Rival Sons - Darkfighter

Rival Sons DarkfighterSelten bin ich derart auf ein Album gespannt gewesen wie auf “Darkfighter”. Generell liegt bei mir der Durst nach Musik von den RIVAL SONS ziemlich hoch, und so wurde jeder vorab veröffentlichte Song bereits inbrünstig gefeiert. Auch der Rest des Albums ist kurz gesagt “mehr als überzeugend”.

Eröffnen darf “Darkfighter” dieses Mal Todd Ögren am Keyboard, denn mit “Mirrors” startet das Album zunächst einmal ungewohnt. Innerhalb der ersten Minute erklingt dann ein cooles, stimmiges Riff von Gitarrist Scott Holiday, dicht gefolgt von Jay Buchanan, und man weiß sofort, woran man ist. Die knapp fünf Minuten lange Nummer arbeitet mit vielen Pausen und zieht den Zuhörer sofort aus dem Alltag raus. Ein cooler, midtempo-lastiger Einstieg ins Album, der gegen Ende mit Gitarrensolo und Schlagzeug noch etwas anzieht.

Mit “Nobody Wants To Die” folgt die erste Single-Auskopplung, die es in sich hat und mir die Vorfreude auf “Darkfighter” in ungeahnte Höhen schnellen lässt. Die Geschwindigkeit, das Riff, der Rhythmus, einfach der ganze Vibe und das Feeling des Songs erinnern mich stark an die “Head Down” Phase der Band, und wenn Michael Miley isoliert zusammen mit Scott Holiday das tragende Riff der Nummer spielt, beginnt man automatisch mitzumachen. Ich kann es kaum noch erwarten, den Song in dieser Form live zu erleben, gerade wegen des extrem coolen Breaks im Solo-Teil. Auch das Musikvideo zu dem Stück soll nicht unerwähnt bleiben, unbedingt ansehen!

Auch “Bird In The Hand” gab es vorab zu hören und bietet ein Kontrastprogramm zum vorherigen Song. Etwas, das die Band seit jeher perfekt beherrscht. Etwas, das ich in der Form nur von Bands der Sechziger und Siebziger wie LED ZEPPELIN und THE DOORS kenne. Und nein, RIVAL SONS kopieren hiervon nicht stupide, wie manche gefeierten Kollegen das machen. Sie sind inspiriert von jener Musik und bauen die Elemente in ihren Stil mit ein. Jeder, der die Band live erlebt hat, konnte sehen, dass die Band kein Schauspiel betreibt. Der ruhige Song liegt im unteren Midtempo Bereich und überzeugt ebenfalls ab der ersten Minute durch den außergewöhnlichen Sound und Stil. Die vielen Chöre und raffiniert gesetzten Pausen tun ihr Übriges zu einem Song, den ich so in der Form nicht habe kommen sehen.

“Bright Light” schielt anschließend in ähnliche Richtung wie “Bird In The Hand” und entwickelt sich dennoch ganz anders. Eine ruhige, fast balladeske Nummer, die sehr träumerisch daherkommt und glücklicherweise beim Zuhören auch zum Träumen anmutet. Auch wenn ich persönlich eher auf die straighten Nummern wie “Nobody Wants To Die” stehe, machen es solche Nummern wie “Bright Light” bei Bands wie den RIVAL SONS für mich aus. Die Band geht eben nicht einfach auf Nummer sicher, sondern betreibt in gewisser Weise doch noch Kunst und macht die Musik, die sie wollen. Zumindest wirkt es auf mich so, und zwar bei fast jeder Textstelle, die Jay von sich gibt. Ein Song mit ganz viel Kopfkino, einfach großartig.

Mit “Rapture” folgt eine weitere vorab verfügbare Nummer, die so gesehen eine straighte Rock-Nummer gekonnt mit ruhigen Tönen verbindet. Auch hier macht die Band meiner Meinung nach alles richtig, und lässt man sich vollends darauf ein, kann man sich sehr schnell in dem Song verlieren. Eine weitere großartige Nummer, die sehr viel Abwechslung für “Darkfighter” bringt und in sich selbst sehr viele Wechsel und interessante Stellen bereithält. Trotz der ganzen Wechsel würde ich die Band oder auch den Song aber nicht unbedingt als progressiv bezeichnen, dafür ist die Band letzten Endes noch zu geradlinig unterwegs. Eventuell auch einer der Punkte, den ich an der Musik so liebe, der rote Faden geht nicht verloren und ist durchgehend zu verfolgen, zumindest solange, bis ihn die Band selbst anzündet und er sich in einem tosenden Solo und Soundgewitter in eine Zündschnur verwandelt.

Ungefähr wie eine Zündschnur kommt im Anschluss “Guillotine” daher, musikalisch erschafft die Band hier eine gewisse Grundspannung, die nicht zu verachten ist. Der stampfende Rhythmus am Anfang und der Text von Jay tun ihr Übriges. Anfangs eine etwas unterschätzte Nummer, die sich nach mehrmaligem Hören aber zu einer unglaublich guten Nummer entwickelt, gerade weil die Zündschnur gegen Ende tatsächlich symbolisch abbrennt in einem wahnwitzigen Soundgewitter. Da fragt man sich am Ende wirklich “Am I Closer To Heaven Or Closer To Hell”. Gut gebrüllt, Jay!

Mit einem Blick auf die Tracklist neigt sich die musikalische Reise mit “Horses Breath” anschließend schon fast dem Ende. Mit viel Wehmut starte ich in die vorletzte Nummer des Albums, die uns zunächst mit eher untypischen Geräuschen überrascht. Ein träumerisches Intro mit Tönen wie von einer anderen Welt. Einmal mehr wird mir klar, wie sehr die Band ihr Handwerk doch versteht. Das malerische Riff und der stampfende Rhythmus, der kurz danach einsetzt, hinterlassen mich fast sprachlos, und Jay legt erneut einen traumhaften Gesang darüber. Hier sehe ich tatsächlich den Zeppelin der Neuzeit am Horizont aufsteigen. Leider vergehen auch diese sechs Minuten wie im Flug und der letzte Song des Albums steht in den Startlöchern.

Mit “Darkside” wird es wieder deutlich härter und Scott Holiday fährt einen stark verzerrten Gitarrensound, womit der Song sehr wild gestartet wird. Doch erneut trügt der Schein, denn fast gänzlich isoliert hört man Jay anschließend singen - So funktioniert Dynamik. Sehr reduziert und spannend baut sich der Song weiter auf, bis Scott erneut das Intro-Riff erklingen lässt, bevor dann erneut Jay sehr isoliert den Text vortragen kann. Der Song erzeugt ein Bild im Kopf, etwas, das ich nur sehr selten erlebe. Und der Song erzeugt eine gewisse Anspannung, man möchte wissen, wie es weitergeht, was die Band noch bereit hält. Statt des Riffs folgt nun ein kurzer melodischer Solo-Teil mit der tragenden Textstelle “There Are No Promises To Keep Anymore. Now That You Fall To The Darkside”. Ein klareres Bild lässt sich musikalisch und textlich fast nicht mehr zeichnen, ein grandioser und auch irgendwie unerwarteter Abschluss.

“Darkfighter” ist anders als ich es mir erhofft habe, aber das meine ich durchweg positiv. Die Erwartungen waren sehr hoch meinerseits, was normalerweise stets ein schlechtes Zeichen ist. Doch die RIVAL SONS gehen wie eingangs erwähnt nicht einfach auf Nummer sicher, ihre Alben waren bisher immer anders und unerwartet. So zum Glück auch im Falle von “Darkfighter” und auch wenn es mit keinem vorherigen Album so richtig vergleichbar ist, ist das genau das typisch für RIVAL SONS. Ich kann und muss es einfach schreiben, wie es für mich an diesem Punkt ist, RIVAL SONS sind die Band der Stunde, und das seit ihrem Debütalbum “Pressure & Time”. (Pascal)

 

Bewertung:

Ebi9,5 9,5 / 10

Label: Atlantic Records (Warner)
Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: --:-- min
Veröffentlichungstermin: 02.06.2023

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