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Steve Walsh - Shadowman Was kommt dabei heraus, wenn sich ein Dinosaurier des Musikbusiness nach längerer Abstinenz mit einigen mehr oder weniger namhaften Kollegen und alten Mitstreitern umgibt, das Ganze von qualitativ hochwertiger Hand orchestrieren lässt (SYMPHONY X´s-Kopf Michael Romeo) und selber die Keyboardparts und Lead Vocals beisteuert und auch noch eigenhändig produziert? Steve Walsh – seinerzeit Mitgründer der legendären KANSAS versucht dergleichen und bringt uns mit „Shadowman“ ein zwar nur acht Titel umfassendes, aber überaus abwechslungsreiches Werk der Marke „Progressive Hard Rock“ ins Haus. Nachdem KANSAS in den 70ern so ziemlich alles abgeräumt hatten, verfolgte Mr Walsh Anfang der Achtziger zunächst eigene Wege mit STREETS – was aber 1986 bereits in eine KANSAS-Reunion mündete und seitdem noch diverse Studioalben hervorbrachte, die aber an die großen 70er Erfolge wie „Carry On Wayward Son“ oder „Dust In The Wind“ nicht mehr anknüpfen konnten. Nichtsdestotrotz ist der Name Walsh wohl nicht nur eingefleischten Fans ein Begriff – und mit „Shadowman“ wird er so ziemlich jeden an der ein oder anderen Stelle überraschen. Da wären das sich langsam aufbauende, zwischenzeitlich mit sehr modernem Riffing versehene und größtenteils extrem progressive „Rise“ direkt zu Beginn – leider noch mit etwas schwachen Gesangsleistungen.
Danach kann der Titeltrack „Shadowman“ schon mehr reißen – etwas rockiger und atmosphärischer ausgelegt breitet Walsh auf fast sieben Minuten Spielzeit einen imposanten Soundteppich aus – wenngleich er auch hier stimmlich ein wenig zu oft an Holly Johnson (FRANKIE GOES TO HOLLYWOOD) erinnert.
Richtig aufgedreht wird mit „Davey And The Stone That Rolled Away“ – ganz im Gegenteil zum etwas sperrigen Songtitel wird hier anständig gerockt und erinnert gar etwas an frühe SAXON – natürlich nicht während der ausgiebigen Keyboardpassagen. Und auch „Keep On Knockin´“ gibt sich recht straight und rockig – Gitarrist Joel Kosche (COLLECTIVE SOUL) entpuppt sich da als wahrer Retter.
Genug gerockt vorerst – plätschert sich „Pages Of Old“ doch mit einem in den sanften Gesangslagen leicht wackeligen Walsh eher seicht und balladesk durch die Weltgeschichte . Dagegen kann sich „Hell Is Full Of Heroes“ wieder richtig hören lassen und geht direkt mitten ins Ohr. Zum epischen (10 Minuten!) „After“ tritt denn Walsh´s alter KANSAS-Mitstreiter David Ragsdale mit seiner Geige in Erscheinung und verleiht dem Song mit dem überdurchschnittlich hohen Instrumentalanteil einen Hauch von MÄGO DE OZ & Co. – Die Arrangements von Michael Romeo tun ihr übriges – ein bis auf wenige Passagen hervorragender Titel. Mit dem leider wieder zu uninspirierten „The River“ beschließt Walsh dann das Album.

Steve Walsh überrascht – zum Einen mit hervorragenden Rocknummern – zum anderen mit übermäßig breitgewalzten und nichtssagenden Nummern. Dabei merkt man in den guten Abschnitten, wie viel Kreativität und Potential auch im einundreißigsten Jahr der Karriere des oft unterbewerteten Ausnahmemusikers noch in dem Mann stecken. Aber auch, wenn das Album nur acht Songs hat, sind zwei bis drei gute Titel etwas zu wenig, um über eine durchschnittliche Wertung hinaus zu kommen.

Note: 6,5 / 10

Anspieltipps: „Davey And The Stone That Rolled Away”, „After”

VÖ: 04.07.2005

Spielzeit: 48:57 min
Titel: 8
Label: Frontiers Records


(Naglagor)
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