voodoocircle_wayhomeSie waren vor zwei Jahren mit "Broken Heart Syndrome" die große Überraschung und avanciertem zu meinem persönlichen Albumhighlight des Jahres. Dabei begannen die deutschen Hardrocker eher im Grenzbereich zwischen Melodicmetal und hartem Rock mit dezenter Gitarrenheldenattitüde, bevor sie sich dem Blues zuwandten. Und den zelebrieren VOODOO CIRCLE so ehrlich und authentisch, dass man nur schwer glauben kann, dass es sich dabei um eine einheimische Formation handelt. Aber das war der Geist, den Mastermind Alex Beyrodt von Beginn an für diese Truppe geplant hatte, zurück zu den Ursprüngen dieser Musik. Dass dabei der Jam-Charakter mehr heraus gehoben wurde, machte die Sache noch spannender, da die Songs sich dennoch wie aus einem Guss präsentierten. Nun folgt mit "More Than One Way Home" die freudig erwartete Fortsetzung.

Die erste Parallele zum Vorgänger zeigt sich schon beim Opener, welcher ähnlich rau und ungehobelt aus den Boxen quillt wie zuletzt "No Solution Blues". Doch ein kleiner Unterschied zeigt sich bereits bei "Graveyard City" und der liegt im Wechsel des Arbeitsgerätes von Beyrodt. Nein, er hat nicht etwa die Tasten von Jimmy Kresic übernommen, sondern seine Strat gegen eine Les Paul eingetauscht, und das macht sich deutlich im Gitarrensound bemerkbar. Erdiger, kantiger und kraftvoller klingt der Maestro jetzt, was seinen neuen Kompositionen aber gut zu Gesicht steht.

Allerdings ergibt sich auch ein nicht von der Hand zu weisender Nachteil daraus, denn seine Vorliebe für WHITESNAKE wird hier allzu offensichtlich. Sein Spiel auf der Gibson ähnelt dem von John Sykes so frappierend, dass die Eröffnungsnummer als Weiterführung von "Bad Boys" und "Children Of The Night" durchgehen könnte. Das schwermütige, bluesige "Tears In The Rain" klingt, nicht nur wegen dem Titel wie der Nachfolger von "Cryin´ In The Rain", und bei "Heart Of Babylon" zitiert man vieles von "Still Of The Night". Bei den hohen Schreien klingt David Readman noch mehr nach David Coverdale als er es ohnehin schon tut.
In der Folge wecken gerade die rockigen Songs wie "Bane Of My Existence" immer wieder Erinnerungen an das "1987"-Opus von WHITESNAKE. Hier zeigt sich, dass man auf "More Than One Way Home" deutlich rifflastiger und härter zu Werke geht als auf dem feinfühligeren "Broken Heart Syndrome". Dazu sind die Hammondeinsätze zugunsten von Synthesizerklängen zurück gefahren worden, aber das ist letztendlich Geschmackssache. Man beschreitet hier den selben Weg, den die weiße Schlange bei ihrer Häutung Mitte der Achtziger vollzogen hat, als diese zum Stadionact mutierte.

Neben dem nur aufgrund von mehr Tiefgang an einer bloßen Kopie von "Is This Love" vorbeischrammenden Titelsong, gibt es auch noch andere Querverweise zu entdecken, die aber alle musikalisch eng verwandt sind. In "The Ghost In Your Heart" verquickt man "Perfect Strangers" von DEEP PURPLE mit deren "Sail Away", um das ganze mit einem typischen VOODOO CIRCLE Refrain zu garnieren. Das Grundriff beim hymnischen "Open Your Eyes" lässt an "You Fool No One" der selben Truppe denken. Und aus der Zwischenphase des überpräsenten Einflusses könnte das locker rockende "Victim Of Love" stammen, dessen Eröffnung nach "Love Ain´t No Stranger" klingt.

Man könnte es sich jetzt sehr einfach machen, und dem guten Alex Beyrodt pure Abkupferei unterstellen. Doch wer sich alte Sachen von ihm anhört, der wird feststellen, dass die Akkordfolgen und Soli so weit nicht von denen auf der neuen Scheibe weg sind. Aber der Wechsel der Axt prägt den neuen, obendrein knackig produzierten Sound, rückt ihn eben näher an besagte Scheibe aus dem Jahr 1987. Und sind wir ehrlich, es ist nicht irgendeine Scheibe, die die Deutschen da fast klonen, sondern das Manifest des Stadionrock.
An dem haben sich Generationen von Hairmetalbands die Zähne ausgebissen, doch nie kam eine Scheibe so nahe an die Power und Magie wie "More Than One Way Home". Hier sind eben absolute Profis am Werk, deren Spielfreude sich auf den Hörer überträgt, die ganz genau wissen was ein Song braucht und daher diesen Sound so ehrlich und authentisch rüber bringen, wie schon lange nicht mehr. Die Kompositionen fallen dieses Mal noch zwingender und eingängiger aus, machen unglaublich Spaß, voraus gesetzt, man kann darüber hinweg sehen, ein paar alte Bekannte zu treffen. (Pfälzer)

Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 54:47 min
Label: AFM Records
Veröffentlichungstermin: 22.02.2013

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