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Oha, Hyperaktivität im NAGLFAR-Lager? Waren die Nordschweden bislang für mehrjährige Veröffentlichungspausen bekannt bzw. berüchtigt, erscheint nun bereits zwei Jahre nach „Sheol“ der Nachfolger in Form des vierten Studioalbums „Pariah“. Und dass diese Zeit ereignislos war, kann man wohl auch nicht behaupten. Zum einen bescherte das überragende „Sheol“ der Band einen großen Populationsschub, was sich in vermehrten Touren und Festivalauftritten, auch hierzulande, auswirkte. Zudem ist vor kurzem Vokalist Jens Rydén ausgestiegen, um sich voll auf sein Kunststudium zu konzentrieren. Dieser Verlust konnte allerdings durch eine bandinterne Personalumbesetzung sanft abgefangen werden, hat doch Bassist Kristoffer „Wrath“ Olivius schon bei Setherial nachgewiesen, einen amtlichen Black Metal-Sänger abzugeben. Steht einem weiteren Meisterwerk aus dem Hause NAGLFAR offensichtlich nix mehr im Weg… Allerdings macht es das neue Album dem geneigten Hörer nicht so einfach wie „Sheol“, das einem schon nach dem ersten Hören begeistert vom Stuhl fegte. „Pariah“ klingt nach den ersten Durchläufen irgendwie seltsam gleichförmig, ohne echte Höhepunkte. Stilistisch hat sich dabei kaum etwas verändert, allenfalls dass im Vergleich zum Vorgänger etwas mehr auf Aggression als auf Melodien wert gelegt wurde, fällt auf, weshalb „Pariah“ für mich das bislang blackmetallischste Werk der Schweden geworden ist. Dass aufgrund der aggressiveren Grundausrichtung allerdings auf die typischen klirrenden Gitarrenmelodien verzichtet wurde, muß kein Fan befürchten, allerdings stehen sie – auch produktionsmäßig – etwas mehr im Hintergrund als gewohnt, was den Wiedererkennungswert der einzelnen Songs mit erschweren dürfte. Es braucht daher einige Durchläufe, bis „Pariah“ so richtig zünden kann, dann aber gewaltig, und es wird schwer, Songs wie den rasenden Opener „A Swarm Of Plagues“ oder das überraschend an Marduk erinnernde „Spoken Words Of Venom“ aus dem Kopf zu bekommen. Und das gilt ausnahmelos für alle neun Eigenkompositionen, von denen nicht einer auch nur ansatzweise als Ausfall zu werten ist. Auf der digiverpackten Erstauflage findet sich übrigens zudem noch die gelungene Coverversion „The Calling Blaze“ von den alten Schweden-Blackies Throne Of Ahaz.

Unterm Strich düfte „Pariah“ also trotz gewisser Anlaufschwierigkeiten für keinen NAGLFAR-Fan eine Enttäuschung darstellen. Ob man es allerdings wie seine Vorgänger „Vittra“, „Diabolical“ und „Sheol“ zukünftig als Klassiker des extremen Schwedenmetals klassifizieren kann, wird sich wohl erst in der Langzeitwirkung herausstellen. Im Moment würde ich es bezweifeln, da ich es trotz allem (noch) nicht ganz die Klasse seiner Vorgänger bescheinigen würde. Das heisst allerdings nichts, denn auch „Diabolical“ hat beispielsweise erst nach längerer Zeit so richtig gezündet. Noch ist für „Pariah“ also nichts verloren, und besser als fast alles andere, was heutzutage im Black Metal herauskommt, ist es allemal!

(Kai)

Bewertung: 8,0 / 10 Punkte


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 44:04 min
Label: Century Media
Veröffentlichungstermin: 20.06.2005
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