Bonfire - Fistful Of Fire

bonfire fistfuloffireNachdem es vor zwei Jahren sehr gut im Lager der Ingolstädter aussah, man mit dem "Album" Temple Of Lies" in Chartregionen wie in Hochzeiten vordringen konnte, folgte Ende des Jahres wieder ein Rückschlag. Nach einer starken regulären Tour lehnte man sich mit dem "BONFIRE And Friends"-Projekt vielleicht etwas zu weit aus dem Fenster. Die große Rockshow mit Größen wie Bobby Kimball oder Joey Lynn Turner wurde zum Reinfall und nach ein paar Gigs abgebrochen, was die Band auch finanziell schwer belastete. Doch irgendwie kommen die Herren um Hans Ziller immer wieder hoch und lassen sich auch vom Abgang des Drummers Tim Breideband nicht aus dem Tritt bringen. Der spielt mittlerweile bei FREEDOM CALL, während mit André Hilgers ein Veteran, der schon überall gespielt hat den Hocker übernimmt. Kann "Fistful Of Fire" nach dem ganzen Drama musikalisch an die starken Vorgänger anknüpfen.

Erst einmal beweist Frank Pané beim Intro "The Joker" seine Fingerfertigkeiten, die er auch live voll ausspielte und hier öfter demonstrieren darf. Sein Faible für klassische Zitate und seine Vorliebe für ACCEPT schienen zuletzt schon durch und er macht genau dort weiter. Die Riffs in "Rock´n´Roll Survivor" atmen ebenfalls das Flair der deutschen Legende, die wohl die SCORPIONS als Einfluss abgelöst hat. Das man in jüngerer Zeit wieder verstärkt auf metallische Klänge setzt, tut jedenfalls spürbar gut, zu dröge fielen die letzten Alben mit ihrem langjährigen Frontmann Claus Lessmann aus, zu viele offene Akkorde statt klarer Riffs, dazu kam die leichte Country-Affinität des ehemaligen Sängers.

Doch auf "Fistful Of Fire" wird der Stahl geschmiedet, das macht der Titelsong alleine deutlich, der die typische Machart mit prägnantem Riffing und Leadfills mit einer düsteren Atmosphäre kreuzt. Die Shouts in der Bridge und der hymnische Refrain lasen sich wunderbar mitskandieren. Das man zuletzt auch viel JUDAS PRIEST in die Legierung mit einmischte ist ebenfalls kein Geheimnis, hier scheint es aber fast so, als sei die gemeinsame Tour vor 32 Jahren erst jetzt bei der Band als Inspiration angekommen.
Das fängt beim Opener "Gotta Get Away" an, in welchem Alexx Stahl aber ähnlich gepresst singt wie beim Auftakt der letzten Scheibe, atmosphärische Fills, ein cooles Break vor der Bridge und der hymnische Refrain reißen es aber raus. "Breaking Out" killt dann später alles weg, wie sich die schnelle Nummer so melodisch zum geshouteten Chorus steigert ist ganz großes Kino. Und der wuchtige Rausschmeißer "Gloryland" könnte dann sogar vom Titel von den Hohepriestern selbst stammen.

Wo wir gerade über Wucht reden, die zieht die Platte nicht mehr aus dem voluminösen Klangbild, sondern auch aus dem einen oder anderen Arrangement, mit dem man sich vor aktuellen Metalhelden verneigt. Die Keyboards übernehmen im wuchtigen Stampfer "The Devil Made Me Do It" ein paar klassische Noten und auch der Chor der Nummer tönt eher nach zeitgemäßen Power Metal. "Ride The Blade" verfügt über einen ähnlich gelagerten Refrain, dazu belegen die DoubleBass-Schübe, dass die Härteschraube noch einmal deutlich angezogen wurde. Hier hat der neue Mann ganze Arbeit geleistet, im Staccato-artigen "Fire And Ice" sind sie dann aber etwas zu viel des Guten.

Die kleinen Feinjustierungen oder besser die grobere Kelle steht BONFIRE durchaus gut, das sie sich im Kern treu geblieben sind. Das war in der Vergangenheit nicht immer so, man denke zurück an "Free". Lediglich vom Sound her hätte man noch mehr rausholen können, da war die luftigere Produktion zuletzt passender. Gitarren und Schlagzeug klingen für sich alleine stark und setzen Akzente, wenn sie aber im Gleichklang drauf los zimmern halten die klugen Arrangements nicht immer der Komprimierung stand. Auch auf dem womöglich heaviesten Album der Truppe gibt es ein paar Stücke, die mit etwas ruhigerer Gangart Abwechslung rein bringen.

Diese spannen dann noch mehr den Bogen zu Großtaten wie "Fireworks", an dem man sich ewig messen lassen muss. "Warrior" hat typische Achtziger-Fanfaren am Start und rockt sich locker über knallige Breaks hin zum mehrstimmigen Chorus. Und "When An Old Main Cries" ist mehr als die Quotenballade, die Akustikversion als Bonustrack gibt viel Tiefe, das elektrifizierte Original füllt mehr den Raum. Erneut ist es gelungen den Schwung der letzten Jahre mitzunehmen, schön zu sehen, dass sich die Querelen nicht negativ ausgewirkt haben. Natürlich ist "Fistful Of Fire" auch nicht ganz frei von Kritikpunkten, doch gerade in diesen einsamen Zeiten darf es mal reiner Hörspaß sein, der ist enorm hoch, dreht auf und reckt die Fäuste. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer7,5 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 53:38 min
Label: AFM Records
Veröffentlichungstermin: 03.04.2020

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