island_island.jpgUnter dem Namen "Zeitgeister" haben sich fünf Musiker zusammen gefunden, die ihrer gemeinsamen Liebe für avandtgardistische Sounds frönen wollen. Das tun sie in wechselnden Besetzungen in verschiedensten Projekten wie KLABAUTAMANN oder VALBORG, die allesamt mehr oder minder im Metal verwurzelt sind, aber die Vorgaben weiterspinnen. Das neueste Produkt aus dem Hause ist "Island", das selbst betitelte Zweitwerk der gleichnamigen Formation, bei der hauptsächlich Christian Kolf und Florian Toyka beteiligt sind. Dies ist zwar schon seit vier Jahren fertig gestellt, aber fand erst jetzt den Weg in den Vertrieb. Die Eigenständigkeit, den das Konglomerat mit ihrer Arbeitsweise hat, bei der man sich auch um alle geschäftlichen Belange kümmert, birgt dann leider auch Nachteile.

Nun ist der Dreher endlich auf dem Markt und hinterlässt von den anfangs bei ISLAND maßgebenden Black-Metal-Elementen nur noch sehr wenig übrig. Stattdessen regieren hier akustische Gitarren und versponnene Klangmalereien. Schon der elfminütige Opener "Jukai" beginnt sehr ruhig mit getragenem, klagenden Klargesang. Dies setzt sich über die gesamte Dauer nicht nur bei der Nummer fort, einzig "Origin" braust zwischendurch ein paar Mal auf.
Das Album legt eher wert auf ambiente Atmosphären, mit hartem Sound hat es nicht mehr viel zu tun. Dabei gelingt es den beiden Komponisten geschickt mit der Dynamik zu spielen, die Soundwogen immer wieder anschwellen und dann wieder zusammen fallen zu lassen. Zu den akustischen Sechssaitern gesellen sich hin und wieder dezente Leadpassagen, die aber eher unterstützend denn dominierend wirken.

Wen das jetzt an späte ANATHEMA oder "Damnation" von OPETH erinnert, der liegt so falsch gar nicht, denn die verfolgen einen ähnlichen Ansatz, vor allem hinsichtlich der Instrumentierung. Während sich gerade die neue ANATHEMA zu sehr im Wohlklang der Streicher suhlt, gehen ISLAND sehr viel unterkühlter und distanzierter zu Werke. Die wohlige Wärme der erwähnten Veröffentlichungen wird nicht erreicht, in Sachen Dichte können die Deutschen sicher Schritt halten.
Ein anderer Name, der hier eindeutig in den Ring geworfen werden muss, ist DORNENREICH, vor allem jene ebenso reduzierten, ruhigen Werke. Wie auf diesen finden sich auf "Island" viele Riffs, die härter und elektrisch angeschlagen durchaus die Essenz der ursprünglichen Idee darstellen könnten. Doch das ist nicht wonach die Zeitgeister suchen, denn hier geht es um neue Ausdrucksformen.

Und das ist ihnen auch mit dieser Scheibe wieder gelungen, denn sie bleibt aufgrund vieler kleiner Details über die gesamte Spieldauer interessant, auch wenn sie bisweilen recht sperrig daher kommt. Als zusätzliche Verfeinerung spielte Clemens Toyka einige Blasinstrumente ein, die den Songs wie "Waterside" mehr Abwechslung verliehen. Die Drums hingegen sind zu sehr im Hintergrund gehalten, was manches Arrangement nicht fordernd genug in Szene setzt.
Wenn hier schon der wirkliche Drang fehlt, so müsste man ein wenig an der Ausdruckskraft arbeiten, denn die Titel strahlen irgendwie kein Charisma aus. Daher wirken sie nicht so eindringlich wie die der genannten Konkurrenz, auch wenn die Sprödigkeit durchaus einen eigenen Charme besitzt. Dennoch könnten Fans, die von der neuen ANATHEMA enttäuscht sind, hier eine Alternative finden. (Pfälzer)


Bewertung: 7 / 10

Anzahl der Songs: 7
Spielzeit: 56:56 min
Label: Zeitgeister/Vendlus Records
Veröffentlichungstermin: 29.04.2010

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