bonjovi thishouseisnotforsaleEs sollte sich etwas ändern, so konnte es nicht mehr weitergehen, die Trennung war also unausweichlich. Zum Abschied für seine alte Plattenfirma Mercury komponierte Jon Bon Jovi mit „Burning Bridges“ noch ein Lied als Abrechnung. Nun ist er wieder bei Island, bei denen er einst seinen ersten Vertrag unterschrieb. In der Tat waren die Leistungen seiner Combo BON JOVI in den letzten Jahren alles andere als erbaulich, „What About Now“ markierte anno 2013 den Tiefpunkt. Umso verwunderlicher, dass eben jenes „Burning Bridges“ betitelte Werk, auf dem bisher unveröffentlichte Stücke Platz fanden, das beste war, was die Herren aus New Jersey seit mehr als zehn Jahren auf den Markt brachten. Doch nicht nur geschäftlich krachte es, auch im Bandgefüge gab es vor „This House Is Not For Sale“ eine gravierenden Einschnitt, denn dies ist nun das erste Album ohne Richie Sambora. Im dem Zuge wurde Aushilfsbassist Hugh McDonald nach einem Vierteljahrhundert zum vollwertigen Mitglied befördert.

Der eigentlich nicht wegzudenkende Gitarrist erschien eines Tages einfach nicht zu einem Konzert und musste kurzfristig von Phil X ersetzt werden. Das Verhältnis zwischen ihm und Jon Bon Jovi mutete für Außenstehende fast wie eine Ehe an, weswegen die Trennung auch schwer war, doch nach einer zweiten Chance musste die Band den Sechssaiter ziehen lassen. War er auf dem Zwischenalbum noch zu hören, so ist dies die erste BON JOVI-Scheibe ohne Sambora. Nun ist der neue Mann beileibe kein Unbekannter, machte sich vor allem als Session-Gitarrist, gerne auch für Pop-Größen einen Namen. Ich kenne ihn vor allem als Ersatz von Rik Emmett bei TRIUMPH, mit denen er das völlig unterbewertete „Edge Of Excess“ einspielte.

Und weit weg von seinem Vorgänger ist er auch nicht, denn die eröffnende Gitarre haben wir doch schon so ähnlich bei „Have A Nice Day“ vernommen. Ebenso wie dieser Song ist auch der Titeltrack eine schmissige Rocknummer mit toller Stadionbridge. Im Gegensatz zu den letzten regulären Platten schafft man es hier aber die Kurve oben zu halten und auch im Anschluss mit stimmigen Liedern zu punkten. So schön rockt auch „Knockout“ mit seinem kraftvollen Stadionchor oder „God Bless This Mess“, bei dem der Barde mal wieder den Springsteen heraus hängen lässt. Dies geschieht vor allem dann, wenn die Gitarre jubiliert wie etwa in „Living With The Ghost“, bei dem das Piano den Eindruck noch verstärkt.

Was positiv auffällt ist die geringe Schlagzahl an Balladen, die so manches BON JOVI-Werk irgendwann in Beliebigkeit erstickt haben. Ruhige Titel sind zwar keine Seltenheit, aber „Labour Of Love“ tendiert mehr Richtung Americana, das coole Lick hätte auch Chris Isaak gut zu Gesicht gestanden. „Scars On This Guitar“ holt die Akustische raus, ebenso das nicht ganz so sanfte „Reunion“. Hier verblüfft die Folkschlagseite und das Leadthema, die Nummer hätte auch von RUNRIG stammen können. Sicher war BRUCE SPRINGSTEEN mit seinem Ansatz wie er Folk und Rock verbindet für beide Fans ein wichtiger Einfluss, dass der jüngere Held aus New Jersey so nah an die Schotten kommt, war nicht zu erwarten.

Wer nun gehofft hat, nach den ganzen Querelen würde der einstige Teeniestar wieder zum Hard Rock oder Hair Metal zurückkehren, sieht sich getäuscht. Vielleicht hat man sich ausgemalt, dass Sambora für die Richtung verantwortlich war, sein letztes Soloalbum „Aftermath Of The Lowdown“ ging ähnliche Wege. Selbst wenn es bei „The Devil´s In The Temple“ ein knackiges Riff zu hören gibt, sogar das erste seit Ewigkeiten, so hat der Song auch nicht den Drive der Anfangstage. Als weiteren Hoffnungsschimmer mögen diejenigen, die unverdrossen darauf warten, das wirklich tolle Solo von „Born Again Tomorrow“ werten, darauf wetten würde ich nicht.

Es muss erwähnt werden, dass es schon ein paar Durchgänge benötigt, bis sich die Einzelheiten der einzelnen Tracks erschließen. Die gehen zwar alle sofort ins Ohr, doch beim ersten Hören gleichen sie wie ein Ei dem anderen. Vor allem liegt das an der Produktion von John Shanks, die keineswegs als mies ausfällt, aber zu stark komprimiert und auf Radioairplay aus ist. Die Rhythmusfraktion drückt schön nach vorne, das hat Kraft, das rockt, der Bass pumpt, allein es fehlt die Abwechslung, der Wille sich in die Songs einzubringen. Selbst bei ruhigen Titeln nimmt sie sich nicht zurück, Torres und McDonald spielen über weite Strecken wie auf Autopilot.

Lediglich bei „Born Again Tomorrow“ und dem Schlusspunkt „Come On Up To Our House“ versuchen sie sich an etwas Dynamik, haut der gute Tico auch mal ein Break heraus. Nicht nur die Zeiten des Hard Rock sind endgültig vorbei, sondern auch die der großen Epen wie „Dry County“. Dennoch sind die Melodien weitaus flüssiger wie in letzter Zeit, und von der unverwechselbaren, charismatischen Stimme gekonnt vorgetragen, „This House Is Not For Sale“ lässt sich angenehm hören. Allerdings muss man sich fragen, warum dieses ganze Theater mit dem Label sein musste, denn die Songs hätte er auch bei Mercury veröffentlichen können. Mehr noch, „Burning Bridges“ gefiel mir mit seiner schönen Atmosphäre besser. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer6,5 6,5 / 10


Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 49:08 min
Label: Island Records
Veröffentlichungstermin: 04.11.2016

 

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