armoredsaint symbolofsalvation"Im Schmerz Geboren" war der Titel einer "Tatort"-Folge mit Ulrich Tukur, dessen Rolle als Kommissar Murot, wie auch in der Episode sehr im Mittelpunkt steht. Im Schmerz geboren könnte auch die Aufnahmen des vierten Albums der Westküsten-Metaller nicht treffender beschreiben. Nach den ersten beiden Scheiben standen ARMORED SAINT vor einer großen Karriere, doch auf der dritten Langrille "Raising Fear" versuchte sie sich an kommerziellen Ideen und scheiterten damit. Nachdem auch die Live-EP "Saints Will Conquer" die Reputation nicht wieder herstellen konnte, und mit David Prichard nur noch ein Gitarrist an Bord, geriet die Formation ins Schlingern. Als man sich dann endlich aufraffte ins Studio zu gehen, erkrankte der Hauptsongwriter an Leukämie und verstarb am 28. Februar 1990 im Alter von nur 26 Jahren. Ihre Not machten die "gepanzerten Heiligen" zur Tugend, holten Jeff Duncan und Phil E. Sandoval zurück, um mit den beiden Axtmännern "Symbol Of Salvation" fertigzustellen. Bis heute zählt das Werk zu den ganz großen Statements im US-Metal, und wird nun von Metal Blade neu aufgelegt.

Und das vollkommen zu Recht, wie man schon nach wenigen Sekunden feststellen kann, die Riffs und Leads von "Reign Of Fire" schieben mächtig voran, verharren aber immer noch in Lauerstellung, bevor die Bridge unfassbar losknallt. Diese unbändige Power kulminiert im kraftvollen Refrain, in welchem das unverwechselbare Organ von John Bush Höchstleistungen vollbringt. Bei keiner anderen Band harmoniert die Leadstimme so perfekt mit dem typischen Gitarrensound. Ein weiteres Merkmal der Truppe ist die besondere Rhythmik, die auch in der lateinamerikanischen Herkunft einiger Mitglieder begründet liegt, jene bringt immer eine spezielle Note mit ein, ohne die Metalbasis zu verwässern.

Direkt im Anschluss liefert das stampfende "Dropping Like Flies" den nächsten Beweis dafür, der Groove schlägt Haken und drückt dennoch unbarmherzig nach vorne. Ähnlich verhält sich auch der Titeltrack, dem man noch ein paar düstere Nuancen verpasst, während der prägnante Chorus so richtig losdonnert und zur Hymne mutiert. So richtig spielen ARMORED SAINT dann in "Tribal Dance" ihre typische Rhythmik aus, wobei hier der Titel Programm ist. Genau diese Elemente stehen hier noch stärker im Vordergrund, immer wieder gibt es kurze Percussionintermezzi. Natürlich herrscht auch hier im Refrain immer dieser bissige Ton vor, diese bellende Melodieführung, wenn Bush von fast staccatoartig zu weiten, voluminösen Schreien wechselt.

Neben diesen markanten Titeln hat man die Abwechslung noch einmal steigern können, dabei gelang es, genau jene Versuche der Anbiederung an den Massengeschmack nun passender in die eigene Stilistik einzubinden. Das fällt schon bei "Warzone" auf, das in der Strophe immer noch die Ruppigkeit verbreitet wie die angesprochenen Lieder. "Burning Question" rockt im Anschluss von vielen Leads flankiert schön direkt drauf los. Das schleppende "The Truth Always Hurts" offenbart fast eine bluesige Note und könnte gut in der damals auslaufenden Hair Metal-Szene verankert sein.
Bei den Anhängern dieser Spielart hätte man vor allem mit "Last Train Home" punkten können, ja sogar müssen, doch trotz viel MTV-Airplay blieb der große Erfolg leider aus. Selten hat sich eine reinrassige Metalband so gekonnt an einer Powerballade versucht, John Bush beweist wie herrlich melodiös er singen kann, und röhrt im erhabenen Refrain die Konkurrenz in Grund und Boden. Noch gefühlvoller gehen die Herren bei "Another Day" zu Werke, in dem Prichard seine Krankheit thematisiert und noch ein geniales Solo einspielen konnte, bevor sich der Song zum Ende hin steigert.

Ebenfalls eher ruhiger gehalten ist "Tainted Past", dessen Atmosphäre und der leicht progressive Touch an "Aftermath" vom Klassiker "Delirious Nomad" erinnern. Die flirrenden Akustikgitarren und der Basslauf von Szeneunikum Joey Vera bilden eine düstere Untermalung, um nicht als weitere Ballade durchzugehen, manche Leadfills haben fast eine psychedelische Note. Interessant ist die Leadarbeit auch bei "Hanging Judge", welche den kompletten, flott gehaltenen, dennoch melodischen Track bestimmt. Und am Ende wird noch deutlicher auf das Tempo gedrückt, wenn in "Spineless" die Thrashkeule ausgepackt wird, fiese Gangshouts inklusive, um so das Meisterwerk perfekt abzurunden.

Die Neuauflage wartet mit vier Demosongs aus den Sessions zu dem Album als Bonus auf, von denen zu "Get Lost" und "Pirates" von "Nod To The Old School" bekannt sind. Fällt erstgenannter Song sehr rockig und geradlinig aus, so gibt der zweite richtig Gas und lässt feine Leadfills vom Stapel. "Medieval Nightmare" hat schon den Ansatz des typischen Grooves, arbeitet den mit flirrendem Beginn und um Thema passender Düsternis weiter aus. Weitaus ruppiger kommt "Tongue And Cheek" daher, das kraftvoll zupackt und mit ein mächtigen Shouts aufwartet.
Was man allen Songs anhört ist der Demostatus, auch wenn sie in der Version schon überzeugen können, aber eher nach dem rohen Debüt klingen. Der Unterschied zu den ausgefeilten Arrangements und dem genial kantigen Sound der Produktion von Dave Jerden ist deutlich heraus zu hören, ein weiterer Aspekt, der die überragende Klasse von "Symbol Of Salvation" ausmacht. Nutzen konnten ARMORED SAINT das Momentum leider nicht, auch wenn sich die Kritiken überschlugen.
Kurz nach der Veröffentlichung nahm John Bush das Angebot an, bei ANTHRAX den abtrünnigen Joey Belladonna zu ersetzen, worauf sich die Band desillusioniert auflöste. Mittlerweile findet sie immer wieder sporadisch in der Besetzung zusammen, um ein Album einzuspielen oder auf Tour zu gehen. So auch in diesem Sommer, wo dieses Meisterwerk komplett auf die Bühne gebracht werden soll, ein Pflichttermin für jeden geschmacksbewussten Metaller und wer es noch nicht im Schrank hat, hat nun die Chance es bis dahin nachzuholen. (Pfälzer)


Bewertung:

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Anzahl der Songs: 17
Spielzeit: 73:38 min
Label: Metal Blade
Veröffentlichungstermin: 18.05.2018

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