich wirklich sehen lassen, die Herren sind bester Laune und geben anständig Gas, sogar Ken Hammer ist beweglicher als zuletzt. Mittelpunkt ist natürlich Sänger Ronnie Atkins, der viel unterwegs ist, seine Mitstreiter ebenso sucht wie das Publikum. Gesanglich ist der Mann voll auf der Höhe, holt aus seinem charakteristische Organ alle Facetten heraus, ob sanft, hochmelodisch oder auch mal ein paar Screams. Man kann nur hoffen, dass er seine Krebserkrankung gut überstanden hat und sie sich nicht auf seinen zukünftigen Vortrag auswirkt.
Hinten wechselt Chris Laney immer zwischen seinem Keyboard und der zweiten Gitarre hin und her. Der Multiinstrumentalist, der auch ein paar Backgroundvocals beisteuert, eröffnet der Truppe viele Möglichkeiten bei den Arrangements. Dennoch kommen ein paar Tastentöne aus der Konserve, der gute Chris kann leider nicht überall sein. Er teilt sich die linke Bühnenseite mit Bassist Rene Shades, der wie immer lässig über die Bühne stolziert, ausgiebig mit seinem Langholz post, dabei aber nie seinen obligatorischen Zylinder verliert.

Beim Stageacting ist Posen ohnehin groß geschrieben, neben der Konfiguration der Lightshow kommen auch hier viele Achtzigerelemente zum Tragen. Atkins gibt den umtriebigen Rockstar hinter seinem Mirkoständer, der viel unterwegs ist, immer seinen alten Mitstreiter Ken Hammer sucht, um öfter gemeinsam mit ihm zu singen. Dies tun ihnen Shades und Laney auf der anderen Seite gleich, typische Eighties-Ästethik. Auch die Reverse-Nummer beherrschen die Herren, das Spielen während man Rücken an Rücken angelehnt auf der Bühne steht war zu Zeiten von "Future World" en vogue. Spaß macht das bis heute noch, denn der ist allen Musikern anzusehen, das Lächeln verlässt nie das Gesicht, die Spielfreude springt einfach über.

Grund zur Freude haben PRETTY MAIDS ohnehin, denn vor so einem großen Publikum treten sie heutzutage selten bei Headlinergigs auf. Und das Publikum geht von Beginn an voll mit, feiert alles ab und macht sich auch lautstark bemerkbar, wobei es akustisch gut eingefangen wurde. Beim Sound gibt es vielleicht eine gewisse Trockenheit zu bemängeln, was aber auch ein Indiz für wenig Nachbearbeitung ist, gut ausgesteuert sind alle Instrumente. Es wäre lediglich toll gewesen, wenn die komplette Show auf Tonträger gebannt worden wäre und nicht nur die Spielzeit einer CD.
So bleiben viele alte selten gespielte Fan-Favoriten speziell vom "Jump The Gun"-Album auf der Strecke ebenso wie die Hits des Debüts. Dafür gibt die Formation neueren Titeln den Vorzug, die jedoch zuletzt immer zu hören waren. Das Augenmerk lag aber auf dem Jubiläum des Meisterwerks, das gibt es komplett und toll gespielt, leider nicht die großartigen Klamotten von damals. Auf der DVD gibt es auch noch eine Reihe von Bonusvideos und Backstageszenen, welche allerdings nicht zur Besprechung vorlagen, aber die sicher eine Bereicherung darstellen. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer7,5 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 15 (CD) / 29 (DVD)
Spielzeit: 74:38 min (CD) / 74:38 min (DVD (Hauptteil))
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 22.05.2020

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