Unter gar nicht so guten Vorzeichen stand die Tour zu “Downburst”, dem neuen Album von BRAINSTORM. Zuerst sagt der recht zugkräftige Support EVERGREY ab, dann wird das Konzert von der „Garage“ ins kleinere „Roxy“ verlegt. Doch die Schwaben machen aus der Not eine Tugend und suchen sich mit den Saarländern POWERWOLF und den norwegischen Power-Prog-Metallern PAGAN´S MIND zwei starke Acts als Begleitung. Und die Verlegung in den kleineren Club wirkt sich durchaus positiv auf die Atmosphäre aus, den das Publikum ist viel dichter dran am Geschehen. So war das Roxy schon vor der ersten Band prall gefüllt, was aber auch kein Wunder war.

Schließlich stammen die Power-Metaller aus dem Saarland und genießen den Bonus als Local Heroes in vollen Zügen. Den Gag mit der rumänischen Herkunft brauchen sie aber hier nicht zu bringen, denn Saarbrücken wusste Bescheid. Trotzdem bringt Frontmann Attila seine Ansagen in gebrochenem Deutsch vor. Und die haben es bekanntlich in sich. Da wird das Image der düsteren Karpatenbewohner gepflegt, aber trotzdem kein Kalauer gespart. Eher unfreiwillig war der, bei dem er sich seine Zähne am Mikro gestoßen hat. Die ganze Bühne ist wie eine alte Kirche gestaltet, und der Sänger spricht verstärkt dem Messwein zu, den er in seiner Klangschale serviert.
Musikalisch lassen POWERWOLF ebenfalls nichts anbrennen und feuern ihren hymnischen Powermetal in die tobende Menge. Diese nimmt dankbar an und feiert die Truppe mit Sprechchören und massig Applaus. Die Combo ohne Basser präsentiert einen gelungenen Querschnitt durch ihre beiden Alben mit Songs wie „We came to take your Souls" , „Saturday Satan" oder Mister Sinister". An der Gitarrenfront posen die beiden „Greywolf"-Brüder um die Wette und lassen sich ihre Matten von Ventilatoren auffönen. Neben dem meisten der Musik ist auch dieses Gimmick ein Relikt aus den Achtzigern. Aber die „rumänischen" Saarländer bedienen eh gerne einige Klischees und machen daraus keinen Hehl, was die Jungs sehr sympathisch wirken lässt. Nach dem regulären Set wurden sie noch so lange abgefeiert, bis sie für eine Zugabe nochmals aus der Gruft zurück kamen.

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Anschließend hatten natürlich PAGAN´S MIND einen schweren Stand, da der ganz große Teil des Publikums die Vorgänger kannte und mochte, die Norweger aber kaum jemand. Doch das machten sie mit ihrem musikalischen Können wett. Anfangs waren viele der Anwesenden noch skeptisch, doch mit zunehmender Spielzeit gelang es der musikalisch besten Band des Abends immer mehr Besucher in ihren Bann zu ziehen. An die Reaktionen vorher kamen sie allerdings nicht heran, es ist aber anzunehmen, dass sich anderswo des Kräfteverhältnis etwas anders gestaltete.
Schon zu Beginn kam der progressive Powermetal der Skandinavier sehr druckvoll rüber, fast zu druckvoll, den der Sound war extrem laut und doch ziemlich übersteuert. Zum Glück wurden keine der Feinheiten in ihrem Klangbild verschluckt, wie etwa die schönen Keyboardflächen über breiten, swingenden Riffs. Alleine daran ist schon abzusehen, dass PAGAN´SMIND nicht nur die Direktiven der großen Bands dieses Genres, wie FATES WARNING, mit denen sie im Herbst getourt sind, befolgen. Die Fünf konnten eine eigene Interpretation anspruchsvollen Metals unter das Volk bringen, gespickt mit allerlei technischen Kabinettstückchen, die aber allesamt in den Dienst solcher Nummern wie „United Alliance" , „Alien Kamikaze" oder „Through Osiris´ Eyes" stellen.
Nur an ihrer Bühnenperformance müssen sie noch etwas feilen, da vor allem Frontmann Ronny Tegner während der Instrumentalpassagen nicht so recht wusste wohin. Manchmal musste er sich sogar danach seine Weg an die Front zwischen seine beiden Saitenakrobaten erkämpfen. Doch gesangstechnisch war er eine Klasse für sich und schien auch die Songs Zeile für Zeile zu leben. Platz war auch nicht allzu viel, weil die Tastenburg unüblicherweise nicht in´s Eck verpflanzt wurde. Dazu wartete Bassist Stian Kristofferson mit einem überdimensionalen Sechsaiter auf, der fast die gesamte Bühne brauchte.
Gitarrist und Mainman Jorn Viggo Lofstad suchte ebenfalls viel Kontakt zum Publikum, während er mit seinem Spiel glänzte. Ein paar mal ließ der Gute sogar Blues-Wurzeln aufblitzen, das dem ganzen die besondere Note gab. Und Drum-Tier Nils K. Rue überstrahlte im Hintergrund alle. Nur schade, das er wegen der schlechten Ausleuchtung wie seine Kollegen kaum zu sehen war. Und schade, dass die beste Band des Abends den wenigsten Applaus bekam. Der war zwar nicht wenig, aber nichts im Vergleich zu den frenetischen Reaktionen der beiden anderen.

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Nun war es an der Zeit für den Höhepunkt des Abends, und BRAINSTORM legten los als gäbe s kein Morgen. Von Beginn an war eine ungeheure Spielfreude und Motivation zu spüren, die sich direkt auf das Publikum übertrug. Andy B. Franck ist ein Frontmann par excellence, der es versteht die Meute im Griff zu haben. Er kam auch endlich dahinter warum die Decke so niedrig ist. Nämlich um sich daran abzustützen, wenn man auf den Monitoren stehend den Fans ganz nahe sein will. Die logische Antwort waren „BRAINSTORM"-Sprechchöre nach jedem Song. Franck war von dem Publikum sehr angetan und froh, dass sich seine Erkältung wieder gebessert hat. Die war dem Energiebündel gar nicht mehr anzumerken.
Seine Nebenleute an den Äxten Milan Loncaric und Thorsten Ihlenfeld überließen ihm auch weitestgehend das Feld und konzentrierten sich auf ihr äußerst druckvolles Spiel. Die beiden spielten sich auch die Solis sehr schön zu, was nicht zuletzt an JUDAS PRIEST erinnert. Auch die Background-Chöre waren nur mit fett zu beschreiben und garnierten den hymnischen, schneidenden Powermetal der Schwaben. Die Leute vor der Bühne nahmen dankend an und sangen lauthals mit. Auch als der neue Mann am Langholz Antonio Ieva vorgestellt wurde erntete er besonders herzlichen Applaus.
Hauptaugenmerk des Headliners lag natürlich auf den Songs ihres neuen Albums „Downburst", aber auch genügend alte Kracher wurden eingestreut. Das Repertoire reichte von Double-Bass regierten Nummern bis zu balladesken Anklängen. Leider geht bei dem Soundgewitter so einiges unter und die Songs wirken doch etwas gleichförmig, was mit der Zeit zu ein paar Ermüdungserscheinungen führte. Schade, denn die Songs für sich sind alle gar klasse. Weiter hinten im Bereich des Mischers soll der Klang zwar besser gewesen sein, das kann ich aber nicht beurteilen. Vorne wäre doch weniger mehr gewesen, vor allem wäre er dann klarer rüber gekommen.
Doch den meisten war das egal, sie feierten eine gewaltige Party vor der Bühne, die Matten und Fäuste flogen unentwegt und die Band hatte sichtlich Spaß. Soviel Spaß, dass sie nach minutenlangem weitersingen von „All those Words" noch einmal zurück kamen und eine unplanmäßige Zugabe lieferten. Das nenne ich mal Dienst am Fan! (MetalPfälzer)

Setlist BRAINSTORM:
Falling spiral down
Blind Suffering
Worlds are coming through
Shiva´s Tears
Fire walk with me
End in Sorrow
Highs without Lows
Hollow Hideaway
Shadowland
Surrounding Walls
Doorway to survive
Inside the Monster
How do you feel?
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Under Light
All those Words
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Painside

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