godisanastronaut epitaphNormalerweise sind rein instrumentale Bands ja eher nicht so mein Fall. Meistens klingt das dann wie Musik für Musiker um des Musizierens willen. Aber es gibt auch einige Bands, bei denen merkt man noch nicht einmal, dass da gar keiner singt. Diese Bands schaffen es, Emotionen und Botschaften zu transportieren, ohne dass irgendjemand diese Gedanken expliziert aussprechen muss. GOD IS AN ASTRONAUT ist eine dieser Bands. Auch wenn ich verdammt lange gebraucht habe, um die Iren zu entdecken bzw. mich endlich mal genauer mit ihnen zu befassen.

Nun also ist die neue Scheibe des Fünfers erschienen. Das nunmehr neunte Album der Band beginnt so düster, wie es sein Name vermuten lässt. Auf „Epitaph“ verarbeiten die beiden Brüder Torsten und Niels Kinsella den Tod ihres siebenjährigen Cousins. Und in die Leere, die nach dem Tod eines geliebten Menschen bleibt, schiebt sich der Opener und Titelsong „Epitaph“. Leise und beinahe unbemerkt bahnt er sich seinen Weg, um mit dröhnenden Gitarren den Schmerz, der bleibt, in Noten zu fassen.

„Mortal Coil“ klingt dagegen fast schon erleichtert. Kein Wunder, geht es in dem Song doch darum, dass der Tod nicht immer nur Schmerz bedeutet, sondern auch eine Erlösung sein kann. Wunderschöne Melodiebögen steigern sich immer mehr und gehen dann in ein Akustikset über. Wie kaum eine andere Band schaffen es GOD IS AN ASTRONAUT derart komplexe Themen in Noten umzusetzen – und verstanden zu werden.

„Winter Dusk/Awakening“ beginnt mit sanften Klavierklängen, über weite Strecken wird man von tröstlichen Melodien begleitet, die Gitarren setzen erst sehr spät ein und das Schlagzeug wird sehr pointiert eingesetzt. Erst gegen Ende nimmt man wieder etwas Fahrt auf. Ein Stück, das man am besten mit geschlossenen Augen hört. An Songs wie diesem merkt man, welche Klasse die Iren an den Tag legen. Seinem Namen entsprechend ist „Seance Room“ sehr atmosphärisch, mit sphärischen Klängen bahnt es sich langsam seinen Weg, steigert sich immer mehr und geht etwas in Richtung „All Is Violent, All Is Bright“. Zum Ende hin wird der Song immer heftiger und schneller und markiert damit auch einen leichten Umbruch im Album.

Die folgenden Songs sind weniger von akuter Trauer und Wut erfüllt, sondern mehr von Melancholie und Verlust. Von hier an ist „Epitaph“ deutlich ruhiger, sphärischer, das Klavier steht meistens im Mittelpunkt und der Rest der Instrumente wird drum herum arrangiert. Wobei man in „Medea“ auch durchaus zu den härteren Tönen greift und in seinem Verlauf immer düsterer wird. Mit „Oisin“ schließlich klingt das Album ruhig und sphärisch, aber auch traurig aus. Dieses Stück ist der Erinnerung an den Cousin der Kinsella-Brüder gewidmet und hinterlässt nach seinem Ende ein Gefühl der Leere.

„Epitaph“ ist kein Album, das man mal so nebenbei hören kann. Am besten kann man diese Scheibe genießen, wenn man sich völlig darauf einlässt und alles andere ausblendet. Wobei die Frage ist, ob mein Album mit dieser Thematik überhaupt „genießen“ kann. Eher ist es ein Soundtrack für die eigenen dunklen Stunden, die jeder im Leben früher oder später durchläuft. GOD IS AN ASTRONAUT präsentieren wieder einmal Musik, die zwar nichts für die Massen ist, aber wunderschön und tief unter die Haut gehend. Ein großartiges Stück Musik. (Anne)

Bewertung:

Anne8,0 8 / 10

Anzahl der Songs: 7
Spielzeit: 44:35 min
Label: Napalm Records
Veröffentlichungstermin: 27.04.2018

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