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subsignal lamuertaEinst als Nebenprojekt von SIEGES EVEN gestartet lief es dem deutschen Prog Metalurahn mittlerweile den Rang ab. Gitarrist Markus Steffen und Sänger Arno Menses verfolgten den Weg weiter, den einst DREAM THEATER mit „Images & Words“ und FATES WARNNG mit „Pleasant Shades Of Grey“ erkundeten. Progressiver Metal mit mehr Melodie und mehr Atmosphäre und einem Hang zu AOR und Neo Prog. SUBSIGNAL hatten das Zeug dazu, diese Herangehensweise in grandiose Songs zu verpacken, die von einer kleinen Fangemeinde geliebt wird, wenn auch der große Rest wenig damit anfangen kann. Zuletzt schlug das Pendel in eine etwas härtere Ecke aus, die Riffs standen auf „The Beacons Of Somewhere Sometime“ zu sehr im Vordergrund. Zweieinhalb Jahre später kommt nun „La Muerta“ auf den Markt, und man darf gespannt sein, wohin sich die Truppe nun entwickelt hat.

Wie der informierte Schreiberling bereits aus dem Infoblatt des Labels erfahren hat, gingen die Fünf vor dem Songwriting in Klausur. Da der Verfasser dieser Zeilen sich die Scheibe vor der Lektüre zu Gemüte führte, konnte er die Veränderungen aber selbst erkennen, denn die sind nicht von der Hand zu weisen. Laut eigenen Aussagen wollte man intuitiver zu Werke gehen und nicht mehr so verkopft wie in der Vergangenheit. Aber keine Angst, die Markenzeichen sind geblieben, wenn auch eben jene zuletzt zu prominenten Sounds deutlich in den Hintergrund gerückt sind. So erhalten die feinen Melodien, die so endlos weit strahlen noch mehr Raum zur Entfaltung.

Obwohl gerade die bislang ganz große Kunst waren, denn trotz ihrer Verspieltheit und den mehrstimmigen Gesängen krallten sie sich schnell im Ohr fest. Das passiert heuer auch, doch suchen sie sich eher den einfachen Weg zum Hörer. Nur selten gibt es diese grandiosen kanonartigen Arrangements, bei den Vocals wird dieses Mal noch mehr auf Harmonie gesetzt. Zu finden sind diese noch im ruhigeren vom Piano getragenen „The Approaches“, wo sie von Toms-Breaks in ihrer Atmosphäre unterstützt werden. Und am Ende bekommt Menses in „Some Kind Of Drowning“ mit IAMTHEMORNING-Elfe Marjana Semkina großartige Unterstützung, welche die Fragilität des Stückes weiter vertieft. Dazu liefert hier noch RPWL-Keyboarder Markus Jehle das zarte Piano.

Neben dem fast völligen Verzicht auf metallische Härte hat sich die Instrumentierung ebenso etwas gewandelt. Das dürfte auch an der bereits angesprochenen Nähe zu RPWL liegen, bei deren Label Gentle Art Of Music SUBSIGNAL angedockt haben. Die Köpfe der Freisinger haben die Scheibe auch produziert, von daher tendiert Vieles Richtung Art Rock. Die vielen kleinen Details sind immer noch da, sie erscheinen nur subtiler, wie schon das zurückhaltende zweite Stück „The Bells Of Lyonesse“ andeutet. Bestes Beispiel ist der RUSH-Moment in der Mitte der AOR-Nummer „As Birds On Pinions Free“, wenn der Bass die Harmonie von Keyboard und Gitarre unterbaut.

Doch nicht nur der kurze Schwenk zu der Synthiephase der kanadischen Götter zitiert die Achtziger, die erklärten Fans der Dekade komponieren deutlich in diese Zeit. Vom Keyboardspiel her ist bei „Every Able Hand“ und „The Passage“ der Einfluss von GENESIS nicht zu überhören. Allerdings verbinden sie eher den Siebzigern zuzuordnende Passagen mit feinen wavigen Synthesizerfanfaren als sich an ihre Spätphase anzulehnen. Bei den YES-Anleihen in beiden Titeln scheint dann schon eher deren Travor Rabin-Ära durch, die ja aktuell eine Neuauflage erfährt.
Am ehesten erinnert noch der titelgebende Opener an das bisherige Werk der Formation, der nach dem für seine Kürze recht vielschichtigen Intro „271 Days“ mit ein paar knackigeren Riffs aufwartet. Jene stehen aber nicht so im Vordergrund wie beim Vorgänger, ansonsten hört man Steffen nur noch bei „Even Tough Stars Don´t Shine“ etwas deftiger anschlagen. In diesem Stück sucht der flirrende Chorus gar die Nähe von MUSE, wobei der gute Arno einmal mehr seine ganze Klasse aufbietet.

Auf der Suche nach noch mehr Harmonie und Atmosphäre dürfen natürlich die Leadfills nicht fehlen, wie man sie aus dem Neo Prog her kennt. Die liefert vor allem „When All The Trains Are Sleeping“, bei dem sicher Kalle Wallner seine Momente hat, das tolle floydige Solo würde ich ihm zuschreiben. Ansonsten halten sich SUBSIGNAL mit Soli zurück, wenn dann ist es vor allem Markus Maichel an den Tasten. Insgesamt ist die Band darauf bedacht, die Songs im Fluss zu halten, was ja ebenfalls für den Achtziger-Anspruch spricht.
Wie sie es dennoch schaffen, mit straighteren Songs so viel Atmosphäre zu erzeugen ringt einem Respekt ab. „La Muerta“ ist ein bisschen anders, aber die Handschrift bleibt unverkennbar. Natürlich kommt man an die beiden ersten Alben nicht ganz heran, welche die Mischung zwischen Anspruch und Melodie perfektioniert haben. Doch auch wenn man die eine Komponente etwas zurück geschraubt hat, wer das fehlende Teil nicht sucht, entdeckt ein phantastisches Werk, in dessen Tiefe und Wärme man sich komplett verlieren kann. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer8,5 8,5 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 53:08 min
Label: Gentle Art Of Music/Soulfood
Veröffentlichungstermin: 25.05.2018

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