Alter Bridge - ABIIINach der letztjährigen CREED Reunion mit Sänger Scott Stapp und der sehr erfolgreichen wie gelungenen Comebackscheibe „Full Circle“ musste man sich einige Sorgen um die Quasi-Nachfolgeband ALTER BRIDGE machen und die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Band durfte schon aufgeworfen werden, schließlich gehören drei Viertel von CREED (die Instrumentenfraktion) auch zu ALTER BRIDGE, aber das wisst ihr ja sowieso! Schade wäre ein vorzeitiges Ende von ALTER BRIDGE auf jeden Fall gewesen, schließlich gehören deren ersten beiden Platten „One Day Remains“ (2004) und „Blackbird“ (2007) mit zum besten, was es in Sachen Alternative Rock in den letzten 10 Jahren zu hören gab. „Hätte, wäre, wenn“, ALTER BRIDGE gibt es nach wie vor in unveränderter Formation mit Myles Kennedy als Sänger, der in den letzten Monaten mit SLASH in der Weltgeschichte getourt ist, und das ist auch prima so wie das gerade erschienene dritte Studioalbum „AB III“ untermauert. Die eingangs aufgeworfenen Frage beantworten ALTER BRIDGE mit „AB III“ auf beeindruckendste Art und Weise, da kann man fast sogar schon fragen, wer braucht noch CREED, wenn es diese vier Herrschaften schaffen, auf zwei Glanztaten ein fast noch Glänzerendes draufzusetzen.

Ich spreche von „fast“ nur deshalb, weil „AB III“ vemutlich nicht besser als seine beiden Vorgänger geworden ist, aber es wäre auch vermessen gewesen zu erwarten, dass ALTER BRIDGE noch mal eine Schippe werden drauf legen können. Nein, wenn man sich auf einen Vergleich einlässt, wird man feststellen, dass „AB III“ schlicht ganz genauso gut und ganz genauso essentiell ist wie die ersten beiden ALTER BRIDGE Alben und mal ehrlich, was will man als Fan mehr?

Bereits der erste Song „Slip To The Void“, der überraschend ruhig beginnt und dann richtig abgeht, ist die reinste Offenbarung und wegen diesem famosen Spannungsaufbau vielleicht sogar der beste ALTER BRIDGE Song aller Zeiten, und wer die ersten beiden Alben kennt, weiß, dass da so einige Kracher darauf waren. Eigentlich ahnt man bereits zu diesem Moment, dass ALTER BRIDGE mit diesem Album nur gewinnen können und das tun sie in der Folge mit einem 14 zu 0 Kantersieg. „Isolation“ ist anschließend sogar noch eine ganze Spur härte als der Opener, mit einer ähnlichen metallischen Härte hauen uns die Amis später noch „Still Remains“ um die Ohren.

Sowieso fällt auf, dass „AB III“ für eine Alternative Platte rockt wie Sau, ALTER BRIDGE treten einfach mehr Arsch als CREED es je getan haben und verzichten zudem auf dieses pathetisch-theatralische Element. Myles Kennedy, der auf „AB III“ erneut eine Glanzleistung abliefert (es ist kein Wunder, dass er von SLASH für seine aktuelle Tour engagiert wurde), ist eben ein ganz anderer Frontmann als Scott Stapp; „anders“ wohlgemerkt, nicht „besser“. Und alleine schon deshalb haben ALTER BRIDGE für immer ihre Daseinsberechtigung.

Nach diesem Inferno ganz zu Beginn, schrauben die vier Amis das Energielevel in der Folge dezent nach unten, „The Ghost Of Days Gone By“ und „All Hope Is Gone“ stehen tendenziell in der Tradition von Songs wie „Open Your Eyes“ oder „Watch Over You“, mit denen man in den USA auch auf dem Mainstream Markt erfolgreich war. Und dass es auf „AB III“ auch Balladen gibt, dürfte eh jedem klar sein, mit „Wonderful Life“ und „Life Must Go On“ sind es zwei an der Zahl, und dass auch diese beiden stark ausfallen, erwähne ich nur der Vollständigkeit halber. Für „AB III“ gilt sowieso die Devise, dass man trotz der stattlichen Anzahl von 14 Songs nur Treffer am Start hat.

Nun gut, wie ihr sehen könnt, steht unter diesem Review nicht die Höchstpunktzahl, also was hätten ALTER BRIDGE noch besser machen können? Der einzige Makel, der sich finden lässt, und der auf ähnliche Weise auch auf andere Alben zutrifft, ist, dass der Vierer zu viel wollte und zu viele Ideen hatte, so dass das dritte Studioalbum am Ende mit 14 Songs bis zum Rand vollgepackt wurde. Nun, es schwächelt keine einzige dieser Nummern auch nur ansatzweise, aber wäre „AB III“ etwas kompakter, dann würden auch die zunächst etwas unscheinbaren Stücke wie „Fallout“ oder „Make It Right“ besser rüberkommen und das gesamte Werk wäre etwas kurzweiliger. Ganz klar ein Luxusproblem, aber was das angeht, hat das Debüt „One Day Remains“ nach wie vor die Nase vorne. Und überdies schreibt man so einen epischen Übersong wie „Blackbird“ auch nicht alle Tage, ein Song dieses Kalibers hätte „AB III“ die Krone aufgesetzt.

Und wieder sind wir bei „hätte, wäre, wenn“ angelangt, bei einem kann man sich jedenfalls sicher sein, in diesem Jahr (und vermutlich auch nicht in den nächsten beiden Jahren), wird keine Band aus dem Alternative Sektor das hier toppen können. „AB III“ ist in einem durchwachsenen Jahr ein sicherer Kandidat für meine persönliche Top 5 und sollte es eigentlich auch bei euch sein, sofern ihr auch nur ansatzweise etwas mit alternativem harten Rock anfangen könnt. (Maik)

 

Bewertung: 9 / 10

Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 66:37 min
Label: Roadrunner Records
Veröffentlichungstermin: 08.10.2010

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