udo losheimflyerSeit seine frühere Formation wieder zurück ist, steht der gute Udo Dirkschneider ein wenig in der zweiten Reihe. An der Situation ist er teilweise selbst schuld, da er vor allem auf Platte die Qualität schleifen ließ. Mit "Steelhammer" und "Decadent" hat seine Band zumindest in dem Bereich aufgeholt, live waren U.D.O. schon immer eine Bank. Trotz der Umbesetzungen in letzter Zeit konnten sie im letzten Jahr auf dem SwedenRock überzeugen. Heuer gab es wieder eine Neuerung im Line-Up, da Francesco Jovino den Platz hinterm Drumkit räumte. Mit seinem Nachfolger gibt die Band ein bisschen internationales Flair auf, denn Sven Dirkschneider kann deutscher nicht sein, ist der Junge doch der Sohn vom "German Tank". Die Show im saarländischen Losheim stand eigentlich unter dem Dynamite Night-Motto, mit ELA, SISTER SIN und GARAGEDAYS waren drei Vorbands angekündigt. Es kam ein wenig anders, was allerdings kaum jemand zu stören schien, denn eigentlich zählte nur der Headliner.

GARAGEDAYS
Schon der verspätete Beginn ließ die Zuschauer an dem dicken Programm zweifeln, Punkt sieben Uhr erschien der Opening Act zu seinem Introtape auf den Brettern. Dabei hatte Sänger und Gitarrist Marco Kern ein paar Probleme damit, sein Instrument einzustöpseln. Das ließ ein wenig die Attitüde vermissen, welche die Jungs rüberbringen wollen und das einleitende Lead ließ dies klanglich etwas dünn wirken. Als sich der Frontmann endlich seinem Job widmen konnte, waren somit auch die Befürchtungen ob eines Grottensounds verflogen, denn die Österreicher agierten druckvoll.
Ihre Riffs kamen dann auch gut bei zu dem Zeitpunkt noch spärlich anwesenden Publikum an. Kein Wunder, sind diese doch aus der selben DNA entsprungen, aus welcher auch der Hauptact gezogen wurde. Rotzige Rockpower gepaart mit klassischen NWOBHM-Klängen, aus dem Stoff wird der Traum jedes Traditionsmetallers geschmiedet. Und die feierten die Vier bereits beim zweiten Song ab, die ersten Fäuste wurden gereckt. Die junge Formation ging auch auf das Publikum ein und animierte es permanent. Dabei verloren sie allerdings ein Stück weit den Song aus den Augen, die normalerweise guten Introleads und der Schlussakkord wurden immer bis zum Exzess durchexerziert.

Das nutzte vor allem Kern, um ein paar Rockstarposen auszutesten, die er schon recht gut rüber bringt, schadete aber dem Fluss des Vortrags. Seine Nebenleute, Gitarrist Rene Auer und Bassist Dominik Eder, geben sich da ein wenig verhaltener und sind mehr auf ihr Spiel konzentriert. Dabei bot das Material der selbsternannten Nasty Crew, dass wie "Bleedings Days" vornehmlich vom aktuellen Album "Passion Of Dirt" stammte, einiges an Frische. Auch technisch ist bei GARAGEDAYS alles im grünen Bereich, zusammen mit Drummer Matthias Mai zocken sie ziemlich tight. Neues bot man indes nicht, aber genau das war nach dem Geschmack des Publikums, welches reichlich Applaus spendete.

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SISTER SIN
Musikalisch ebenfalls nicht gerade weit weg von dem, was an dem Abend geboten wurde, agierten die nächsten im Bunde. Aber wie es sich für gute Schweden gehört, bauen sie eine gesunde Glamschlagseite in ihre Kompositionen ein, was diese ein Stück mehr rocken lässt. Verwundern tut es lediglich, dass die Truppe jetzt schon auf die Bühne muss, haben sie doch mittlerweile einen gewissen Status. Oder sollte der Special Guest doch ein größeres Ding sein?
Mit einem noch etwas kompakteren Sound konnte das Quartett dann aber erstmal ordentlich mitreißen, zumal sich die Reihen doch deutlich dichter zusammen geschoben hatten. Das Material wie "Outrage" oder "Desert Queen" ging ordentlich nach vorne los und ließ die Fans bereits in Stimmung kommen. Die drei Herren entwickelten einen ordentlichen Druck, auch wenn die Saitenfraktion einen geringen Bewegungsradius hatte. Dabei waren Jimmy Hiltula und Andreas Starndh agil, warfen sich in alle Posen, schüttelten ihr Haupthaar, hielten nur zu sehr ihre Positionen.

So war es Jiv Jagrell vorbehalten, für die Action auf der Bühne zu sorgen. Über die Frontqualitäten der Dame gab es wenig zu meckern, ständig war sie unterwegs, feuerte die Zuschauer an, gab sich sehr nahbar und spazierte einmal durch den Fotograben. Auch stimmlich hat die Dame einiges zu bieten, für eine Frau verfügt sie über eine außerordentliche raue Rockröhre, die ideal zu den Songs passt.
Optisch konnte sie dagegen weniger überzeugen, trotz massiven Einsatzes ihre Oberweite. Das Tüllröckchen unter der Korsage wirkte zu mädchenhaft und auch das stramme Pony sah in Verbindung mit zu viel Schminke grenzwertig aus. Doch darauf kommt es zum Glück nicht an, ihren Job jedenfalls erledigte sie bravourös, so dass viele Fans eine Zugabe forderte. Die wurde zwar nicht gegeben, doch der vielfach geforderte "Fight Song" entschädigte dafür.

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U.D.O.
Die Uhr zeigte schon kurz vor neun und dann folgte auch noch eine längere Umbaupause. Einige Anwesende sahen sich am Ende des Abends vorm bereits geschlossenen Burger King stehen. Doch als die Bühne auf die komplette Größe geräumt und die Backline mit Tarnnetzen überhangen wurde, war jedem klar, dass ELA heute nicht auftreten. Ich kann nichts darüber sagen, außer dass es mir wie vielen anderen ging, die sie nicht vermissten. Überall waren die Sprechchöre "Wir wollen den Udo sehen" zu hören, der dann unter lautem Jubel auftauchte, nachdem seine Truppe schon den Opener des aktuellen Longplayers angestimmt hatte.

Nach dem fast schon obligatorischen Auftakt hauten sie gleich den ersten Klassiker aus der Frühphase heraus, sehr zur Freude des Verfassers dieser Zeilen, eine meiner Lieblingsnummern. Im Übrigen schloss sich an dem Abend ein wenig ein Kreis, damals auf der "Faceless World Tour" wurde der Song auch gebracht. Jenes Konzert im ebenfalls saarländischen St. Wendel war mein allererstes. Von der Songauswahl standen die beiden letzten Scheiben im Vordergrund, ansonsten wurde munter durchgemischt.
Der druckvolle, schneidende Sound war zwar etwas übersteuert, ließ aber eine alte Floskel Wahrheit werden. Gefiel so manche Nummer auf "Decadent" nur bedingt, so gewannen sie in der Liveumsetzung enorm. Im weiteren Programm kamen fast alle Phasen der Bandgeschichte zum Zug. Auffällig auch, dass es nur noch wenig ACCEPT-Klassiker gab, sogar "Metal Heart" fehlte. Vorbei die Zeiten, als Udo Dirkschneider in den Archiven seiner früheren Combo gewühlt hat.

Auch wenn die Stimmung nicht gerade überkochte - vor allem die ersten Reihen waren doch sehr verhalten - sprühten U.D.O. nur so vor Spielfreude. Gerade die beiden Gitarristen Andrej Smirnov und Kasperi Heikkinen hatten permanent ein Lächeln auf den Lippen. Ihnen gab der Mainman auch ein paar mehr Spots im Rampenlicht als sonst üblich. Es herrschte wie immer die gewohnte Bühnenaufteilung vor, Dirkschneider vorne, während sich der Rest der Truppe hinten vor der Backline aufgereiht war, und nur zu den Chören nach vorne kam.
Da hatten die Sechssaiter Glück, dass es bei den neuen Stücken viele doppelte Leadpassagen gab, so dass sie im Duett an die Rampe kommen konnten. Neben dem Spaß an ihrem Spiel wussten sie auch mit einer brillanten Technik zu begeistern, ihr Zusammenspiel war sehr tight. Was sie wirklich drauf haben zeigten sie dann ohne Netz und doppelten Boden, als es auch bei U.D.O. einen Akustikteil gab. Bei den Intros zu den Balladen ließen sie sogar spanische Klassik anklingen, welche sie mit einem wunderbaren Ton vortrugen und dabei so manche Gänsehaut auslösten.

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Ebenfalls meist im Hinterfeld zu finden war Bassist Fitty Wienhold, der den ruhenden Pol bildete. Der langjährigste Gefolgsmann ist der letzte der alten Garde, denn sonst setzt Udo Dirkschneider auf die Jugend. Sein Filius lieferte an den Kesseln einen hervorragenden Job, lag nur selten vor lauter Euphorie daneben. Sven war ja schon länger als Techniker mit der Band unterwegs und ersetzte zuletzt Nigel Glockler übergangsweise bei SAXON. Mit der Feuertaufe im Rücken war es nur logisch, dass er den ausgeschiedenen Jovino ersetzt.
Sein Vater hat sein eher sparsames Stageacting mittlerweile stilisiert, und ist damit schon irgendwie Kult. Ein wenig erinnert er an Joe Cocker auf Zeitlupe, während er sein Reibeisen in flotteren Gefilden einsetzt. Doch wenn er auf sein Publikum eingeht, bekommt er die gewünschten Reaktionen, hier kann er sich auf sein Charisma, auf seinen Status als Integrationsfigur verlassen.
Lediglich der Keyboarder im Hintergrund verwunderte doch ein wenig, viele fragten sich, was er da die ganze Zeit spielt, denn zu hören war er nicht. Kaum dachte ich, dass man wenigstens den Titelsong von "Faceless World" damit adäquat umsetzten könnte, hauten ihn die Sechs auch heraus. Somit war die Auswahl von dieser Scheibe besser als im Vorjahr, leider gab es wenig vom Debüt "Animal House", allerdings wurde auch da munter durchrotiert, was zeigt, dass man auf ACCEPT-Songs nicht mehr angewiesen ist. Doch im Vergleich zu deren Leistung im letzten Herbst kamen U.D.O. in allen Parametern nicht heran. Eine starke Leistung reicht nicht, um gegen diese Hammervorlage anzukommen. (Pfälzer)

Setlist U.D.O.:
Speeder
Blitz Of Lightning
King Of Mean
Decadent
Independence Day
Black Widow
Never Cross My Way
The Bullet And The Bomb
Under Your Skin
Tears Of A Clown
Secrets in Paradise
Faceless World
Pain
Untouchable
Let Me Out
Metal Machine
Metal Eater
------------------------------
Break The Rules
Princess Of The Dawn
Fast As A Shark
Balls To The Wall

Alle Bilder von Maik

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