dreamtide_dream.jpgHannover ist sicher als die deutsche Hardrock-Hauptstadt zu sehen und das nicht nur weil die internationalen Stars von den SCORPIONS dorther kommen. Gerade Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger fanden sich solche Kapellen wie VICTORY, SARGANT FURY oder THUNDERHEAD in der niedersächsischen Messe-Metropole zusammen. FAIR WARNING kann man auch dazu zählen, obwohl die Truppe etwas zu spät kam. Nach ihrer Reunion müssen sie sich ihren Frontmann Tommy Heart mit den Süddeutschen SOUL DOCTOR teilen. Wenn dieser gerade wieder mit seiner Zweitband unterwegs ist greifen Gitarrist Helge Engelke, Keyboarder Thorsten Lüderwaldt und Drummer CC Behrens auf Olaf Senkbeil zurück, um mit bei DREAMTIDE zu rocken. Nach fünf Jahren Pause erscheint nun ihr drittes Werk „Dream and Deliver"
Bei der Combo gibt es auch ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten, nämlich Francis Buchholz, den Senkbeil aus seiner Zusammenarbeit mit ULI JON ROTH her kennt. Der Mann war mit seinen tiefen Tönen 20 Jahre lang maßgeblich am Aufstieg der größten Band seiner Heimatstadt beteiligt. Nach seinem Ausstieg 1992 hatte man lange nichts von ihm gehört, ob er das rocken nicht verlernt hat?

Das neue Werk des Seitenprojektes legt allerdings den Schwerpunkt nicht nur auf Rockpower, sondern geht eher in gemäßigteren AOR-Gefilden fischen. Große Melodien sind hier eher Trumpf als harte Gitarren. Trotzdem muss der geneigte Hörer keine seichte Kost befürchten. Am besten nachzuhören im flotten „I don´t wanna wait", tolles Melodic-Metal-Kino wie in besten Zeiten.
Und auch wenn „Stronger" eher auf der Akustischen basiert oder „King of Scum" von Synthesizern dominiert wird rocken beide Stücke richtig gut nach vorne. Dazu gibt es immer wieder schöne atmosphärische Nummern mit Keyboard-Flächen, haufenweise Soli, auch von Thorsten Lüdewaldt. Der Mann muss sich nicht mit Hintergrundgeplänkel zufrieden geben, stehen seine vom Sound an DRAGONFORCE erinnernden Key-Kaskaden gleichberechtigt neben Helge Engelkes Lead-Fills. Am stärksten sind die beiden aber wenn sie sich fast schon virtuos wie JOURNEY duellieren.

Dazu gibt es immer wieder schöne bluesige Ausflüge, vor allem in der Klasse-Ballade „Dancing with the Nightfall", bei der Olaf Senkbeil seine ganze stimmliche Ausdruckskraft zeigt. Unterstützt wird er dabei oft von seinen Kollegen die in Satzgesänge mit einstimmen, wie sie URIAH HEEP einst perfektioniert haben.
Die meist hymnisch angelegten Songs gehen auch leicht ins Ohr. Jede Nummer ist voll starken Melodielinien, driftet aber nur selten wie etwa bei „Same Star" in den Kitsch ab. CC Behrens glänzt mit gutem songdienlichen Spiel, verzettelt sich nicht in unnötige Breaks, bleibt aber trotzdem variabel. Und der ehemalige SCORPIONS-Basser groovt mörderisch durch das wuchtige, leicht poppige „Your Beat".

„Dream and Deliver" präsentiert sich als sehr abwechslungsreiches Langeisen, bei dem so ziemlich alle Möglichkeiten an klassischem Instrumentarium ausgeschöpft werden. Eine Besonderheit bildet da „Download a Dream" und dessen den Rundling abschließenden Reprise. Ist das ursprüngliche Lied eine ruhige Ballade mit einem eruptiven Refrain, so zeigt sich der Nachzügler als geradliniger Rocker, der allerdings mit dem gleichen Chorus aufwartet. Am Ende sind bei der Halbballade „Help me" noch Streicher zu vernehmen.

Auch klangtechnisch sind DREAMTIDE eine Klasse für sich, das tighte Zusammenspiel dröhnt derart druckvoll aus der Box, dass es eine Freude ist. Lediglich ein wenig kompakter sollten sie ihre Songs gestalten, hier und da ein paar Wendungen, eine Refrainwiederholung oder ein kleines Solo weglassen. Dass alle Songs um die fünf Minuten lang sind ist nicht notwendig, da wäre weniger manchmal mehr gewesen. Um aber noch einmal auf die anfangs gestellte Frage zurückzukommen, nein er hat nichts verlernt! (MetalPfälzer)

 

Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 70:00 min
Label: AOR Heaven
Veröffentlichungstermin: 29.08.2008

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