powerofmetal20112Damit hätte ich im Frühjahr auch nicht gerechnet, dass es in diesem Jahr noch eine zweite Runde POWER OF METAL geben würde. Aber da der erste Part der POWER OF METAL Tour mit SYMPHONY X und NEVERMORE als Headliner allerorts ein großer Erfolg gewesen zu sein schien (den Bericht aus Luxembourg gibt’s hier), legt die veranstaltende Agentur Rock The Nations in diesem Jahr noch eine ähnlich hochkarätig besetzte zweite Rundreise durch Österreich, Deutschland, die Schweiz und die Niederlanden nach, die erneut beweist, dass der totgesagte Power Metal nach wie vor gesund und munter am Leben ist. Im Gegensatz zu dem HEIDENFEST und dem NECKBREAKER'S BALL, die in den kommenden Wochen noch quer durch die Lande ziehen werden, beschränkt man sich hier auf vergleichsweise überschaubare vier Bands, und das ist auch gut so.   
Der Ausschuss hält sich dadurch in Grenzen und mit einem Billing bestehend aus SKULL FIST, POWERWOLF, GRAVE DIGGER und SABATON sollte für jung und alt was dabei sein...hey ho, let's go.

SKULL FIST:
Wenn man sich auf eines bei diesen Festivaltourneen verlassen kann, dann ist es der minutiös pünktliche Beginn. Des einen Freud, des andern Leid, wenn man erst 15 Minuten nach dem offiziellen Beginn in der Garage ankommt. Dadurch bekam der Verfasser dieser Zeilen leider nur noch die zweite Hälfte des Openers SKULL FIST mit, doch die haben allemal ausgereicht, um beurteilen zu können, dass das kanadische Quartett um Jackie Slaughter der beste Opener war, den man sich auf dieser Tour vorstellen konnte. Motiviert bis in die blondierten Haarspitzen präsentierte man eine gute handvoll Songs aus dem offiziellen Debütalbum „Head Öf The Pack“ (u.a. „Ride The Beast“, „Cöld Night“, „No False Metal“), die für jeden Anhänger des Achtziger Heavy/Speed Metals ein Genuss waren. Als besonderes Schmankerl spielte Neu-Gitarrist Johnny Exciter beim vorletzten Song ein fulminantes Solo auf den Schultern seines Frontmannes. So was hatten selbst AIRBOURNE nicht im Programm. Geil!

POWERWOLF:
Wie sagt ein altes Sprichwort: „Zu Hause ist es immer noch am schönsten“ oder frei ins Saarländische übersetzt: „Dahemm isses immer noch am beschde“. So in etwa waren auch die eröffnenden Worte von Attila Dorn, seines Zeichens Leitwolf bei POWERWOLF oder wie man hierzulande zu sagen pflegt: „et wölfschi“. Ihr merkt schon, sobald „der Wolf“ in der Nähe weilt, darf man alles nicht mehr ganz so Ernst nehmen und wer das tut, ist eh selber Schuld und bringt sich um eine gehörige Portion Spaß. Und genau den wollte der überwiegende Teil der Meute haben, einige sind sicherlich nur wegen den heulenden Wölfen und ihrer Messe gekommen, die bei ihrem Heimspiel in Saarbrücken über die komplette Spieldauer so abgefeiert worden sind, wie vermutlich sonst nirgends auf der Tour. Sie hatten aber auch leichtes Spiel, da SKULL FIST bereits ordentlich eingeheizt hatten und der Sound für Garagen-Verhältnisse wirklich top war. So gerieten die folgenden 50 Minuten zu einem Triumphzug, egal was angespielt wurde, ob neue („Sanctified With Dynamite“, „We Drink Your Blood“) oder alte Songs („Prayer In The Dark“, „Werewolves Of Armenia“), als Reaktion gab's stets erhobene Hände und gereckte Fäuste von den anwesenden Evangelisten. Am Besten kamen sicherlich gegen Ende der Song über „überübermorgen“ (kleiner Tipp: die Show war mittwochs) sowie die ultimative Bandhymne über die Morgenlatte (laut Attila kein Song für Frauen).   

Geht man ins Detail, gibt’s sicherlich das ein oder andere zu bemängeln, angefangen beim fehlenden Live-Bass über die vielen Einspielungen vom Band (es käme schon gut, wenn die restlichen Bandmitglieder die Backings übernehmen würden), bis hin zu den einstudierten Posen (Organist Falk als Pausenclown, wenn er gerade mal nichts zu tun hat) und Ansagen ("Vielen dankeschön..."). Aber was soll's, das sind POWERWOLF so wie wir sie kennen und anbeten und den Leuten gefällt's, wie Platz 23 für „Blood Of The Saints“ eindrucksvoll beweist. Selbstverständlich gab's auch dafür ein Dankeschön an die Fans auf die POWERWOLF'sche Art. So langsam wird’s wirklich mal Zeit für die Headliner Tour!

Setlist:
Intro
Sanctified With Dynamite
Prayer In The Dark
In Blood We Trust
Raise Your Fist, Evangelist
We Drink Your Blood
Werewolves Of Armenia
Dead Boys Don't Cry
Resurrection By Erection
Saturday Satan
Lupus Dei

GRAVE DIGGER:
Manche Sachen sind schon seltsam. Da lassen sich GRAVE DIGGER ein viertel Jahrhundert gar nicht im Saarland blicken und seit der grandiosen 2007er Show (ebenfalls mit POWERWOLF als Support) gastieren die Grabschaufler fast im Jahrestakt in der saarländischen Landeshauptstadt. Dieses Mal nicht als Headliner, sondern irgendwo zwischendrin zwischen den abräumenden Wölfen und der schwedischen Panzer Batallion. Keine leichte Aufgabe für Chris Boltendahl und seine neuformierte Mannschaft, statt dem Duo Herrmann/Schmidt gibt es seit einiger Zeit mit Axel Ritt nur noch einen Gitarristen in der Band; wenn man mich fragt vor allem live eine Verschlechterung. Da fehlt einfach die zusätzliche Portion an Druck und die Soli von Axel Ritt mögen technisch über jeden Zweifel erhaben sein, wollen aber nicht so recht zu einer Heavy-Band wie GRAVE DIGGER passen.
Und so dauert es fast 40 Minuten bis das Publikum erneut so richtig auf Betriebstemperatur ist, vielleicht hätte man die Show besser mit den Bandhymnen „Rebellion“ (ausgelutscht und öde) und „Heavy Metal Breakdown“ (ausgelutscht und immer noch geil) eröffnen sollen. Routiniert ist vermutlich das Wort, das am Besten diesen knapp einstündigen Auftritt der deutschen Metal-Institution beschreibt. Als einzige Überraschung bleibt „Wedding Day“ vom 93er „The Reaper“ Album im Gedächtnis, das man schon länger nicht mehr gehört hat.

Setlist:
Intro
Paid In Blood
The Dark Of The Sun
Hammer Of The Scots
Wedding Day
Twilight Of The Gods/The Grave Dancer (Medley)
Excalibur
Rebellion
Heavy Metal Breakkdown

SABATON:
Der Weg von SABATON vom tiefsten Untergrund (vor fast 10 Jahren spielte man zum Beispiel noch auf dem Swordbrothers Festival), bis fast ganz nach oben ist schon beachtlich und auch ein Stück verwunderlich, wenn man sich die bescheidene Qualität der ersten Alben „Primo Victoria“ und „Attero Dominatus“ vor Augen führt. Wie auch immer, sollte es vorher Zweifler gegeben haben, dass SABATON und nicht die deutlich erfahreneren GRAVE DIGGER Headliner dieser Tour sind, die sollten spätestens nach diesem überzeugenden 75-minütigen Gig verstummen. SABATON mögen auf Platte „so lala“ sein, aber live ist die Truppe um den Sänger mit dem schlechten Klamottengeschmack äußerst unterhaltsam, auch wenn es mir persönlich etwas schwer fällt bei textlich nicht ganz unproblematischen Songs wie „White Death“ oder „The Final Solution“ die Sau rauszulassen. Abgesehen von ihren Texten, verbreitet die Truppe aus Schweden ähnlich wie POWERWOLF einfach einen Haufen Spaß und das schlägt sich auf die Menge über, die SABATON nach allen Regeln der Kunst abfeiern, nun ja zumindest nach fast allen.  

Leider wurde der Sound ab der Hälfte des Gigs etwas schlechter und vor allem zu laut, dafür packte man im zweiten Teil die besseren Songs aus wie „Coat Of Arms“, „Primo Victoria“ (Highlight) sowie das an GAMMA RAY zu „Land Of The Free“ Zeiten erinnernde „Cliffs Of Galipolli“. Wenn es ein Manko gab, dann war das sicherlich die Songauswahl, aber auch da gilt, des einen Freude, des anderen Trauer. Etwas überraschend bildete schlussendlich dann auch nicht „Metal Machine“ den Abzug aus dem Kriegsgebiet, sondern das nicht ganz so starke „Metal Ripper“.

Fazit: So wie an diesem Abend macht eine Festivaltour richtig viel Spaß, und eine für einen Mittwoch Abend rappelvolle Garage dürfte auch die Veranstalter gefreut haben. Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr, in der Hoffnung, dass die POWER OF METAL Tour mit einem ähnlich starken Billing wieder im Saarland halt macht. (Maik)

Setlist:
Intro 1: The Final Countdown
Intro 2: The March To War
Ghost Division
In The Name Of God
White Death
Screaming Eagles
The Final Solution
Swedish Pagans
40:1
Cliffs Of Galipolli
Into The Fire/Attero Dominatus (Medley)
Purple Heart
Coat Of Arms
Primo Victoria
Metal Ripper

 

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