Mehrfach-Wertung der Redaktionnevermore_theobsidianconspiracy.jpgKeine Frage, „The Obsidian Conspiracy“ ist neben der neuen IRON MAIDEN und der im Herbst erscheinenden neuen BLIND GUARDIAN Scheibe das meist erwartete Album in diesem Jahre. Diese hohe Erwartungshaltung hat sich in der Vergangenheit zwar nur bedingt in Verkaufszahlen niedergeschlagen, sie ergibt sich vielmehr aus dem guten Ruf, den sich die Seattle-Metaller seit den Anfängen durch ihre fantastischen Alben und ihre exzellenten Gigs hart erarbeitet haben. Zudem liegt das letzte Studiomeisterwerk „This Godless Endeavor“ auch schon fünf Jährchen zurück, was zusätzlich die Spannung hebt. Zum Glück hat irgendwann jedes Warten sein Ende und „The Obsidian Conspiracy“ ist inzwischen draußen und nun stellt sich natürlich die Frage: Wie ist die Verschwörung geworden? 

Leute, ich habe keine Ahnung!?! Ich habe „The Obsidian Conspiracy“ in den vergangenen zwei Wochen geschätzte 20 Mal gehört und von Ernüchterung bis hin zu Begeisterung offenbarte sich mir eine fast schon ambivalente Gefühlswelt, wobei glücklicherweise im Laufe der Zeit der positive Charakter die Überhand gewann. Oder in Zahlen ausgedrückt: Zwischen 6 und 9 Punkten könnte ich alles vertreten! Im Reinen bin ich mit „The Obsidian Conspiracy“ aber noch lange nicht und vermutlich werde ich es auch nie werden. Ich versuche es mal so zu erklären.

Gefühltermaßen ist „The Obsidian Conspiracy“ ein umgekehrtes „Enemies Of Reality“. War dieses Album damals mit durchweg brillianten Songs ausgestattet, aber von Kelly Gray mit einem suboptimalen Sound gesegnet worden, so wurde „The Obsidian Conspiracy“ von Peter Wichers und Andy Sneap nahezu perfekt in Szene gesetzt, aber die Songs...die lassen etwas zu wünschen übrig!   
Das Problem bei „The Obsidian Conspiracy“ beginnt gleich schon mit dem etwas unglücklich gewählten Opener „The Termination Proclamation“, der nach gerade mal 3 Minuten auch schon wieder zu Ende ist und nahtlos in „Your Poison Throne“ übergeht, den umstrittensten Song dieses Albums, weil NEVERMORE es gewagt haben im Refrain einige moderne „Rise, Rise, Rise“ Shouts einzubauen, die man entweder liebt oder hasst! Auf jeden Fall hat dieser Song im Gegensatz zum etwas drögen Opener Hand und Fuß und wäre sicherlich auch kein schlechter Kandidat für eine Single. Das an dritter Stelle stehende „Moonrise (Through Mirrors Of Death)“ sorgt dann wegen diesem typischen hymnischen NEVERMORE Refrain zum ersten Mal für richtige Begeisterung und auch die eingestreuten Spoken Word Passagen machen sich wirklich gut. „And The Maiden Spoke“ wirkt danach etwas zerfahren und kann sich nicht zwischen progressivem Metal, Thrash und moderner Eingängigkeit entscheiden, bevor das kraftvoll-balladeske „Emptiness Unobstructed“ ein zweites Mal die Lauscher sperrangelweit öffnet. Was für ein Chorus, was für tolle Melodielinien, was für ein Spannungsaufbau, das sind die Emotionen, die man von NEVERMORE hören möchte; diesen Song hätte man auch „The Heart Collector Pt. II“ nennen können.

Tja, es ist schon interessant, dass es vor allem die langsameren Songs sind, die auf „The Obsidian Conspiracy“ herausragen und tatsächlich herausragend sind, denn auch das unmittelbar darauf folgende „The Blue Marble And The New Soul“ weiß zu gefallen, auch wenn es natürlich ungeschickt ist, zwei Halbballaden hintereinander zu setzen. Da bekanntlich aller guten Dinge nicht immer drei sind, packen NEVERMORE anschließend mit „Without Morals“ erneut die Keule aus, ohne allerdings wirklich aggressiv rüberzukommen. Wieder mal nicht wirklich Fisch noch Fleisch, zudem macht sich so ein Gefühl breit, dass einem einige Passagen bereits aus der Vergangenheit vertraut sind. „The Day You Built The Wall“ ist danach nochmals eine ganze Spur ruhiger und explodiert nur, sobald der Chorus nahe ist. Mit Sicherheit neben „And The Maiden Spoke“ die Nummer des Albums, bei der NEVERMORE am experimentierfreudigsten sind. Insgesamt ein ziemlich gelungener Song, der gut auf die letzten beiden Songs von „The Obsidian Conspiracy“ vorbereitet.         

Denn letztendlich sind es diese beiden, „She Comes In Colors“ und „The Obsidian Conspiracy“, die das Ruder noch rumreißen und das Album mehr als versöhnlich abschließen können. „She Comes In Colors“ beginnt ganz klassich als Akustikballade und steigert sich dann von Sekunde zu Sekunde, wohingegen der Titelsong der einzige ist, der von Anfang bis Ende die wütenden NEVERMORE zeigt, wie man sie von „The Politics Of Ecstasy“ oder vom letzten Studioalbum kennt und liebt.

Damit ist ein Durchlauf von „The Obsidian Conspiracy“ nach gerade einmal 45 Minuten vollendet und ich gebe es gerne zu, dass es Jammern auf hohem Niveau ist, aber „The Obsidian Conspiracy“ ist das bislang „schwächste“ NEVERMORE Album! Man fragt sich beim Hören schon öfters mal, wo sind die Brecher der Marke „Born“, wo sind die progressiven Longtracks wie „This Godless Endeavor“ oder „The Learning“, die einen nicht mehr los lassen? Wo sind die Gänsehautballaden wie „Matricide“ oder „Believe In Nothing“, wo ist die Experimentierfreudigkeit eines „Nourmenon“ und wo sind die Aggressionen und die Angepisstheit eines Warrel Dane geblieben?   

Viele werden gehofft haben, dass die Soloprojekte der beiden Protagonisten Warrel Dane („Praises To The War Machine“) und Jeff Loomis („Zero Order Phase“) der Band spürbar neue Kraft werden verleihen können, aber dem ist leider nicht so. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn das deutlich straightere und songdienlichere Songwriting der Solowerke schlägt nun auch voll durch auf die NEVERMORE Songs! Man wird das Gefühl nicht ganz los, dass „The Obsidian Conspiracy“ so eine Art „Nummer Sicher“ Album ist. Dass das Ganze vom technischen Aspekt nach wie vor kaum besser geht, dass Jeff Loomis einer der besten Gitarristen des Planeten ist, dass Warrel Dane einer von wenigen ist, die mit ihrer Stimme einen in den Bann ziehen können und dass die Rhythmusabteilung um Jim Sheppard und Van Williams für deutlich mehr sorgt als nur ein solides Fundament, das ist natürlich auch alles auf „The Obsidian Conspiracy“ der Fall, und das mag je nach Betrachtungswinkel hier zu kurz gekommen sein, eben ganz einfach weil man das so gewohnt ist! 

Es zeichnet sich mehr und mehr ab, dass 2010 das Jahr der Enttäuschungen wird und NEVERMORE gehören da irgendwie dazu, auch wenn „The Obsidian Conspiracy“ wie dargestellt beileibe kein schlechtes Album ist, weswegen 8 Punkte absolut gerechtfertigt sind! Aber was sind schon 8 Punkte, wenn man sonst in der 9er oder 10er Liga gespielt hatte! (Maik)

Bewertung: 8 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 45:07 min
Label: Century Media
Veröffentlichungstermin: 28.05.2010

Wertung der Redaktion
Jochen Bernie Holger Rainer Mika Brix Seb
7 8 8 7,5 7 7 8,5
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