orphaned_land_-_the_never_ending_way_of_orwarrior.jpgFür mich ist mal wieder ein absoluter Tag musikalischer Freude. Ich schaue auf die neuen Releases und entdecke ein Schmankerl, das ich mir schnellstmöglich für meinen Schreibtisch sichern muss. Ganze sechs Jahre nach dem wahnsinnig genialen Album „Mabool“ der israelischen Band ORPHANED LAND kommt nach so langer Zeit endlich der Nachfolger mit dem Namen „The Never Ending Way of ORwarriOR“. Ich persönlich kenne zwar nur den Vorgänger „Mabool“ aber alleine dieser konnte mich komplett mit seiner Vielfalt und spektakulären Einlagen überzeugen. Völlig gespannt schnappe ich mir dieses Scheibchen, werfe es in die Anlage und lasse mich von dieser kunstvollen Art des selbstbetitelten „Middle Eastern Metal“ berieseln und hege sogleich die Hoffnung, dass ORPHANED LAND es schaffen die wahnsinnig hohe Messlatte des Vorgängers beizubehalten.

Der israelische Sechser lehnt sich mit seiner innovativen Musik komplett gegen die politischen Gegebenheiten des nahen Ostes auf. Während in den Medien die Berichterstattungen nicht abreißen, täglich neue Konflikte und Tote zu hören sind beweisen ORPHANED LAND mit ihrem Musikstil, in welchem sowohl hebräische als auch arabische Einflüsse zu finden sind, und ihren Texten, dass es einfach auch anders geht. Gerade in diesen Ländern und der dort vorherrschenden politischen Situation ist das tatsächlich ziemlich mutig. Da ist es nicht verwunderlich, dass sowohl Araber als auch Hebräer sich als Fans dieser Band sehen. Doch leider werden ORPHANED LAND wohl so schnell nicht vor ihren Fans in Heimatstaaten ihrer arabischen Fans spielen können.

In dem mir vorliegenden Promotext gibt Sänger Kobi Farhi ein schönes Statement ab, das ich euch keineswegs vorenthalten möchte. So sagt er: „Da wir in die Tragödie, die unsere Heimat mit sich bringt, hinein geboren wurden, egal ob wir wollten oder nicht, haben wir uns schon immer dafür eingesetzt, durch unsere Musik diese Konflikte zu lösen und den Drahtseilakt zu vollbringen all das Gegensätzliche zu vereinen. Selbst im Artwork des Albums haben wir Hebräisches und Arabisches kombiniert, ungeachtet des Konflikts, der zwischen diesen Kulturen tobt. Ich habe einen Jordanier kennengelernt, der sich auf Kalligraphie spezialisiert hat. Er hat Buchstaben aus dem Hebräischen und dem Arabischen genommen und daraus ein Symbol des Friedens geschaffen. Dasselbe gilt auch für unsere neuen Bandfotos, auf denen wir eine Synergie der drei monotheistischen Religionen vollführen. Obwohl wir alle an denselben Gott glauben, töten wir einander lächerlicherweise im „Namen Gottes“, was einfach nur völliger Quatsch ist und unser Land an den Ruin führt. Diese Symbolik führen wir auch musikalisch weiter. Das Ergebnis ist unglaublich, es ist ein Wunder – auf unseren Konzerten singen jüdische Fans auf Arabisch und die arabischen Fans auf Hebräisch, starke Freundschaften sind aus diesen Begegnungen hervorgegangen und unser Middle Eastern Metal schafft es, den politischen Irrsinn zu beenden, unter dem wir seit so vielen Jahren leiden.“ 

Ich finde dieses Statement zeigt sehr schön mit was für einer Band und auch mit welcher Musik man es hier zu tun hat. Sie beinhaltet klare Worte, klare Vorstellungen und weiß wirklich ein sehr wichtiges Thema anzureißen. Davor kann man meiner Meinung nach absolut nur Respekt haben und ganz klar den Daumen noch oben zeigen. Doch ich will euch jetzt keine politischen Texte vor den Latz knallen und den Hintergrund der Musik betrachten sondern euch nun lieber vermitteln wie das aktuelle Album geworden ist.

Sechs Jahre sind eine absolut lange Zeit. Doch der Sechser hat nicht nur Zeit verplempert, sondern insgesamt sogar 600 Stunden im Studio verbracht und wartet noch mit anderen Spektakeln auf. „The Never Ending Way of ORwarriOR“ kann wirklich problemlos mit dem Vorgängeralbum mithalten. Selbstverständlich hat sich im Laufe der Zeit die Musik aber auch weiterentwickelt und setzt neue Schwerpunkte im Vergleich zu „Mabool“. Stilmäßig wird hier alles geboten was das Musikherz begehrt. Von überwiegend ruhigen Parts mit eingängigen Melodien, über progressiv angehauchte Schmankerl, bis hin zu härteren Tönen und Gesangslagen ist einfach absolut alles dabei was man sich vorstellen kann. Gepaart wird das schließlich mit starkem orientalischem Einfluss. Die OPETH des nahen Ostens könnte man schon fast sagen, obwohl hierbei eben die oben genannten weiteren Einflüsse stark dazukommen.

Das Album wartet auf seine Hörer mit 15 fabelhaften Songs und einer Spielzeit von wahnsinnigen 78 Minuten. Hier wird absolut etwas für sein Geld geboten. „The Never Ending Way of ORwarriOR“ lässt sich in drei thematische Abschnitte unterscheiden. Als “Godfrey's Cordial – an ORphan's life”, “Lips Acquire stains – The warriOR awakens” und “BARAKAH – enlightening the Cimmerian” werden diese betitelt. ORPHANED LAND beweisen mit ihrem vierten Streich absolutes Herz, musikalische Innovation und Begeisterung für ihre Sache. Man spürt richtig den roten Faden durch ihre Musik und lässt sich nur allzu gerne von dem Silberling berieseln. Auch die unterschiedlichen Sprachen (Englisch, Arabisch, Hebräisch) tragen dazu bei, dass sich eine wahnsinnige Atmosphäre aufbaut. Von Seiten des Gesangs wird auch wieder alles geboten was man sich vorstellen kann. Von durchdringenden gesprochenen Passagen, herzergreifendem cleanen Gesang von Männlein und Weiblein, bis hin zu Growls die unter die Haut gehen. Es ist wirklich einfach alles in diesem Album drin was man braucht.

Kosten und Mühen wurden hier keineswegs gescheut. Eine Vielzahl von Instrumenten wurde aufgefahren um diese wahre Soundwand zu erzeugen. Orientalische Schlaginstrumente, Saz, Bouzouki, Geigen, Cümbüs, Klavier, orientalische Flöten und noch viele andere Musikinstrumente von denen man meist sicherlich noch nie etwas gehört hat schaffen eine Atmosphäre wie man sie in dem Metalbereich bisher einfach nicht so kennt. Aufgenommen wurde das Album zusammen mit dem Arabian Orchestra durch welches eine zusätzliche unglaubliche Variation des Silberlings geschaffen wurde.

Aber auch wenn ich die ganze Zeit nur am schwärmen bin, so hält der vierte Streich auch ein paar Schwächen bereit. Jeder Song für sich betrachtet ist absolut genial und hat eigentlich eine vollkommen Höchstwertung verdient, jedoch plätschert ab einem gewissen Zeitpunkt bei der Fülle des Materials alles ein bisschen vor sich hin. Ich hätte niemals gedacht dass ich das jemals sagen würde, aber eigentlich ist das Album schon fast zu lang. Es ist also kein Werk, dass man sich einfach mal so zur Seite nimmt und hört, sondern man muss wirklich Zeit mitbringen, alle Feinheiten zu erfassen und die Platte ganz zu hören. Für meinen Geschmack fehlt auch einfach ein enorm zündender Song. Wie gesagt, die Tracks sind alle genial, aber kein einziger ist in der Lage sich von den anderen abzuheben und so wartet man die ganze Zeit auf einen richtigen Knüller, der das Album zu etwas komplett besonderem macht.

Was soll ich euch noch mehr von „The Never Ending Way of ORwarriOR“ erzählen? Ich könnte sicherlich noch gute zwei Seiten darüber schreiben, wie genial tiefgründig die Musik ist, wie innovativ sie ist, wie viel Abwechslung sie enthält und dauerhaft ein enorm hohes Niveau erhalten wird, aber ich denke das sollte bisher schon deutlich geworden sein. Von daher kann ich nur noch meine absolute Kaufempfehlung aussprechen. Hört euch dieses Album an, am besten auch gleich den Vorgänger mit und ich hoffe ihr werdet so fasziniert sein wie ich. Kaufen, kaufen, kaufen!!! (Sebastian)


Bewertung: 9 / 10

Anzahl der Songs: 15
Spielzeit: 78:22 min
Label: Century Media
Veröffentlichungstermin: 22.01.2010

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