tangent_lasacredutravailEigentlich war ja das Thema THE TANGENT schon zu den Akten gelegt. Nach dem letzten Longplayer „Comm" war es Mastermind Andy Tillison wegen geschäftlichen Problemen nicht mehr möglich auf Tour zu gehen. Die noch geplanten Konzerte absolvierte er mit Akustikgitarrist Guy Manning als Unplugged-Gigs. Umso verwunderlicher, dass ein gutes Jahr später schon wieder ein neues Album der Retro-Proggies in den Läden steht. Keine Ahnung woher die Kehrtwende kommt, auf „La Sacre Du Travail (The Rites Of Work)" jedenfalls tauchen mit Jonas Reingold und Jakko M. Jaszyk Namen im Line-Up auf, die schon früher für die Truppe tätig waren. Alles beim Alten könnte man denken.

Das trifft nur zum Teil zu, an den musikalischen Direktiven hat sich nicht viel geändert. Weiterhin frönen Tillison und seine Mannen dem Prog der frühen Siebziger mit einem starken Canterbury-Einschlag. Geändert hat sich durch neue Ambitionen jedoch ein wenig die Kompositionsarbeit des Bandgründers. Hatten THE TANGENT bislang ihren charakteristischen Stil, der dennoch Einflüsse wie GENTLE GIANT oder SOFT MACHINE nicht leugnete, so sucht sich der Mann die Inspiration nun woanders.

Die nunmehr siebte Scheibe soll ähnlich einer Orchester-Suite angelegt sein, so wie es DEEP PURPLE auf „Concerto For Group And Orchestra" vorexerzierten. Das fängt bei der Aufteilung in fünf verschiedene Teile an, von denen aber nur drei als eigenständige Songs durchgehen, diese sind aber allesamt als Longtracks. „Movement 1: Coming Up On The Hour" ist nur eine Geräuschkulisse aus Radiostimmen und Piepsern, in die sich mehr und mehr prägnante Basslinien von Reingold und weite Synthiefanfaren schieben. Diese sind im gesamten Verlauf typisch für das neue Werk.
Gemäß der verstärkten klassischen Ausrichtung tauchen einige Geigenparts auf, die in den Harmonien mit den Keyboards an KANSAS denken lassen. Beim zweiten kurzen Part „Movement 4: A Voyage Through Rush Hour" kommen ebenfalls viele Elemente vor, welche die Richtung von „La Sacre Du Travail" vorgeben. Die cineastische Grundstimmung war so bislang noch nicht auf einem Album der Briten zu hören. Im längsten Teil „Movement 2: Morning Journey & The Arrival" kommt diese in den ungewöhnlich düsteren Zwischenparts zum Tragen.

Ansonsten regieren in den 23 Minuten die typischen Markenzeichen, seien es der relaxte Gesang des Mainman, mehrstimmige Gesangsarrangements oder die vielschichtigen Keyboards. Da findet man alles von Orgeleinsätzen über Piano bis Synthesizerflächen, die auch mal gerne in Richtung Symphonic Prog abdriften. Den Eindruck erhält man verstärkt bei „Movement 5: Evening TV", bei dem Synth-Kaskaden an GENESIS erinnern. Zwar eine neue Zutat im THE TANGENT-Klangkosmos, doch dadurch verlieren sie ein wenig an Eigenständigkeit. Am ehesten an dem typischen Stil der Band angelehnt ist das jazzige „Movement 3: Afternoon Malaise" mit flirrenden Flöten von Theo Travis.

Das Ganze wird garniert vom loungeigen „Muffled Epiphany" und einem Radio Edit von „Evening TV". Dazu kommt mit dem Punk-Song „Hat" eine Aufnahme von 1979 aus Tillisons Schultagen. Es gab ja schon immer stilfremde Bonustracks wie das elektronische „Exponenzgesetz", weswegen mich die Nummer nicht sonderlich wundert, witzig ist sie allemal. Dennoch kann mich das Album nicht so fesseln wie viele andere der Band.
Was mir auf „La Sacre Du Travail" fehlt sind die großen Melodien, für welche die Formation stand. Die waren auf dem Vorgänger schon nicht mehr so zahlreich, aber vor allem bei „Titanic Calls Carpathia" wurde man fündig. Irgendwie scheint mir hier alles zu sehr ins Konzept gepresst, es fehlt ein wenig die freie Kreativität, das ungezwungene. Da die Formkurve weiter nach unten zeigt, wäre es vielleicht sinnvoll, wirklich eine Pause einzulegen. Sonst kann das nächste Werk vielleicht noch nicht mal als „gut" durchgehen, wo ich doch eigentlich „grandios" gewohnt bin. (Pfälzer)

Bewertung: 7 / 10

Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: 73:28 min
Label: Inside Out
Veröffentlichungstermin: 21.06.2013

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter
Anmelden

Neckbreaker präsentiert

Neckbreaker auf Facebook

nb recruiting 2015

nb forum 2015

nb gallery 2015