Es ist lange her, dass MOLLY HATCHET die Bretter der Garage geentert haben, wie lange weiß ich auch nicht mehr, doch man ist sich sicher, dass sie schon mal da waren. Irgendwann in ihrer langen Karriere muss es wohl gewesen sein, die Ende der Siebziger begann. Damals erstiegen aus der Asche der bei einem Flugzeugabsturz zerrütteten LYNYRD SKYNYRD drei Bands in den Sümpfen Floridas, die bis heute mit ihren Vorbildern verbunden sind. 38SPECIAL, die Formation um Van Zandt-Bruder Donnie, die Truppe des ehemaligen SKYNYRD-Gitarristen Rick Medlocke, BLACKFOOT, und eben jene Legende, die heute Abend zurückkehren sollte. Trotz vieler Besetzungswechsel und sonstiger Probleme macht man unentwegt weiter und hält die Fahne des Südstaatenrock hoch. Eigentlich hätte im Herbst ein neues Album erscheinen sollen, aber das wurde auf Januar verlegt. Im Vorprogramm sollte eine lokale Band ihr Glück versuchen.

Lange war ja nichts bekannt, wer den Support Act gibt, erst einen Tag vorher konnte ich es in Erfahrung bringen, TALETELLERS nennt sich die Formation. Nur der Name sagte mir gar nichts, obwohl es sich hier um eine saarländische Band handelt. Eigentlich dachte ich, ich kenne schon alle, aber da wird immer noch was aus dem Ärmel geschüttelt. Mal stilistisch ein wenig anders, als das, was ich bisher hier so gewohnt bin, aber zum Headliner nicht unbedingt passend.
Geboten wurde von den vier Jungs eine Mischung aus Rotzrock und Heavy Metal, so zwischen AC/DC und TWISTED SISTER. Einen leichten Thrash-Einschlag konnte man auch noch ausmachen, wenn man RAVEN zu den Wegbereitern dieser Gattung zählt, wogegen allerdings die Gallagher-Brüder heute noch widersprechen. Am ehesten erinnerten die Jungs vielleicht an die frühen THE ALMIGHTY, was durch die ebenfalls rote Matte des Frontmannes noch verstärkt wird.

Der hört auf den Namen Alan Costa und verfügt mit seinen jungen Jahren über eine recht gute Präsenz und ein kräftiges raues Organ. Bei seinen Gesangseinlagen stand er vorne, leicht in den Knien, die Flying V dazwischen und verzog gerne die Mundwinkel wie weiland BILLY IDOL. Ansonsten war er viel unterwegs und versuchte das Publikum zu animieren. Doch leider kam nicht mehr als ein Höflichkeitsapplaus, dazu waren sie einfach zu unbekannt. Außerdem waren noch viele Zuschauer an der Theke, aber zu harter, dreckiger Mucke passt ja auch mal ein Bier.
An ihrem Engagement kann es nicht gelegen haben, das stimmte. Bei den Soloeinlagen ließ Costa seinen Partner an den sechs Saiten, Stefan Kuhn nach vorne, wo er seine Fertigkeiten präsentieren konnte. Und Basser Pascal Louis sorgte für die passenden Gangshouts. Insgesamt spielte das Quartett sehr tight und druckvoll, die Melodien wussten zu gefallen. Dennoch sind sie songwriterisch noch etwas limitiert, oft kommt man beim Versuch das Tempo zu variieren nicht so auf den Punkt. Das wirkte bisweilen ein wenig Jam-mässig und ließ den sonstigen Drive vermissen. Dennoch können sie durchaus zufrieden sein, nutzten die Möglichkeit ihr Debüt „Detonator" dem Publikum vorzustellen. In ein paar Wochen im Vorprogramm von GRAVE DIGGER können sie vielleicht ein wenig mehr Punkte sammeln.

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Nach einer recht langen Umbaupause war es dann endlich soweit, die Südstaatenlegende entert nach vielen Jahren wieder die Bretter der Saarbrücker Garage. Sofort kam unter den wenigen Zuschauern, nur etwa 350 ließen sich dieses Spektakel nicht entgehen, Stimmung auf. In letzter Zeit wurde bei dreimal so vielen Fans auf Metal-Konzerten nicht dieser Lautstärkepegel erreicht, was zeigt wie sehr man auf diese Band gewartet hat. Ebenfalls offensichtlich, dass das Alter auch vor MOLLY HATCHET nicht halt macht, vor allem in Bezug auf Leibesfülle. Frontmann Phil McCormack zwängt seine recht unförmige Plautze in ein Jack Daniel´s - Shirt, in was denn sonst?
Und genauso singt der Mann auch, seine whiskey-getränkte, raue Bluesstimme passt perfekt zur Musik des Sechsers. Die Herren neben ihm haben zum Teil noch stattlichere Umfänge, was sie allerdings nicht davon abhielt nur so durch Spielfreude zu glänzen. Zwar geht Drummer Shawn Beamer durchaus als ansehnlich durch, wenn ihm hinterm Kitt sitzend der Ventilator die Haare hochweht, aber eben nur im Sitzen, der Bauchansatz gehört irgendwo schon dazu. Schön auch, dass mit Dave Hlubek wieder eines der Originalmitglied in ihren Diensten steht.

Gleich zu Beginn packte der Sänger die Harmonika aus, unterstützte seine Saitenfraktion bei den trockenen Riffs und stieg ein in das schon seit jeher bekannte Eröffnungstrio. Der Sound schien zwar anfangs recht gut, aber das ist momentan ein wenig das Problem der Garage, dass sich Nachbesserungen oft negativ auswirken. Das störte aber niemanden so recht, Rock´n´Roll pur war angesagt, mit einem ordentlichen Schuss Blues. Bobby Ingram und Dave Hlubek spielten sich die Riffs fast blind zu, glänzten vor allem bei den Soli.
Hierin liegt sicherlich die Magie dieser Truppe, in dem Zusammenspiel aller Beteiligten. Da sitzt alles so tight wie im Schlaf, man könnte die nachts aus dem Bett heraus auf die Bühne stellen, sie würden ein famoses Konzert abliefern. Auch die Posen und Gesten, das legendäre Gitarrenballett waren sehr gut aufeinander abgestimmt, ohne einstudiert zu wirken. Hier sind Könner am Werk, die ihr Handwerk beherrschen, deren Erfahrung, deren Feeling voll zur Geltung kommt, ohne zur Routine zu verkommen.
Denn Spaß steht bei MOLLY HATCHET immer noch an erster Stelle und den hatte die Truppe durchaus. McCormack mimte wie immer den Kasper, albert mit seinen Mitmusikern und dem Publikum herum, machte faxen und schnitt Grimassen. Das Grinsen ging den meisten in dem Schuppen nicht aus dem Gesicht, auch nicht als bei Bobby Ingram die Technik-Probleme größer wurden. Da wurde kurz die Setlist umgeworfen und das erneute Versuchen geschickt in einen Blues-Jam aus Standard wie „T for Texas" gepackt. So etwas geht halt nur bei einer eingespielten Truppe.

Als es dann wieder weiter ging, folgten weitere Klassiker vor allem von ihren ersten drei Alben. Songs vom kommenden Werk wurden nicht vorgestellt, man vertraute auf bekanntes Material, um den Spaß-Faktor möglichst hoch zu halten. Auch Lieder der Werke ab Mitte der Neunziger tauchten kaum auf.
Phil McCormack erwies sich als sehr redseeeliger Bursche, der immer unterhaltsam rüber kam, und ständig sein „Dont´t say yeah, say Hell yeah" anstimmte. Dazu stellte er jedes Mitglied länger vor als ein Dirigent sein ganzes Orchester. Aber er erzählte auch von Liebe, Freundschaft (die wohl alle Musiker der Band verbindet), Treue und Ehrlichkeit. Das hört sich konservativ an und wahrscheinlich sind es die Männer auch. Aber in den heutigen schnelllebigen Zeiten könnten wir alle etwas von deren Bodenständigkeit gebrauchen.

Bei der Zugabe folgte dann der unverzichtbare Evergreen, obwohl es MOLLY HATCHET nicht nötig hätten fremde Songs zu spielen, dafür ist das eigene Material stark genug. Aber bei der Über-Hymne des Southernrock ist das etwas anderes, zumal man mit Tim Lindsey den Mann an Bord hat, der damals bei LYNYRD SKYNYRD Tim Wilkeson ersetzte, was das ganze legitim macht. Der Song wurde den verstorbenen Freunden gewidmet, dabei liest sich die Liste bei den Urvätern dieses Genres schon sehr lange. Doch auch die anderen des magischen Jacksonville-Kleeblatts haben Verluste zu beklagen, wie Jackson Spires oder Danny Joe Brown. Traurig auch so vom Tod Duane Roland´s zu erfahren, den ich auf meinem ersten HATCHET-Konzert noch erleben durfte.
Aber nicht nur deswegen dürften nicht wenige Wasser in den Augen oder zumindest eine dicke Gänsehaut gehabt haben, als das Piano-Intro von „Freebird" erklang. Nun taute Ingram so richtig auf, beim genialen langen Schluss-Solo präsentierte er seine Epiphone Expander senkrecht hoch über der Brust gehalten und spielte wie ein junger Gott, großartig! Und man brachte danach sogar noch eine Nummer, so dass ein bärenstarkes Konzert nach 100 Minuten endete. In der Form können MOLLY HATCHET noch lange weiter machen. Freuen wir uns auf das neue Album! (MetalPfälzer)

Setlist MOLLY HATCHET:
Whiskey Man
Bounty Hunter
Gator Country
Son of the South
Fall of the Peacemakers
-Drumsolo-
Beatin the Odds
-Blues-Jam-
Down from the Mountain
One Man´s Pleasure
-Keyboardsolo-
Dreams i´ll never see
The Journey
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Freebird
Flirtin´ with Disatser

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Alle Bilder von Maik. Mehr davon findet ihr wie immer in der Galerie.

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