ingrimm henktihnINGRIMM gehören zu den Bands, die ich vom ersten Album an mochte. Trotzdem habe ich es irgendwie geschafft, das letzte Album „Böses Blut“ zu verpassen. Aber immerhin hatte ich es nach Jahren mal geschafft, mir die Band live anzusehen und auch da konnte sie mich überzeugen. Nun kommt also das neue Album „Henkt ihn!“ raus. Also, gleich mal draufgestürzt, das Teil in den Player geschmissen und – gewundert. Haben die einen neuen Sänger?

Tatsächlich. Sänger und Bandgründer Stephan „Fenris“ Zandt verließ aufgrund von „Unstimmigkeiten“ schon 2012 die Band. Das finde ich sehr, sehr schade. Gerade seine markante Stimme war eines der Dinge, die mir an INGRIMM so gut gefielen. Nun gibt es bei den Regensburgern aber noch weitere Veränderungen. Als neuer Sänger konnte René Brandt verpflichtet werden, daneben gibt es seit letztem Jahr aber auch ganz neu mit Sabine Radies eine Violinistin in der Band. Also mal sehen, was die Band in neuer Besetzung so drauf hat.

Und ich muß vorwegschieben: Der neue Sänger gefällt mir nicht so gut wie Fenris. Zwar singt er die Sachen genauso  gut wie Fenris, aber seiner Stimme fehlt das gewisse Etwas, das Fenris hatte. Diese gewisse Grundrohheit fehlt mir einfach. Ob es daran liegt, daß mir „Henkt ihn!“ nicht ganz so gut gefällt wie die vorhergehenden Alben?

Vor allem stören mich die Texte. Gut, die etwas andere Satzstellung hatten INGRIMM ja schon immer. Hier fällt es nur etwas arg gehäuft auf. Macht eigentlich nichts. Aber  „deine Zeit ist dann verrinnt“? Grammatikalisch zumindest arg fragwürdig und tut in den Ohren weh. Und bei „Asche auf mein Haupt“ liefert Renè Brandt dann den Beweis dafür, daß man als Sänger deutscher Texte immer viel Wert auf die Aussprache legen sollte. „Asché“ klingt einfach doof.

Dafür ist der Song aber sonst sehr gut gelungen und wird nach einem ruhigen Anfang doch noch sehr heftig und hart. Denn das ist es, was ich an INGRIMM so mag. Daß die Band zeigt, daß man auch mit mittelalterlichen Instrumenten richtig hart rocken kann und sich eben nicht, wie Kritiker des Genres gern bemängeln, in Gedudel verlieren muß. Auch der quasi-Titelsong „Hängt ihn!“ ist schön hart, wirkt in den Strophen etwas zu abgehackt, gleicht das mit dem Refrain aber wieder aus.

Auch bei „Carpe Diem“ und „Eiskalter Wind“ sind es vor allem die bratenden Gitarren und die Drums, die die Songs zu etwas besonderem machen. „Carpe Diem“ geht mir vom Text her aber ein bißchen zu sehr in die Richtung RAMMSTEIN. Gerade aber bei „Eiskalter Wind“ ist es besonders gut gelungen, harte Gitarren harmonisch mit Dudelsackmelodien zu verbinden. Auch „Fühl dich frei“ beginnt etwas seltsam, wird dann aber noch ein richtig guter Song mit schönem Ohrwurmrefrain und meinen so geliebten Gitarren. Beim abschließenden „Engel“ fürchtet man zunächst, daß die Regensburger nun doch noch die Quotenballade auspacken, der Song entwickelt sich dann aber hin zu sehr angenehmer Härte mit schönem Ohrwurmrefrain.

Zusammenfassend kann man aber sagen: INGRIMM wissen offensichtlich nicht, wie man einen schlechten Song schreibt. Auch „Henkt ihn!“ ist mal wieder ein Album ohne Ausfall geworden. Sicher ist der ein oder andere Song dabei, der einem nicht ganz so gut gefällt, aber es ist keiner dabei bei dem man auch nur überlegen würde, ob man ihn überspringen soll oder nicht. An den neuen Sänger muß ich mich wohl noch gewöhnen; er kann mich nicht ganz so überzeugen wie Fenris, dessen Stimme ich einfach unglaublich mochte.

INGRIMM schaffen es, mittelalterliche Instrumente in ihre Musik einfließen zu lassen und gleichzeitig so hart zu rocken, wie das nur ganz wenige Bands des Genres Mittelalter-Metal können. Für mich gehören sie damit nach wie vor zu den besten Bands dieses Genres. Fans von INGRIMM können hier bedenkenlos zugreifen und das Album blind kaufen. Fans von SUBWAY TO SALLY oder IN EXTREMO sei das gleiche empfohlen.   (Anne)


Bewertung: 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 40:12 min
Label: Trollzorn
Veröffentlichungstermin: 07.02.2013

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