lunaticsoul underthefragmentedskyTrauerbewältigung auf Polnisch: Nachdem sein langjähriger Freund und Bandkollege Pjotr Grudzinski völlig unerwartet gestorben war, häufte RIVERSIDE-Bassist und Sänger Mariusz Duda viel Material an, in dem er sich alles von der Seele schrieb. Als im letzten Herbst "Fractured" unter dem Banner LUNATIC SOUL das Licht der Welt erblickte, wollte erst einmal das nächste Album seiner Hauptband in Angriff genommen werden. Doch durch die Fülle an Songs, die zusammen gekommen sind, schob er mit "Under The Fragmented Sky" quasi ein Schwesteralbum zum Vorgänger ein, was für neue Aspekte kommen hier zum Vorschein?

Solche Zwischenwerke haben beim zweiten Standbein des Polen durchaus Tradition, nach den ersten beiden Veröffentlichungen kam mit "Impressions" eine Resteverwertung jener Sessions heraus. Erst mit "Walking On A Flashlight Beam" wurde aus dem als Projekt gedachten Vehikel eine ernstzunehmende Soloband. Und so weit ist die nunmehr sechste Veröffentlichung nicht von "Impressions" weg, da es deutlich weniger Songstrukturen aufweist und stattdessen mit eher improvisierten Titeln gefallen kann. Oft wird der Gesang nur als weiteres Instrument eingesetzt, viele Stücke sind komplett instrumental gehalten.

Es fällt sofort auf, dass "Fractured" etwas weicher ausgefallen ist, vielleicht auch versöhnlicher, wieder etwas mehr der Zukunft zugewandt, quasi als ein Abschluss dieser schweren Zeit. Natürlich kann man sich da erst final ein Urteil erlauben, wenn das neue Album von Polens Vorzeigeproggern in den Läden steht. Der Bass, der immer sehr kantig abgemischt war, kommt nun deutlich melodiöser daher, prägt natürlich hier noch mehr das Geschehen als bei RIVERSIDE.
Ein erstes Indiz dafür sind schon die Auftakttöne, welche dahin gleiten und später von verhallten Chören unterstützt werden, ein prägnantes Thema, welches im Verlauf der Scheibe immer wieder auftaucht. Diese Rhythmik wird später von Akustikgitarren aufgenommen, die sie weitertragen, und dessen hypnotische Wirkung zusätzlich verstärken. Dabei fällt auch auf, dass viele Klänge sehr stark im Studio verfremdet wurden, um einen gewissen psychedelischen Touch zu erzeugen, der das Werk selbst für Dudas Verhältnisse introvertiert gestaltet.

Doch das erhöht auch die Spannung, hinter jeder Ecke kann ein neuer Sound lauern, der einen nach und nach in den Bann zieht. Alles ist stets im Fluss, die einzelnen Parts gehen völlig unauffällig ineinander über, in der Klasse haben das vielleicht mal PNK FLOYD oder MIKE OLDFIELD hinbekommen, die dem Polen auch nicht fremd sind. Am besten offenbart sich das im längsten Track "The Art Of Repairing", welches zu Beginn ein paar floydsche Momente liefert. Der schwere Synthesizer wandelt sich immer mehr zu einem elektronischen Puckern, weitere Hallchöre gestalten den Übergang noch sanfter, bis die Dynamik gegen Ende wieder abschwillt, um zu ursprünglichen Thema zurück zu kommen.

Dabei benötigt der gute Mariusz gar nicht viele Mittel, in "Trials dauert es mitunter gefühlte Ewigkeiten bis zum nächsten Ton. Die klassische an deutschen Siebzigerbands geschulte Elektronik hält sich deutlich zurück, ab und zu schwirren ein paar Synthieschwaden vorbei, irgendwo erhebt sich aus dem nichts ein leise hämmerndes Piano und auch Duda steuert nur den immer gleichen Wortfetzen bei. Auch im schwermütigen vom Bass geprägten "Shadows" herrscht eine fast gespenstische Atmosphäre.
Die Dunkelheit hüllt einen ein, aber mit sanften Schwingen, ganz großes Arrangierkino. Hellere Momente haben LUNATIC SOUL nur dann, wenn die Akustikgitarre sich durchzusetzen weiß, wie im melodischen Schlussakkord "Untamed", durch den immer wieder ein paar Soundschleier huschen. Beim Titelsong, einem der wenigen echten Songs erinnert "Under The Fragmented Sky" an PORCUPINE TREE oder die letzte RIVERSIDE, wunderschöne Kanongesänge und ein Mellotron sorgen für Wohlgefühl. Doch das ist nicht die Grundessenz eines tollen Zwischenwerks, das am Stück gehört werden will. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer7,5 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: 36:18 min
Label: Snapper Music/KScope
Veröffentlichungstermin: 25.05.2018

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