blackmoresnight allouryesterdaysVor ein paar Monaten schreckte eine Newsmeldung die Rockszene auf, Ritchie Blackmore wolle wieder Rockmusik machen und eventuell RAINBOW reformieren. Mittlerweile wurde wieder ziemlich zurück gerudert, es seien nur ein paar Shows im nächsten Jahr geplant, diese allerdings mit komplett neuen Musikern. Auch wenn es der Mann rein aus Nostalgie für die alten Fans macht, bietet er personell keine weitere Bezugsperson zu seiner ruhmreichen Vergangenheit auf. Darum heißt es nun, sich über das zu freuen, was kommen möge, und dass man eine Möglichkeit hat, zu den paar Terminen zu pilgern. Blackmore denkt gar nicht daran, sein seit fast 20 Jahren mit seiner Gemahlin betriebenes Projekt aufzugeben. BLACKMORE´S NIGHT haben mittlerweile eine eigenständige Existenz, die es ihnen sogar erlaubt, aus den üblichen Business-Schemen auszubrechen. So erscheint das neue Album "All Our Yesterdays" erst nach der Tournee im Sommer, es musste ja schon immer gerne nach dem Willen des Herrn gehen.

Und so sein Wille, weicht er auch keinen Deut von seiner bisherigen Marschroute ab, auch auf dem neunten Longplayer servieren er und seine Frau, Candice Night folkloristische Weisen. Die sind stark geprägt von längst vergangenen Zeiten, welche es dem Gitarrenhelden angetan haben, nicht umsonst gastiert er mit Vorliebe in alten Gemäuern. Bereits der eröffnende Titeltrack bietet alles, was man von seinem jüngsten Ausdrucksvehikel her kennt. Zum Auftakt gibt sich die Nummer noch sehr pathetisch, steigert sich dann aber in einen beschwingten Rhythmus.
Insgesamt fällt die neue Scheibe etwas ruhiger aus als der Vorgänger "Dancer And The Moon", dort vorhandene flotte Stücke wie "Troika" sucht man hier vergebens. Am ehesten zieht noch "Allan Yn N Fan", eine gewohnte Bearbeitung eines Traditionals das Tempo an, bevor es mit "Darker Shade Of Black" sehr ruhig und emotional wird. Sphärische Synthesizerflächen bilden den idealen Boden für Blackmores feine Solotöne, der Song weckt mit seiner Melancholie Erinnerungen an "Carry On .... Jon" vom letzten Studiowerk.

Zwei Instrumentals direkt nach dem Opener sind für den Fluss des Albums nicht gerade optimal, auch wenn der Meister hier ein bisschen von dem zeigt, was ihn einst groß machte. Beim MIKE OLDFIELD-Cover verpasst er es aber die vielen Vorlagen für ausladende Soli zu nutzen und bleibt in Sachen Euphorie klar hinter seinem Landsmann zurück. Auch Madame Night kommt nicht an die brillante Vorstellung der bezaubernden Maggie Reilly heran, vor allem weil sie ihre glockenklare Stimme nicht mehr so in höchsten Tönen jubilieren lässt. In Titeln wie dem wunderbar ätherischen "Long Long Time" oder dem endlose Weiten verheißenden "Will O´The Whisp" klingt sie weitaus erwachsener als in der Vergangenheit.

Als weiteres Cover nimmt man sich dieses Mal "I Got You Babe" von SONNY & CHER vor, welchem man gemäß der eigenen Direktiven ein wenig mehr Atmosphäre und Tiefe verleiht. Die Tröten übernehmen natürlich das penetrante Getute, ich persönlich wurde mit dem Titel noch nie warm. Doch nicht nur bei fremden Komponisten bedienen sich BLACKMORE´S NIGHT, mittlerweile nehmen sie sich auch ihre eigenen Lieder vor, "Where Are We Going From Here" befand sich bereits auf "Ghost Of A Rose". Der neuen Version verleihen die Synths ein bisschen mehr Dramatik, die stark an der Renaissance angelehnte Klanglandschaft bleibt.
Das ist auf "All Our Yesterdays" nicht immer der Fall, vielmehr geht man weiter zurück in der Kulturgeschichte und lässt sich vom tiefen Mittelalter inspirieren. Ob nun beim ätherischen "The Other Side", dem sehr ruhigen, von der Flöte dominierten "Earth, Wind And Sky" oder der tanzbaren Schlussnummer "Coming Home", überall hört man Ähnlichkeiten zu derzeit angesagten Mittelalteracts. Vielleicht geben die beiden und ihre Mitstreiter ein Stück weit von ihrer Identität auf, doch neue Horizonte erforschte der Herr der sechs Saiten schon immer gerne. Und arg fällt das auch nicht ins Gewicht, weswegen Fans auch hier bedenkenlos zugreifen können. (Pfälzer)

Bewertung: 7,5 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 49:26 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 18.09.2015

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