tyketto_digindeepFür die einen das Klischee schlechthin, für die anderen der Inbegriff für Freiheit und Rebellion, das Video von TYKETTOs erster Single "Forever Young". Ich bin klar für Zweiteres wie viele Rockfans, so dass die Nummer 1992 zu einem späten Hit des Hairmetal avancierte. Und in der späten Geburt lag auch die Krux dieser Formation, denn der Zeitgeist gab ihrem zweiten Album "Strength In Numbers" keine Chance. Dem passte sich dann Frontmann Danny Vaughn ein Stück weit an und war als Solokünstler eher im Singer/Songwriter-Genre zu finden. Der Rest der Truppe raufte sich mit dem späteren JOURNEY-Sänger Steve Augeri noch mal zusammen, doch "Shine" sollte für lange Zeit das letzte Tonzeugnis der Band sein. Doch ebenso wie der Haarspray-Rock ist auch der Vierer wieder zurück und beweist das nach einigen Live-Auftritten mit dem neuen Longplayer "Dig In Deep".

Und der gestaltet sich zu Beginn als durchaus zeitgemäß, ein konsequentes verharren in den Achtzigern wie etwa bei ihren Labelkollegen von SUNSTORM bleibt aus. "Faithless" hätte von der Gitarrenarbeit her locker auf den letzten Output von JOURNEY gepasst, denn die dezent modernisiert klingenden Riffs findet man da öfter. Keine allzu große Überraschung allerdings wenn man bedenkt, dass der Vergleich mit den AOR-Giganten schon früher bei der Truppe gezogen wurde. Vor allem bei der Bridge, in der Danny Vaughn mit seinem immer noch tollen melodiösen Organ glänzt sind die Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen.

Beim folgenden "Love To Love", welches sehr lässig mit Schönwetteratmosphäre daher kommt, macht sich ein weiterer Bestandteil des TYKETTO-Sounds bemerkbar. Wie schon bei den letzten Alben unterstützt die akustische Klampfe des Frontmanns die Riffs von Brooke St.James. Diese Harmonien verleihen dem Quartett bei allen sich in dem eng begrenzten Genre unvermeidlichen Querverweisen eine gewisse Eigenständigkeit.
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das anschließende "Here´s Hoping It Hurts" bevor mit "Battle Lines" ruhigere Töne angeschlagen werden. Die musikalische Ausrichtung des Sängers in der Zwischenzeit macht sich hier erstmals deutlich bemerkbar. Und genau diese Passagen hängen ein wenig auf der Scheibe, weil da die ohnehin nicht allzu druckvolle Rhythmusfraktion noch weiter im Hintergrund steht.

Wieder mehr auf das Gaspedal langt dann "The Fight Left In Me", das mit einem kurzen Solo einsteigt und danach toll nach vorne treibt. Leider fällt der Refrain ein wenig ab, hier wird zu sehr in den Kitsch-Topf gegriffen. Ähnliches gilft für den Titeltrack, der mit interessanten Drumparts aufwartet und in dessen Solo die Slide-Gitarre ausgepackt wird. Noch mehr die Blues-Kehle wird in "Sound Off" geschwungen, das an angefunkte LED ZEPPELIN erinnert.
Eher wieder locker rockende Kost bieten die restlichen Songs, bei denen auch wieder die Akustikgitarre Rhythmusparts übernimmt. Vor allem "Monday" könnte mit seinen Country-Anleihen auf einem jüngeren Werk von BON JOVI Platz finden. "Dig In Deep" klingt mit der sehr ruhigen Ballade "This Is How We Say Goodbye", die von Streichern getragen wird noch einmal sehr seicht aus.

Natürlich waren TYKETTO jetzt noch nie die Rocker vor dem Herrn und legten mehr Wert auf eingängige, teils fast klebrige Melodien. Doch so richtig wollen die Hooks auch hier nicht zünden, manches wirkt doch ein wenig konstruiert. Dazu kann wie schon erwähnt die Rhythmusgruppe kaum knallige Arrangements setzen. So bleibt es an Vaughn mit seiner schönen und phrasierungsstarken Stimme die Scheibe aus dem Durchschnitt zu retten. Gegenüber ihren letzten Werken fällt die neue Scheibe auch nicht ab, während das Debüt weiter unerreicht bleibt. Netter Cabriorock, der die Freunde der Formation mit Sicherheit nicht enttäuschen dürfte. (Pfälzer)


Bewertung: 7 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 45:31 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 20.04.2012

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