vogelfrey sturmundklang3 Jahre haben VOGELFREY an ihrem dritten Album gewerkelt, jetzt ist es endlich erschienen. Dass die Nordlichter nicht nur ihre Instrumente beherrschen, sondern auch eine ordentliche Portion Humor besitzen, das haben sie jetzt schon oft bewiesen, sei es auf Platte, oder gerade auch live. Nun also ein neues Album. Das muß ich natürlich in Augenschein nehmen.

Der Opener „Sturmgesang“ beginnt dabei zwar recht sperrig, entwickelt sich dann aber doch noch zu einem echten Ohrwurm mit Mitsingrefrain. Und hatte man schon auf der letzten Platte der freien Liebe eine Hymne geschrieben, so beehrt man dieses Mal den Orgasmus in „Tandaradei“ mit einer fröhlichen, beschwingten Weise. Dabei darf natürlich auch ein kleiner Seitenhieb auf die großen Genrekollegen SUBWAY TO SALLY nicht fehlen, die nie so explizit waren.

Und wenn es dann endlich mit dem Koitus geklappt hat, dann muß das natürlich gefeiert werden. Und so gibt es im Anschluß mit „Hörner hoch“ das Sauflied des Albums. Finde ich immer schwierig. So toll solche Songs in der alkoholgeschwängerten Atmosphäre eines Festivals oder eines Konzertes funktionieren, so deplaziert wirken sie auf den meisten Alben. So auch hier. Aber nun ja, irgendwo muß man sie ja veröffentlichen.

Auch „Abschaum“ hat durchaus die eine oder andere SUBWAY-Anleihe, ist insgesamt auch etwas sperrig, kommt im Refrain aber richtig gut. „Gold“ beginnt sehr ruhig und akustisch, schön mittelalterlich und ist schon fast etwas zu ruhig für den textlichen Inhalt. Offensichtlich hat man den Song auch am International Talk Like A Pirate Day aufgenommen.

Mit „Strohfeuer“ gibt es schon wieder ein Lied über Sex, aber so beschwingt, wie der Song daherkommt, ist er der ideale Kopulationssoundtrack. Und da man nach dem Sex ja ordentlich müde ist, gibt es mit dem „Nachtgesang“ danach noch eine überraschend schöne, sehr ruhige Ballade mit herrlichen Geigenparts. Und wenn man sich dann gerade so richtig hat einlullen lassen, wird man von dem harten und brutalen „Apocalypsis“ aus der Trance gerissen. Ein fieser Song, dessen Thema musikalisch schön umgesetzt wurde. Gleiches hat man auch bei „Land unter“ geschafft.

„Der Chirurg“ ist jetzt nicht unbedingt der Song, den man sich anhören sollte, wenn man sowieso Angst vor Ärzten oder Operationen hat. „Rolling Home“ ist dann der Song, um mit dem Cabrio – äh, Schiff – dem Sonnenuntergang entgegenzufahren. Bevor es dann ins Auge des Orkans geht, das überraschend ruhig ist, aber gerade dadurch überzeugen kann. Der „Knochenchor“ ist zwar etwas sperrig geraten, verwöhnt dafür aber mit angenehmer Härte.

Die „Bluthochzeit“ ist zwar ein guter Song, erinnert mich jedoch vor allem textlich sehr stark an SUBWAY TO SALLY. Und während weiter vorne in der Platte mit „Hörner Hoch“ noch dem Alkohol gefrönt wird (oder ist da Milch drin, liebe Vogelfreye??) offenbart uns Sänger Jannik Schmidt in „Alkoholverbot“ sein Problem mit dem Schönsaufen, das bei ihm irgendwie falsch gepolt ist. Dann bleibt wohl doch nur die Milch. Es sei denn, der Alkohol ist auch der Grund für die herrlichen Reime, die in diesem Stück so verbraten werden. Großartig.

Alles in allem kann auch das dritte Album von VOGELFREY wieder vollkommen überzeugen und die Band beweist wieder einmal, daß sie doch aus der großen Menge der Mittelalterbands herausragen und ich sehe mit Wohlgefallen, daß sie auf immer mehr Festivals spielen (denn auch live kann man sich die Band wirklich gut ansehen, nur mal so als Tip). Ich mag es, wie VOGELFREY Härte und Mittelalter verbinden und das Ganze mit mal ernsten, mal durchaus humorvollen Texten würzen. Damit kann man auch über „Sturm und Klang“ nur sagen: gut gemacht. (Anne)

Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 15
Spielzeit: 63:12 min
Label: Metalville/Rough Trade
Veröffentlichungstermin: 28.08.2015

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