ulijonroth scorpions revisited"Die Trennung hatte rein musikalische Gründe, wir bleiben weiter Freunde!", nur allzu oft folgt diesen Worten Wochen später eine Schlammschlacht. Doch auch hier geht Deutschlands Vorzeigeband mit gutem Beispiel voran, die SCORPIONS und ULI JON ROTH sind bis heute befreundet, stehen bei besonderen Anlässen hin und wieder gemeinsam auf der Bühne. 1978 drifteten die Vorstellungen des immer direkteren Hardrocks und der späthippesken Hendrix-Attitüde von Roth immer mehr auseinander, weswegen der Gitarrist sein eigenes Ding durchzog und seitdem als Solokünstler geachtet ist. Während die Weltstars derweil am allumfassenden Comeback werkeln, lässt ihr früherer Mitstreiter die gemeinsame Vergangenheit wieder aufleben. Auf "Scorpions Revisited" hat ULI JON ROTH einen Großteil der Songs, welche er mitkomponiert hat, neu eingespielt.

Zwar war er nur vier Alben lang dabei, doch seine Spuren hat er deutlich hinterlassen, und die große Karriere mit angeschoben. Wie eingangs erwähnt unterschieden sich seine Songs oft ein wenig von dem Material, welches Schenker und Meine geschrieben haben. Stilistisch war der Gitarrenvirtuose viel offener, was deutlich mehr Raum für Improvisationen eröffnete, den er hier nur allzu gerne nutzt. Dabei hievt er ein paar Songs auf ein neues Level, da er seine selbst konstruierte Sky-Gitarre benutzt, ein sechs Oktaven umfassendes Instrument. Ähnlich wie sein großes Vorbild war der Mann immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen.

So unterscheiden sich nicht wenige Nummern deutlich vom Original, weil Roth sein Arbeitsgerät exzessiv einsetzt und sich auf lange Soloausflüge begibt. Von seinem Output der damaligen Zeit blieben mit "Your Light" und "Night Lights" nur wenige Titel auf der Strecke, "I´ve Got To Be Free" erscheint lediglich als Bonustrack auf der Special Edition. Daneben wagt er sich an das wohl beste Lied von damals, bei "In Trance" schrieb er nicht mit. Gleiches gilt für "We´ll Burn The Sky", bei dem allerdings Monika Dannemann, die letzte Freundin von JIMI HENDRIX, die seinerzeit mit Roth befreundet war den Text. Das Hauptaugenmerk liegt auf "In Trance" und "Virgin Killer", den beiden Werken, die ULI JON ROTH am deutlichsten seinen Stempel aufgedrückt hat.

Natürlich ist der Klang der Neubearbeitungen deutlich besser, das ist ja auch Sinn und Zweck dieser Übung. Dem Hannoveraner gelingt es dennoch den ursprünglichen Charme zu bewahren. Heuer fällt alles differenzierter und vor allem voluminöser aus. Davon profitiert natürlich auch das Spektrum der Sky-Gitarre, welche direkt bei "Sails Of Charon" zu Hochform aufläuft. Immer wieder improvisiert der Saitenhexer über das Grundthema, streckt den Song auf die doppelte Länge. Gerade bei den etwas abgefahreren Liedern wie "Dark Lady" oder "Polar Nights" wird bis ins Nirvana soliert.
Profitieren tun ebenso die beiden Powerballaden "Life´s Like A River" und dem mit einem bluesigen Intro gestreckten "In Trannce", welche deutlich mehr Dynamik erhalten. Auch das sehr Hendrix-inspirierte "Hell-Cat" kommt um einiges knackiger rüber. Während beim sehr ruhigen "Yellow Raven" hingegen die psychedelischen Nuancen viel stärker zutage treten. Die gibt es auch beim Klassiker "Fly To The Rainbow", welcher hier noch einmal deutlich gewinnt. Mit der "Rainbow Prelude" hängt der Mastermind eine weitere Improvisation davor.

Wo Licht ist, da ist aber auch Schatten, nicht alle neuen Versionen könne überzeugen oder neue Facetten dazu gewinnen. Das liegt zum Teil am Gesang, der bei den rockigeren Stücken wie "Pictured Life" etwas uninspiriert klingt. Bei seinen jungen Mitstreitern sind mehre Sänger gelistet, wodurch sich der Verdacht aufdrängt, dass die Scheibe in mehreren Sessions aufgenommen wurde. Die Aufnahmen fanden übrigens in genau jenem alten Theater statt, in dem die SCORPIONS in den Siebzigern geprobt haben. Das fördert sicherlich die Inspiration, aber gerade bei "We´ll Burn The Sky" hatten die Herren einen eher schwachen Moment. Da wird das Arrangement im Soloteil ziemlich zerballert, schade drum. Dennoch ist "Scorpions Revisited" empfehlenswert, da die Neuinterpretationen zum großen Teil interessant sind, und man sich andererseits auf ein Wiedersehen mit den alten Songs freuen darf. (Pfälzer)

Bewertung: 7,5 / 10

Anzahl der Songs: 19
Spielzeit: 106:51 min
Label: UDR Music
Veröffentlichungstermin: 06.02.2015

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